Sport : Mohamed Zidan

Wie der Mainzer den Sieg gegen Nürnberg erlebte

Daniel Meuren

Einer überragenden Manndeckung ist Mohamed Zidan vom FSV Mainz 05 nur vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg ausgesetzt. Der C-Jugendspieler eines rheinhessischen Dorfklubs, der den 25 Jahre alten Stürmer aufs Feld eskortiert, ist nicht nur ein paar Zentimeter größer als der 1,73 Meter kleine Ägypter, er weicht seinem Idol auch keinen Zentimeter von der Seite. Erst als er schließlich vom Schiedsrichter vom Feld gebeten wird, entlässt der Nachwuchskicker Zidan in die spielerische Freiheit. Diese nutzt der Ägypter fortan effizient.

Seinem direkten Gegenspieler Andreas Wolf enteilt er fast nach Belieben. Dass Zidan trotz der geringen Gegenwehr nach nur drei Minuten schon enttäuscht den Blickkontakt zu seinem Trainer Jürgen Klopp sucht, hat andere Gründe. Der Nationalspieler genügt seinem eigenen Anspruch als Ballgenie nicht, als er einen frechen Heber über Raphael Schäfer ungefähr an der Eckfahne, statt im Tornetz landen sieht. Klopp, der Zidan schon mal ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom attestiert und auch mal während eines Spiels tröstend in den Arm nimmt, blickt seinen Lieblingsschüler liebevoll an, sofort ist die Welt wieder in Ordnung.

„Mohamed braucht diese Rückmeldungen von außen, also gebe ich sie ihm“, sagt Klopp. Dermaßen psychisch gestärkt schießt er nach 13 Minuten beinahe seinen ersten Treffer. Der Linienrichter wähnt Zidan jedoch im Abseits. Wie in dieser Szene lässt Zidan seinen Gegenspieler Wolf auch vier Minuten später ganz alt aussehen, als er ihn an der Grundlinie düpiert und Nikolce Noveski mit mustergültiger Flanke bedient. Der Mazedonier vergibt jedoch und überlässt somit Zidan die Rolle des alleinigen Matchwinners. Denn im nächsten Angriff staubt der Mainzer Torjäger nach einem von Schäfer abgewehrten Schuss des Kolumbianers Elkin Soto aus sieben Metern ab.

In der Folge kommt dem im Winter aus Bremen nach Mainz gewechselten Kicker zugute, dass die Nürnberger sehr weit vorne verteidigen. Dadurch lassen sie Zidan viel Platz zwischen der hintersten Viererkette und dem eigenen Tor, den der flinke Ägypter dank guter Zuspiele seiner Kameraden in die Tiefe des Raums immer wieder für Sprints in den freien Raum nutzt. So auch in der 27. Minute, als der Nürnberger Verteidiger Michael Beauchamp einen langen Pass von Azaouagh durchrutschen lässt, Zidan den Ball erläuft und souverän zum 2:0 ins Tor schiebt. In Bremen, wo sie Zidans Talente nicht zu nutzen wussten und sich nur über seinen Hang zum Schabernack ärgerten, werden wieder einige Fachleute erstaunt den Kopf schütteln: Sechs Mal hat er jetzt schon in fünf Rückrundenspielen getroffen.

Beim Gang in die Pause verschenkt Zidan sein Trikot an einen Zuschauer. Dass es im neuen Hemd in der zweiten Halbzeit noch einmal knapp wird, liegt auch an Zidan. Am Defensivspiel beteiligt er sich kaum, sodass Nürnbergs aus der Abwehrkette heraus agierende Argentinier Javier Horacio Pinola immer wieder ungestört lange Bälle in die Spitze spielen kann.

Klopp wechselt Zidan deshalb in der 75. Minute gegen den defensiv stärkeren Imre Szabics aus, kurz nachdem der Ägypter von seinem Gegenspieler Wolf im Strafraum elfmeterreif gefoult worden war. Schiedsrichter Gagelmann verweigert jedoch den Strafstoß, weshalb Zidan schimpfend vom Feld läuft. Wenig später ist er aber wieder bei gewohnt guter Laune. Erst tanzt er nach dem Schlusspfiff in vorderster Reihe vor dem Mainzer Fanblock, dann gießt er Manager Christian Heidel, der gerade im Gespräch mit Journalisten etwas mehr defensiven Einsatzwillen von Zidan fordert, im Spaß ein paar Tropfen Mineralwasser über das Haupt. „Ich weiß, dass ich noch in der Defensivarbeit lernen muss“, sagt Zidan dann. „Aber jetzt bin ich erst mal glücklich über unseren Sieg.“

Sein Psychotherapeut Klopp ist nicht minder froh über seinen „kleinen Freund“. „Er ist ein sensationeller Kicker“, sagt Trainer Klopp schwärmend. „Das Beste ist aber, dass er noch riesiges Potenzial hat: Er hat keine gescheite Vorbereitung bestritten und ist maximal 80 Prozent fit.“

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