Monte Carlo : Schumacher verliert Pole

Michael Schumacher ist die Pole Position in Monte Carlo wieder aberkannt worden. Der Rekordweltmeister muss nun vom letzten Platz aus starten.

Monte Carlo - Letzter statt Erster: Die umstrittene Aktion in der Qualifikation zum Großen Preis von Monaco hat für Formel-1- Rekordweltmeister Michael Schumacher harte Konsequenzen. Der Ferrari- Pilot verlor nach einer Entscheidung der Rennleitung am späten Samstag seine Pole Position, die er am Nachmittag in Monte Carlo erobert hatte. Dem 37-Jährigen wurden alle in der Qualifikation erzielten Zeiten gestrichen. Schumacher muss somit das Rennen am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) vom letzten Platz angehen. Er hat damit so gut wie keine Chancen mehr, auf dem engen Stadtkurs an die Spitze zu fahren. Sein Rivale und WM-Spitzenreiter Fernando Alonso übernahm mit seinem Renault die Startposition eins.

Auf seiner letzten schnellen Runde am Ende der Qualifikation war Schumacher nach einem vermeintlichen Fahrfehler an einer der engsten Stellen der Strecke, der Rascasse-Kurve, mit seinem Auto stehen geblieben. Die nach ihm kommenden Fahrer - unter anderem Alonso - mussten ihm ausweichen und hatten keine Chance mehr, die Bestzeit des Kerpeners zu unterbieten. Schumacher erklärte sein Manöver damit, dass sein Auto unruhig war. Er habe dennoch versucht, kurz vor Ende der Qualifikation seine Zeit noch einmal zu verbessern. Dabei habe er überbremst. Die Rennleitung folgte Schumachers Darstellung nicht und sah seine Aktion als absichtlich an.

Noch vor Bekanntwerden des Urteils rund sieben Stunden nach Einleitung der Untersuchung durch die Rennstewards hatte Schumacher erneut seine Unschuld beteuert. «Dass da jemand einem den Vorwurf macht, dass man zu schnell unterwegs ist, Fehler macht und dass es zu einer Strafe kommt, dann habe ich wenig Verständnis dafür», sagte er, bevor er gegen 22.00 Uhr das Fahrerlager am Hafen von Monaco verließ. Viele Kollegen und Experten hatte ihn für die Aktion kritisiert und ihm Absicht unterstellt. «Wenn man über so viele Jahre Erfolge hat, dann versuchen viele, daran zu rütteln», wehrte sich Schumacher. «Man hat seine Gegner, und man hat die Menschen, die an mich glauben.»

Der Leidtragende Alonso hielt sich bei der Pressekonferenz unmittelbar nach dem Vorfall mit Kommentaren ebenfalls zurück. «Ich habe eine Meinung. Aber die sage ich nicht», sagte der 24-Jährige mit versteinerter Miene.

Nach dem zunächst vorläufig geltenden Ergebnis hätte sich Schumacher in 1:13,898 Minuten zum 67. Mal in seiner Karriere eine Pole Position, die bei keinem anderen Rennen so wichtig ist wie auf dem engen 3,34 Kilometer langen Stadtkurs in dem Fürstentum, geholt. Der WM-Führende Alonso war nur 0,064 Sekunden langsamer. Dritter wurde überraschend der australische Williams-Pilot Mark Webber.

Mit der Pole Position hat Alonso nun die Möglichkeit, seine Führung in der WM weiter auszubauen und einen großen Schritt Richtung Titelverteidigung zu machen. Vor dem siebten Saisonrennen führt Alonso die WM-Wertung mit 54 Punkten an vor Schumacher (39) und dem Finnen Kimi Räikkönen (27). Im Team-Klassement ist Renault Erster mit 78 Zählern vor Ferrari (59) und McLaren-Mercedes (42).

Für die anderen deutschen Piloten lief die Qualifikation durchwachsen. Nach der Entscheidung rückte der in Monaco aufgewachsene und dort auch lebende Nico Rosberg im Williams um zwei Plätze auf den achten Rang vor. Er profitierte auch davon, dass Alonsos Teamkollege Giancarlo Fisichella wegen Behinderung die drei schnellsten Zeiten aberkannt wurde und auf den zehnten Rang rutschte.

Ralf Schumacher im Toyota schied im neuen Toyota TF 106 B als Elfter in der Qualifikationsrunde, fährt aber am Sonntag nun von Platz zehn ab. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld, im vergangenen Jahr Zweiter, im BMW-Sauber geht als 15. ins Rennen. Vorjahressieger Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes wird als Dritter, Teamkollege Juan Pablo Montoya als Vierter den Grand Prix angehen. (tso/dpa)

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