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Mönchengladbach - München 3:3 : Mit Trikottrick und Glück

Mönchengladbach ergattert sich in Auswärtskluft zu Hause einen Punkt gegen den FC Bayern. Nach 1:2-Rückstand drehen sie das Spiel, schaffen beinahe die Sensation und können sich am Ende über einen Punkt freuen.

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Da sah es noch nach der ganz großen Überraschung aus: Trainer Michel Frontzeck packt sich seinen Spieler Igor de Camargo, der zuvor das 3:2 gegen die Bayern erzielt hat.
Da sah es noch nach der ganz großen Überraschung aus: Trainer Michel Frontzeck packt sich seinen Spieler Igor de Camargo, der...Foto: dpa

Fußball besteht zu nicht unwesentlichen Teilen aus Psychologie, und es ist doch immer wieder faszinierend, wie einfach sich der Kopf manchmal überwinden lässt. Borussia Mönchengladbach hat in dieser Saison noch kein Heimspiel gewonnen, also, haben sich die Gladbacher gedacht, ziehen wir gegen Bayern München doch einfach unsere Auswärtstrikots an und tun so, als ob wir gar nicht zu Hause spielten. Fast hätte die Masche funktioniert: Obwohl die Bayern ihren Gegner vor der Pause nach Belieben beherrschten, machten Marco Reus und der eingewechselte Igor de Camargo aus dem 1:2 ein 3:2. Erst fünf Minuten vor Schluss rettete Philipp Lahm den Bayern mit seinem ersten Saisontor wenigstens einen Punkt.

Louis van Gaal, der Trainer des Rekordmeisters, war nach dem Abpfiff dennoch alles andere als glücklich. Der Holländer machte vor seinen Ausführungen zum Spiel eine lange Pause, dann kleidete er seine unerträgliche Wut in halbwegs erträgliche Worte: „Ich war sehr enttäuscht, eigentlich auch ein bisschen böse.“ Die Spieler hatten seinen Unmut zuvor noch mit voller Wucht abbekommen. In der Kabine war es so laut, dass van Gaal bei geschlossener Tür bis in den Gang zu hören war. „Wir haben in zehn Minuten einen sicheren Sieg weggegeben“, klagte er.

Bis auf wenige Phasen war seine Mannschaft deutlich überlegen, auf 74 Prozent Ballbesitz hatte sie es am Ende gegen den Tabellenletzten gebracht. Die Gladbacher sahen nicht nur aus wie ein Auswärtsteam, sie spielten auch so. Dabei hatte das Spiel verheißungsvoll für sie begonnen, mit der Führung nach nur fünf Minuten: Patrick Herrmann schlug von der rechten Seite eine Flanke in den Strafraum der Bayern, der Ball flog über Butt hinweg und landete im Netz.

Vielleicht hätten sich die Bayern vor ein paar Wochen noch von einem solchen Rückstand irritieren lassen. Inzwischen aber ruhen sie wieder so sehr in sich, dass sie einfach weitermachen. Der Ball kreiselte fortan ungestört durch ihre Reihen, die Gladbacher dienten nur noch der Staffage, und als Mario Gomez einen Freistoß von Toni Kroos per Kopf ins Tor beförderte, hatten die Bayern nach weiteren fünf Minuten schon wieder ausgeglichen.

Die Gladbacher haben sich in dieser Saison oft beklagt, dass sich alle bösen Mächte gegen sie verschworen hätten. Gestern aber mussten sie sich vom Glück geküsst fühlen, dass die Bayern zur Pause nur 2:1 führten, nachdem Bastian Schweinsteiger eine Flanke von Danijel Pranjic mit der Hacke ins Tor gelenkt hatte. Sonst hatten die Gastgeber jede Menge Dusel: Schweinsteiger traf die Unterkante der Latte, Gomez scheiterte an Gladbachs Torhüter Christofer Heimeroth, der Nachschuss von Toni Kroos landete am Lattenkreuz, und noch vor der Pause traf Schweinsteiger mit einem Foulelfmeter den Pfosten. „Wir hatten in der ersten Halbzeit überhaupt nichts anzumelden“, sagte Borussias Verteidiger Tobias Levels. „Aber dann sind wir rausgegangen und haben Feuer gemacht.“

Es wurde nun ein wahnwitziges Spiel. Das Heimteam in den Auswärtstrikots trat deutlich fordernder auf. Die Gladbacher kamen besser in die Zweikämpfe, sie eroberten Bälle, und ihr Beitrag zum Geschehen bestand jetzt nicht mehr ausschließlich aus Befreiungsschlägen. Zehn Minuten nach der Pause spielte de Camargo Marco Reus frei, dessen platzierter Flachschuss zum 2:2 ins Netz ging. Nur vier Minuten später brachte de Camargo den Borussia-Park mit seinem Tor zum 3:2 endgültig zum Tanzen.
Die Bayern aber verschärften ihre Bemühungen noch einmal, sie ließen den Borussen kaum noch Zeit zum Atmen. Und sie wurden am Ende wenigstens ein bisschen belohnt. Wenn Louis van Gaal nicht so böse gewesen wäre, hätte er sich sogar richtig freuen können: „Ich hatte Tränen in den Augen, mit welchem Einsatz meine Mannschaft noch um das Unentschieden gekämpft hat.“

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