Sport : Moral als Saisonziel

Berliner legt Ehrenkodex für Fußballtrainer vor

Lothar Heinke

Berlin - Trainer schreien, schimpfen, springen. Ihr emotionales Getue ist bisweilen interessanter als das Spiel. Aber es gibt auch harte Attacken – gegen Spieler, Schiedsrichter oder Trainerkollegen. „Irgendwann hatte ich das alles satt“, sagt Heinz Werner, einst Fußballspieler und selbst Trainer, unter anderem von 1976 bis 1982 beim 1. FC Union. Der 69-jährige Berliner ist heute ehrenamtlicher Vorsitzender der Verbandsgruppe Nordost im Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), dem 4500 Trainer angehören. Er reist zu Fortbildungskursen nach Spanien, Dubai oder Ägypten und hospitiert mit deutschen Trainern bei Christoph Daum in Istanbul. Nun hat Werner einen Ehrenkodex für Fußballtrainer entworfen, ein Zehn-Punkte-Programm des fairen Miteinanders an der Seitenlinie.

In der Präambel wird das Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt, als ein „selbst auferlegter Kanon von Pflichten“ und „sittlich-moralisch angestrebtes Standesethos“ bezeichnet. Halbfett gedruckt heißt es: „Die Würde des Menschen, das heißt die Achtung vor jeder Sportlerpersönlichkeit, hat in Training und Wettkampf sowie im Umgang miteinander immer Vorrang.“ Jeder Sportler sei gleich zu behandeln. Die Trainer werden aufgefordert, ihre Sportler in Entscheidungen einzubeziehen, die sie persönlich betreffen. Gewalt ist natürlich verboten, das Erziehungsziel heißt Respekt – auch gegenüber Fans und Medien. Die Trainer sollten sich verpflichten, Doping zu unterbinden und Suchtgefahren vorzubeugen. Diffamierende Äußerungen über Kollegen, insbesondere im Hinblick auf Können, Arbeitsleistung und persönliche Wertschätzung, sind zu unterlassen.

Die Magna Charta von Heinz Werner soll bald Kompass für alle deutschen Trainer sein, gültig von der Bundesliga bis zur Kreisklasse. Das Papier, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund entstand, schlägt für schwere Verstöße einen Katalog von Sanktionen vor: Missbilligung, Verwarnung, Verweis, Geldstrafe, Aufenthaltsverbot, Sperre, Lizenzentzug.

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