Sport : Moderner Musketier

Trainer-Neuling Sascha Obradovic führte Köln ins Finale und möchte Alba heute erneut bezwingen

Benedikt Voigt

Berlin - Der Anzug hängt bereit, gereinigt und gebügelt. „Ich habe ihn für besondere Gelegenheiten gekauft“, erzählt Sascha Obradovic. Am Sonntag hat der Trainer von Rhein Energie Köln das gute Stück erstmals dem Basketballpublikum vorgeführt, heute will er den grauen Zweiteiler erneut präsentieren. Mit seinem Kinnbart sah er darin aus wie ein moderner Musketier. „Sascha Obradovic kleidet sich immer sehr geschmackvoll“, sagt Kölns Sportdirektor Stephan Baeck, „er hat zwei Jahre in Italien gespielt, das hat ihn geprägt.“ Trotzdem spielten Äußerlichkeiten bei ihm nur eine untergeordnete Rolle, sagt Obradovic. „Dafür brauche ich nur sehr wenig Zeit.“

Es gibt Wichtigeres zu tun. Der Trainer von Rhein Energie Köln bereitet sein Team auf das heutige zweite Finalspiel gegen Alba Berlin (20 Uhr, live bei Premiere) vor. Das erste hat sein Team gewonnen (88:79), mit einem erneuten Erfolg könnte Köln in der Serie nach dem Modus „Best of five“ einen großen Schritt in Richtung Meistertitel tun. „Alba wird heute ein anderes Gesicht zeigen“, sagt Obradovic, „aber wir sind zu Hause normalerweise sehr gut“. Um einen größeren Heimvorteil zu haben, spielt sein Verein das Finale im ausverkauften Energy-Dome vor 3300 Zuschauern und nicht in der riesigen Köln-Arena.

Bereits in seiner ersten Saison als Trainer hat Sascha Obradovic die Endspielserie erreicht. „Wir wären auch ohne den Einzug ins Finale mit dieser Saison zufrieden gewesen“, sagt Sportdirektor Baeck, „der Erfolg gibt ihm Recht.“ Obradovic hat so viel mit dem Team trainiert, dass sich ein paar Spieler schon darüber beschwert haben. „Jetzt sind wir am Spielende eindeutig athletischer“, sagt Baeck.

Sascha Obradovic hat bereits als Spieler die Bundesliga geprägt. In seinen Jahren als Spielmacher bei Alba Berlin (1994 bis 1997) erlebte er den Aufstieg des Vereins mit. 1995 gewann er den Korac-Cup, 1997 Pokal und Meistertitel. Allerdings war er in den Finalspielen um den deutschen Meistertitel oft vom Pech verfolgt, 1995 und 1996 musste er verletzt passen. Als er 2002 in seiner ersten Saison in Köln das Finale erreichte, musste er wegen eines Handbruchs verzichten. Nun kann er als Trainer Versäumtes nachholen.

Als Spieler trat er oft emotional und hitzköpfig auf, einmal leistete er sich einen Faustschlag gegen einen Gegenspieler. Als Trainer handelt er überlegter. „Er tritt mit einer Mischung aus Autorität und Verständnis für die Spieler auf“, sagt Baeck. An der Seitenlinie will Obradovic sogar noch ruhiger werden. „Es gibt keine Zeit zum Diskutieren, ich muss immer schon die nächste Situation im Kopf haben“, sagt er, „das muss ich noch lernen.“ Wie Albas Coach Henrik Rödl hat er sich in dem ehemaligen bosnischen Nationaltrainer Drasko Prodanovic einen erfahrenen Trainer an die Seite geholt.

Zu seinen Vorbildern zählen die Großen des Trainerfachs: Zeljko Obradovic, Svetislav Pesic, Bozidar Maljkovic oder auch Ettore Messina. Ein typisch jugoslawischer Vertreter der Basketballschule möchte er aber nicht sein, „wir spielen modernen Basketball“, sagt er. Als Spieler hat er vieles erreicht, ist Welt- und Europameister mit Jugoslawien geworden, als Trainer strebt er ebenfalls nach den ganz großen Erfolgen. „Ich möchte in jeder Karriere das höchste Level erreichen“, sagt der 37-Jährige. Mit dem Meistertitel hätte er das bereits in seiner ersten Saison vollbracht.

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