Sport : Moralisch gedopt

Benedikt Voigt

Eines vorweg: Juristisch ist Jan Ullrich nicht des Dopings überführt. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat gestern nur bestätigt, dass die in Spanien gefundenen Blutbeutel tatsächlich dem deutschen Radstar gehörten. Damit ist immer noch nicht bewiesen, dass Jan Ullrich sie zum Zwecke des Dopings bei dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gelagert hatte. Zudem spricht sein Verteidiger davon, dass die Blutproben in Spanien auch manipuliert worden sein könnten. Na ja.

In Wirklichkeit wird der Name Jan Ullrich fortan untrennbar mit Doping verbunden bleiben. Warum sonst hat Fuentes zahlreiche Blutbeutel von Jan Ullrich und anderen Radprofis aufbewahrt? Zu Forschungszwecken? Wenn ja, warum hat er die Blutbeutel auch noch mit sonderbaren Codenamen wie „Hijo Rudicio“ und „Jan“ versehen? Noch seltsamer erscheint angesichts der neuen Beweislage, dass Jan Ullrichs von Beginn an geleugnet hat, mit Fuentes in Kontakt zu stehen. Warum wohl will er einen Arzt nicht kennen, der neun Beutel prall gefüllt mit seinem Blut besitzt?

Wer Jan Ullrich trotz seiner seltsamen Ausführungen in seiner Rücktrittspressekonferenz geglaubt hat, obwohl dort keine Fragen zum Doping zugelassen waren, wer ihm immer noch vertraute, obwohl er in der Fernsehsendung „Beckmann“ beim Thema Doping herumgestottert hat, der sollte spätestens seit gestern eines Besseren belehrt worden sein. Moralisch hat Jan Ullrich gedopt. Dazu bedarf es keiner weiteren Beweise.

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