Sport : Monica Seles: Deutschland, nein danke

Monica Seles hat nichts gegen Deutschland, aber sie möchte nie wieder in ihrem Leben dorthin. "Ich würde mich nicht sicher fühlen", sagte die 26-Jährige, die am 30. April 1993 beim Rothenbaum-Turnier in Hamburg von dem geistig verwirrten Günter Parche niedergestochen worden war. Deshalb spielte Monica Seles in diesem Jahr zum letzten Mal in ihrer Karriere das Masters-Turnier, das ab 2001 nach 22 Jahren vom New Yorker Madison Square Garden in die Münchner Olympiahalle umzieht. Zum Abschied bereitete sich die einstige Nummer eins der Welt selbst ein Szenario, wie es nicht besser hätte sein können. Mit einem 6:1, 7:6 (7:4) gegen die 19-jährige Russin Jelena Dementjewa erreichte Monica Seles acht Jahre nach ihrem bis dato letzten Masters-Sieg erneut das Finale, in dem sie am Sonntagabend auf die Weltranglistenerste Martina Hingis traf (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Die 20-jährige Schweizerin zerstörte mit einem 7:6 (7:2), 6:2 die Hoffnungen der glamourösen Russin Anna Kurnikowa, in ihrem 81. Turnier endlich den ersten Titel zu gewinnen.

Gemeinsam hielten sich Martina Hingis und Anna Kurnikowa im Doppelfinale schadlos. Mit einem 6:2, 6:3 gegen Nicole Arendt (USA) und Manon Bollegraf (Niederlande) gewannen die beiden wie im Vorjahr und bekundeten anschließend ihre Absicht, auch im nächsten Jahr zusammen Doppel zu spielen.

Monica Seles konnte sich in New York der bedingungslosen Unterstützung der Zuschauer sicher sein. "Hier haben mich die Menschen immer geliebt", sagte sie nicht ohne Wehmut: "Auch am Anfang meiner Karriere, als man mich wahrlich nicht überall auf der Welt mochte." 16 Jahre und elf Monate war Monica Seles alt, als sie 1990 als bis heute jüngste Spielerin aller Zeiten das Saisonfinale im Madison Square Garden gewann. Es war ihr erster von drei aufeinander folgenden Masters-Titeln, ehe ihre Karriere im April 1993 brutal zerstört wurde. "Ich habe längst aufgehört, darüber nachzudenken, was ich noch alles erreicht hätte, wenn mein Leben normal verlaufen wäre", sagte Seles: "Ich habe in den vielen dunklen Jahren gelernt, wie lebenswichtig es ist, nach vorne zu schauen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben