• Monika Staab, Fußball-Entwicklungshelferin: "Man kann die Frauen nicht aufhalten"

Monika Staab, Fußball-Entwicklungshelferin : "Man kann die Frauen nicht aufhalten"

Monika Staab ist Fußball-Entwicklungshelferin. Zwischen Pakistan und Palästina, Sri Lanka und den Salomonen hat sie die verschiedensten Abenteuer erlebt.

Helen Ruwald

In Bahrain rief der Muezzin regelmäßig um 3.46 Uhr zum Gebet und riss Monika Staab aus dem Schlaf. In Quetta in Pakistan begleitete sie, 60 Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt, ein Bodyguard mit Maschinengewehr. In Sri Lanka küssten ihr die jungen Fußballerinnen nach dem Training aus Dankbarkeit die Füße. Und auf den Salomonen in Ozeanien musste Monika Staab lernen, dass Frauen eine bestimmte Brücke nicht überqueren dürfen: Sie stünden sonst einen Moment über den Männern, die im Auto unter der Brücke durchfahren.

„Mit 18 Jahren wollte ich in die Entwicklungshilfe“, erzählt Monika Staab. Doch zunächst wurde sie Fußballtrainerin und führte den 1. FFC Frankfurt zu zahlreichen deutschen Meistertiteln. Seit Anfang 2007 verbindet sie beides: Die 50-Jährige reist im Auftrag des Weltverbands Fifa als Entwicklungshelferin für den Frauenfußball durch die Welt. Mal bleibt sie ein paar Wochen, mal ein paar Monate, die Liste der besuchten Länder ist lang: Bahrain, Pakistan, Sri Lanka, Iran, Malaysia, Myanmar, Laos, Fidschi, Salomonen, Samoa, Cook Inseln, Palästina, Syrien und Libanon hießen die bisherigen Stationen. Staab versuchte, Vorurteile abzubauen, gab Anstöße für einen Ligabetrieb, unterrichtete in Schulen und bildete Trainer aus. „Man gibt Impulse und Hoffnung und sprüht Funken. Aber das Feuer muss sich selbst entfachen“, sagt Staab, die 2009 unter anderem in Eritrea und Ruanda arbeiten wird.

250.000 Dollar bekommt jedes der 208 Fifa-Mitglieder pro Jahr, „davon müssen 37.500 Dollar in den Frauenfußball fließen. Das ist für viele Länder der Anschub, etwas zu tun“, erzählt Staab. Immer mehr Verbände beantragen ihre Unterstützung. Die Frauen, die sich mit und ohne Kopftuch, in langen Gewändern oder Sportkleidung um sie versammeln, wissen oft nicht, dass ihre Trainerin aus dem Land des Weltmeisters kommt. „Wenn man fragt: ‚Wer ist Birgit Prinz?’, schauen sie einen an, als wäre man von einem anderen Stern“, hat Staab festgestellt. Die Frauen freuen sich einfach, dass jemand sie fördert. „Sie kommen aus ihren Löchern“, sagt Staab. „Man kann sie nicht aufhalten, aber sie brauchen Unterstützung von außen.“

30.000 Frauen spielen im Iran

Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein. In Bahrain gründete Staab ein Nationalteam, das aber nur ein einziges Spiel bestreiten durfte, auf den Malediven. Fotografen und Journalisten waren unerwünscht. Sie würden zu viel Aufmerksamkeit erregen, entschied der Verband, dem die Deutsche wohl nicht ganz geheuer war. Ein weiteres Länderspiel wurde kurzfristig abgesagt.

In Pakistan spielten bei Staabs Anreise nur 200 Frauen Fußball, im Iran 30.000. Zum ersten Trainingscamp in Karatschi kamen acht Fernsehteams, zum Meisterschaftsendspiel 5000 Zuschauer, überwiegend Männer – ein Zeichen für Staab, dass sie etwas erreicht hatte. Die Iranerinnen wirkten mit ihren obligatorischen Kopfbedeckungen auf Staab, „als seien sie in der Formel 1 tätig. Aber sie machten einen sehr durchtrainierten Eindruck. Die Regierung schafft sehr gute Trainings bedingungen.“ Den Posten als Nationaltrainerin lehnte sie aber ab.

In Laos überraschte Staab die gute Technik der Mädchen, auf den Salomonen traf sie auf Kinder, deren Fußball aus zehn zusammengeklebten Plastiktüten bestand. Obwohl Frauen „Kinder zu kriegen und Hausfrauen zu sein haben“ (Staab), sähen die ozeanischen Funktionäre im Frauenfußball etwas Positives: Er biete die Chance, in der Fifa-Rangliste weiter nach vorne zu kommen, als es im Männerbereich je möglich sein wird.

Den Umgang mit den Männern musste Staab erst neu lernen

Apropos Männer – den Umgang mit ihnen musste Staab neu lernen. „Ich habe einen kleinen Dickkopf und habe in meinem Leben meistens das erreicht, was ich wollte“, sagt sie. „Aber ich habe gelernt, dass ich in einem arabischen Land mit einem Mann nicht diskutieren darf. Man bekommt seine Grenzen aufgezeigt und lernt viel über sich selbst.“ Ihr ist klar geworden, „wie gut es uns geht“. Besonders deutlich wurde das in Pakistan. „Da habe ich fünfjährige Kinder gesehen, die 20 Stunden am Tag einen Teppich weben.“ Doch „am meisten berührt und betroffen“ hat sie ihre Reise nach Palästina. „Wer in Frieden leben und Fußball spielen will, kann es nicht, weil er nicht durch die Checkpoints kommt“, sagt Staab, die in Jericho ein Mädchenteam gegründet hat. In ganz Palästina gebe es nur drei richtige Fußballplätze, ein Ligabetrieb sei unmöglich. „Wie kann es hier jemals zu einem friedlichen Miteinander kommen?“, fragt Monika Staab sich.

Die Unruhen in Pakistan und ein Zyklon, der kurz nach ihrem Aufenthalt in Myanmar wütete, ließen Staab nur kurz innehalten, aber nicht an ihrer Arbeit zweifeln. Für 2009 hat sie neben ihren Reisen einen weiteren Plan. Sie möchte eine Stiftung gründen und Fußballkleidung und -schuhe sammeln. Damit zumindest die Zeit des Barfußspielens ein Ende hat.

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