Sport : Moin, moin, Herr Dutt

Der neue Cheftrainer des SV Werder Bremen spricht bei seiner offiziellen Vorstellung vorsichtig über Ziele.

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Bremen - Das mit der Begrüßung in norddeutschem Slang muss Robin Dutt noch ein wenig üben. Als er gestern offiziell bei Werder Bremen vorgestellt wurde, versuchte es der neue Cheftrainer mit einem freundlichen „Moin“. Es klang ein wenig unbeholfen, ungefähr so, als würde sich ein Bremer im Schwäbischen versuchen. Abgesehen davon präsentierte sich Dutt derart sympathisch und überzeugend, dass der Begriff Hoffnungsträger für die zuletzt arg leidenden Werder-Fans nun ein Gesicht bekommen hat, ein Gesicht mit klaren Konturen.

Vor knapp einem halben Jahr hatte Werder Thomas Eichin als eine „smarte Lösung“ für den vakant gewordenen Posten des Sportdirektors bei Werder angepriesen. Jetzt hat der smarte Herr Eichin den nicht minder smarten Robin Dutt als Trainer nach Bremen geholt. Und Eichin ist sich sicher, „dass wir gemeinsam den Neuanfang gut hinbekommen“. Vor gut einer Woche hatte sich Werders Geschäftsführung auf den Weg gemacht, um Dutt zu überzeugen, die Nachfolge Thomas Schaafs anzutreten. „Das war ein eigenartiges Gespräch“, sagte Dutt gestern, „es fühlte sich überhaupt nicht an wie Verhandlungen, wir waren so schnell drin im Thema Werder und als ich auf die Uhr geschaut habe, da waren sieben Stunden vergangen.“ Bereits am Abend habe er gewusst, „dass ich das machen will“.

Auch wenn das Wort „authentisch“ bisweilen überstrapaziert wird – genau so wirkte der ehemalige Freiburger und Leverkusener Coach, der zuletzt das Amt des Sportdirektors beim DFB ausgeübt hatte. Dutt gab offen und ehrlich zu, dass er die Verärgerung beim DFB über seinen frühzeitigen Abgang verstehen könne. Es schicke sich eigentlich nicht, nach nur neun Monaten einen solchen Posten aufzugeben. Auf seine unglückliche Zeit in Leverkusen angesprochen, sagte Dutt: „Das war bestimmt nicht meine beste Performance. Da habe ich vor allem zu Beginn einige Fehler gemacht und das hat sich dann festgesetzt.“ Er schob den Misserfolg nicht auf die internen Querelen und das anschließende mediale Getöse um Altstar Michael Ballack.

Offenbar hat Dutt aus dieser Zeit gelernt. „Ich werde bestimmt nicht gleich auf der ersten Pressekonferenz hochtrabende Ziele raushauen“, sagte er gestern. Vielmehr gehe es darum, sich dem Team mit der nötigen Sensibilität zu nähern. Gleichzeitig machte er keinen Hehl aus seiner Gefühlslage. „Ich bin unwahrscheinlich glücklich, wieder auf der Bank sitzen zu dürfen. Und besonders glücklich, dass ich das bei Werder tun darf.“ Er habe unterschätzt, wie sehr ihm als DFB-Funktionär das tägliche Training fehlen würde. Für Menschen seiner Generation, so der 48-Jährige, sei Werder ein Verein, „der Begeisterung auslöst“, den Professionalität und Menschlichkeit auszeichnen.

Dutt erklärte, dass sich die Fußball-Philosophie Werders weitgehend mit seinen Vorstellungen decke. Der Fußball solle ihm, den Spielern und den Fans Spaß machen. Reinen Ergebnisfußball soll es unter ihm nicht geben. Gleichzeitig weiß man, dass Dutts Mannschaften zwar offensiv ausgerichtet sind, der Coach seine Spieler aber auch nicht ins Verderben rennen lässt. Und eine stabile Abwehr kann kaum ein Klub besser gebrauchen als Werder.

Vor seinem Engagement in Bremen hatte Dutt mit seinem Vorgänger telefoniert. Er erzählte, dass Schaaf ihm zugeraten und ihn beglückwünscht habe. Unterschiedlicher könnten Typen kaum sein: der eher muffelige Stoiker Schaaf und der eloquente Dutt. Doch als Fußballtrainer liegen die beiden gar nicht so weit auseinander. Das könnte Dutt auf der einen Seite helfen beim Neuanfang. Vielleicht liegt aber auch genau darin die Gefahr. Dutt sagte: „Ich werde gar nicht erst versuchen, in die Fußstapfen von Thomas zu treten. Ich werde versuchen, eigene zarte Spuren zu hinterlassen.“ Sven Bremer

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