Mohamed Zidan : Ball oder Waffe

Dortmunds Mohamed Zidan sitzt in Ägypten fest. Die Behörden dort entscheiden voraussichtlich Ende des Monats, ob Zidan noch seinen Wehrdienst ableisten muss.

Richard Leipold
Mohamed Zidan.
Mohamed Zidan.Foto: ddp

Nach dem 3:1 im Testspiel gegen Manchester City war die Stimmung unter den 30 000 Fans von Borussia Dortmund schon fast wie nach einer bedeutenden Partie. Aber nicht alle konnten sich mitfreuen oder gar mitfeiern. Mohamed Zidan, der stürmische Stratege aus dem zentralen Mittelfeld, sitzt fest – daheim in Ägypten zwar, an einem Ort, den er sehr mag, aber er sitzt fest. Zidan muss dort bleiben, bis geklärt ist, ob er noch seinen Wehrdienst ableisten muss. Wie es heißt, entscheiden die Behörden Ende dieses Monats, ob Zidan zu den Waffen greifen muss oder weiter im Ausland seinem Beruf nachgehen darf.

Im Mai war der verletzte Fußballprofi nach Ägypten gereist, um mithilfe von Mitarbeitern des BVB die Folgen eines Kreuzbandrisses zu überwinden. Doch die ägyptischen Behörden stellten fest, dass der 28 Jahre alte Nationalspieler noch als Wehrpflichtiger in Betracht kommt. Bisher war er freigestellt, weil er mit seinem Einkommen für den Unterhalt der gesamten Familie aufkam. Inzwischen aber ist auch einer seiner Brüder erwerbstätig. Sollte Zidan eingezogen werden, müsste er drei Jahre Dienst an der Waffe leisten. Solange die Rechtslage nicht geklärt ist, darf er das Land nicht verlassen. Der Fußballspieler fügt sich. Er werde keinesfalls versuchen, illegal auszureisen, sagt Zidan. „Sonst droht mir Knast oder ich kann vielleicht nicht mehr in meine Heimat zurück.“

In Dortmund sehen die Verantwortlichen die Angelegenheit gelassen. Sportdirektor Michael Zorc rechnet damit, „dass die Sache in unserem Sinne geregelt wird und Zidan bald zu uns zurückkommt“. Einiges spricht dafür, dass sich eine Lösung finden lässt. Als verdienter Nationalspieler und Gewinner des Afrika-Cups von den Fans vergöttert und von der Regierung geehrt, hofft Zidan auf eine Ausnahmeregelung.

In den nächsten Wochen kann Zidan ohnehin nicht einmal mit der Mannschaft trainieren. Nach seiner Knieverletzung ist er noch im Aufbautraining. In seiner Abwesenheit haben sich andere in den Vordergrund gespielt. Als erster Anwärter für Zidans Position im offensiven DreierMittelfeld gilt Shinji Kagawa, der auch auf die rechte Seite ausweichen kann, wenn das Gedrängel in der Mitte zu groß wird. „Er hat das Vorurteil widerlegt, Japaner seien schüchterne und zurückhaltende Menschen“, sagt Trainer BVB-Jürgen Klopp. Kagawas „tolle Mentalität“ passe zum deutschen Fußball.

Ob Zidan oder Kagawa: Die Regie des Dortmunder Spiels ist gehalten, mehr Ökonomie auf den Platz zu bringen. Die Laufwege, bisher eine rasengebundene Spielart des Fluglinienprogramms „Miles & More“, sollen effektiver gestaltet werden, weil die Belastung höher wird, gerade mit Blick auf die Europa League, deren entscheidende Qualifikationsrunde an diesem Freitag ausgelost wird.

Mohamed Zidan dürfte dem ersten Härtetest gelassen entgegenblicken. In den nächsten Wochen wird er weder der Armee noch seinem Arbeitgeber dienen können.

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