Sport : Morgenwäsche im Salzsee

Amerikaner gewinnen die Transsibirien-Rallye von Moskau in die Mongolei

Elke Windisch[Moskau]

„Ich liebe Pferde, Jurten, Nomaden, Natur. Eine heilere Welt.“ All das hoffte Katja Poensgen bei der Transsiberia zu finden. Die 31-Jährige ist die Pilotin des einzigen Frauenteams, das sich die genau 7108 Kilometer lange Strecke zutraute. Die Transsiberia ist die laut Eigenwerbung „härtesten Rallye der Welt für seriennahe Fahrzeuge“.

Was sich nach Effekthascherei anhört, erwies sich in diesem Fall keineswegs als Übertreibung. Insgesamt 35 Teams aus 17 Ländern waren am 3. August vor der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau gestartet. Gestern trafen dann am Rande der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator die Sieger der Rallye ein. Das Team North America 2 gewann die Transsiberia 2007. Rod Millen und sein Co-Pilot Richard Kelsey behaupteten in ihrem Porsche Cayenne auf der letzten Etappe ihre Führung vor den Italienern Tognana und Cassino. „Wir sind sehr glücklich“, sagte Millen nach der Einfahrt ins Ziel. Auch die deutschen Frauen konnten sich bis zum Schluss beweisen. „Teamgeist zählt genauso viel wie ein gutes Auto“, erklärte Poensgen.

Richard Schaiber, der Sportliche Leiter der Rallye und früher selbst Rennfahrer, hat den größten Teil der Strecke im Juni abgefahren und wusste, wovon er sprach, als er die Fahrer instruierte. Er hatte die Strecke auf eigenwillige Art getestet: Hose runter, rein ins Wasser. Wenn es höher als bis zur Gürtellinie reichte, suchte er eine flachere Stelle. Manche Autos versanken während der Tour trotzdem. Auf den ersten der insgesamt 14 Tagesetappen von bis zu 950 Kilometern Länge ging es eher gemütlich zu, denn sie führte durch den europäischen Teil Russlands. Von Jekaterinburg im Ural kommend, passierten Poensgen, Rutzka und alle die anderen dann die Grenze zwischen Europa und Asien, danach ging es ins sumpfige südsibirische Tiefland. Nachdem sie die Mongolei erreichten, legten die Teilnehmer einen Ruhetag ein. Das Land ist viermal so groß wie Deutschland, hat aber nur 2,7 Mio. Einwohner und ist daher ähnlich dünn besiedelt wie Grönland.

Von ähnlicher Dimension waren auch die Herausforderungen an die Fahrer: es galt richtig zu navigieren und die Sanddünen in der Wüste Gobi zu bezwingen. Wenn überhaupt fand eine Morgenwäsche in dem Salzsee der Steppe statt. Jedes Team wurde von Mechanikern begleitet, jeder Wagen hatte einen Notsender. Das Restrisiko war trotzdem relativ hoch. Außer den russischen Teams hatte kaum jemand auch nur Grundkenntnisse von Sprache und Schrift, von Land und Leuten. Das auf der Strecke erworbene Herrschaftswissen über den realen Zustand von Straßennetz und Infrastruktur verschafft bei der Produktentwicklung einen Vorsprung. Russen – und das hat sich bei westlichen Autoherstellern längst herumgesprochen – haben eine Schwäche für Offroad-Fahrzeuge; je größer desto besser. Doch diesmal waren es die Amerikaner, die ihre Technik am besten durch die Natur brachten. Sieger Millen sagte nach seiner Ankunft in Ulan-Bator: „Die Transsiberia war die größte Herausforderung meiner Motorsportkarriere.“

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