Sport : Mönchengladbach - Leverkusen: Dank Gott, Butt und Strampe

Stefan Hermanns

In der Halbzeitpause, als die lokale Wirtschaft ihre Werbebotschaften unters Volk brachte, wandte sich Stadionsprecher Thorsten Knippertz an "alle, die Lust haben, Schiedsrichter zu werden. Die Schiedsrichter in Mönchengladbach suchen nämlich noch." Im Bökelbergstadion wird diese Ansage vermutlich nicht allzu viele Interessenten angesprochen haben. Zumindest unter den Fans der Gladbacher Borussia war das Schiedsrichteramt gestern nicht besonders hoch angesehen. Der Dienst habende Sportkamerad Hartmut Strampe aus Handorf hatte seinem Berufsstand keine guten Dienste erwiesen. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, der Ball nach einem Heber von Igor Demo bereits einmal an der Latte des Leverkusener Tores gelandet, als Michael Ballack beim Laufduell mit Peter Nielsen im Mönchengladbacher Strafraum zu Fall kam. Strampe zeigte auf den Elfmeterpunkt und Leverkusens Torhüter Hans-Jörg Butt verwandelte wie einst beim HSV - sicher. 1:0 hieß es nach zwei Minuten, und dass in den folgenden 88 Minuten kein weiterer Treffer fiel, Leverkusen die Begegnung also gewann, gehört zu den Mysterien dieses Sports.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die Faktenhuber von Premiere hatten hinterher ermittelt, dass Gladbach im Laufe der Begegnung 28-mal aufs Leverkusener Tor geschossen hatte, Bayer nur achtmal. 13:2 hieß die Eckenstatistik zugunsten des Aufsteigers, das Chancenverhältnis 12:4. "Wenn das Eiskunstlaufen wäre, hätte Gladbach gewonnen", sagte Bayers Manager Reiner Calmund. Auch Torhüter und Torschütze Butt hatte Gladbach als die bessere Mannschaft erlebt. Die Borussen "hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt. Aber das wird denen sicher nicht viel helfen."

Die Gladbacher ärgerten sich vor allem über jene Szene, über die Michael Ballack sagt, dass sie durchaus elfmeterwürdig war, "weil ich kurz an der Schulter gezogen worden bin". "Scheiße ist das", schimpfte Torhüter Jörg Stiel, zeigte auf seine Brille und sagte: "Der Schiedsrichter sollte sich auch eine kaufen." Selbst Hans Meyer, Gladbachs Trainer, bekannte, dass er "eine fürchterliche Wut auf den Schiedsrichter" empfunden habe, aber auch "eine Wut auf uns", weil seine Spieler die gefährliche Situation im Strafraum erst hatten entstehen lassen.

Reihenweise hatten die Gladbacher beste Torchancen ausgelassen, die sie sich gegen den Favoriten erarbeitet hatten. Doch der Ball wollte nicht rein. "Der Moment ist vorbei, da wir vom Uefa-Cup reden", sagte Trainer Meyer. Wahrscheinlich ist er glücklich darüber.

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