Sport : Moskau, Mailand, Quakenbrück Hollis Price spielt heute

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Berlin - Albas Fangemeinde war untröstlich. Die Berliner Basketballer waren im Sommer 2006 im Finale um die deutsche Meisterschaft an Köln gescheitert – und nun verließ sie auch noch Publikumsliebling Hollis Price. Der schmächtige Point Guard mit dem starken Distanzwurf hatte sich dank seiner Spielintelligenz und im Schnitt 15 Punkten pro Partie in die Herzen der Alba-Fans gespielt, nun lockte das große Geld in Spanien. „Er hat bei uns im Klub und bei den Fans damals sehr viel Sympathie hinterlassen“, erinnert sich Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Aber er hatte Angebote, bei denen wir einfach nicht mithalten konnten.“ Umso erstaunlicher ist es, dass der mittlerweile 30-jährige Price heute (19.55 Uhr, Arena am Ostbahnhof, live auf DSF) im Trikot der Artland Dragons bei den Berlinern antritt.

„Es ist immer schön, zu einem Team zurückzukehren, für das man früher gespielt hat“, sagt Price über das heutige Spiel. Der 1,86 Meter große Aufbauspieler erinnert sich gerne an die Zeit in Berlin, die er als seine „bisher schönste Station“ bezeichnet: „Die Fans in Berlin waren toll und haben uns Spieler immer mit viel Respekt behandelt.“ Quakenbrück – der derzeitige Tabellennneunte der Bundesliga – ist auch insofern ein ungewöhnlicher Arbeitgeber für Price, da er seit seinem Abschied aus Berlin immer bei europäischen Spitzenteams unter Vertrag stand.

Von Alba führte ihn der Weg nach Sevilla, nach einer Saison wechselte er zum litauischen Europaliga-Klub Lietuvos Rytas. „In Litauen habe ich eine meiner besten Saisons gespielt“, erinnert sich Price. Danach nahm ihn Dynamo Moskau unter Vertrag, doch weil der Klub die Spielergehälter nicht pünktlich zahlte, zog er weiter nach Italien zu Armani Jeans Mailand. Dort erreichte Price das Finale um die italienische Meisterschaft und richtete sich auf eine zweite Saison in Italien ein. Er absolvierte die Saisonvorbereitung in Mailand, ehe ihm der Klub im vergangenen August mitteilte, auf seine Dienste verzichten zu können. „Ich verstehe bis heute nicht, warum – aber sie wollten mich nicht mehr haben“, sagt Price. Es dauerte bis Oktober, bis der Vertrag aufgelöst war, seitdem wartete er auf einen neuen Arbeitgeber. Artland habe dann seinen Agenten regelrecht bedrängt, ehe er im Februar schließlich den Vertrag unterschrieb. „Sie haben in einem Moment zugelangt, in dem es für Hollis wichtig war, zu spielen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Er war zwar eine Weile draußen, aber er ist ein Spieler, der auch schnell wieder fit wird.“

Dass Hollis Price trotz Trainingsrückstands immer noch ein außergewöhnlicher Basketballer ist, bewies er in seinem ersten Heimspiel in Quakenbrück. Beim 76:73-Sieg gegen Trier gelang ihm eine Sekunde vor der Schlusssirene der entscheidende und umjubelte Dreipunktewurf zum Sieg. Publikumsliebling scheint eben etwas zu sein, was man nicht verlernt.

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