Sport : Motivation vom Idol

Dirk Nowitzki bekommt junge Unterstützung

Lars Spannagel

Berlin - Der schnellste war Dirk Nowitzki am Montagabend nicht mehr, für die fünf Meter vom Spielerausgang der Max-Schmeling-Halle bis zum Auto brauchte er gut zehn Minuten. Das lag aber weniger daran, dass Nowitzki sich zuvor beim lockeren 92:70-Sieg gegen Polen völlig verausgabt hatte. Vielmehr musste der NBA-Star haufenweise T-Shirts, Fotos und Poster signieren und posierte mit seinen Fans für Dutzende Erinnerungsbilder. Ein paar Meter abseits stand sein Mitspieler Tim Ohlbrecht, in Jogginghose und Badeschlappen. Bis vor kurzem hätte kaum jemand in Berlin den 19-Jährigen trotz seiner Körpergröße von 2,10 Metern erkannt, geschweige denn Fotos von ihm machen wollen. Aber am Montag war auch er von Fans umringt.

Tim Ohlbrechts Entwicklung ist bezeichnend für den Zustand der deutschen Basketballer in diesem Sommer. Die Mannschaft will unbedingt noch zu den Olympischen Spielen nach Peking, zum ersten Mal seit 1992. Für viele junge Spieler kommt das Qualifikationsturnier in Athen in zwei Wochen vielleicht ein bisschen zu früh, aber durch die Absagen der etablierten Spieler Mithat Demirel und Johannes Herber sowie den möglichen Ausfall von Routinier Ademola Okulaja stehen die Newcomer in der Pflicht. Und lösen diese Aufgabe bisher mit Bravour.

„Ich war sehr positiv davon überrascht, mit welcher Nervenstärke und Qualität die Jungs ihren Einstand gegeben haben“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann am Montagabend. Tim Ohlbrecht, der bewegliche Center von den Brose Baskets Bamberg, erzielte gegen Polen in seinem zweiten Länderspiel 14 Punkte, ohne einmal aus dem Feld vorbeizuwerfen. Mit einigen spektakulären Dunkings riss er die Zuschauer sogar von den Sitzen. Philip Zwiener von Alba Berlin machte seine Sache ebenfalls gut, genauso wie Konrad Wysocki und Rouven Rössler. Zusammen kommen die vier auf acht Länderspiele. Zum Vergleich: Patrick Femerling hat 194 Mal für Deutschland gespielt.

In den vergangenen Jahren hatte die Nationalmannschaft oft das Problem, von der One-Man-Show Dirk Nowitzki leben zu müssen. An der dominanten Rolle Nowitzkis wird sich auch in Zukunft nichts ändern – Bauermann wäre auch nicht gut beraten, das Spiel nicht rund um einen der besten Basketballer der Welt aufzubauen. „Wir brauchen einen Nowitzki in Topform, aber genauso brauchen wir eine gut funktionierende Einheit, in der jeder seine Rolle versteht“, sagt Bauermann.

Zum ersten Mal hat Nowitzki die komplette Vorbereitung auf ein großes Turnier mitgemacht, möglich war das nur, weil seine Saison mit den Dallas Mavericks schon in der ersten Play-off-Runde der NBA ein jähes Ende fand. Im Trainingslager auf Mallorca konnten sich so die jungen Spielern daran gewöhnen, plötzlich mit jemandem auf dem Feld zu stehen, den sie sonst nur aus dem Fernsehen kennen. „Für jemanden wie Philip Zwiener ist es wichtig zu merken, dass Dirk ihn respektiert“, sagt Bauermann. Und nicht nur Zwiener merkte man in den beiden Testspielen gegen Polen an, dass er großes Selbstvertrauen aus der Anwesenheit des Stars zieht. Am kommenden Wochenende trifft das Team beim Super-Cup in Bamberg mit Puerto Rico sowie Griechenland oder Slowenien auf weitaus stärkere Gegner als Polen. Dann wird sich zeigen, ob die jungen deutschen Basketballer wirklich schon so weit sind, wie es am Montag den Anschein hatte.

Dirk Nowitzki dürfte es jedenfalls freuen, wenn ihm jemand in Athen – und vielleicht sogar in Peking – ein paar Autogrammwünsche abnimmt.

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