Motorrad-Grand-Prix : Jonas Folger schließt seinen Frieden mit dem Sachsenring

Der 22 Jahre alte Jonas Folger wird Zweiter beim Moto2-Rennen auf dem Sachsenring. Es ist der erste Podestplatz eines Deutschen seit vier Jahren.

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Jonas Folger ließ sich vom Regen nicht beeindrucken und bedankte sich nach Platz zwei bei den Streckenposten.
Jonas Folger ließ sich vom Regen nicht beeindrucken und bedankte sich nach Platz zwei bei den Streckenposten.Foto: dpa

Jonas Folger nahm den Helm ab und legte die durchnässten Handschuhe auf den Tank seines Motorrads. Mit zwei Fingern zeigte er es an: Wenige Zentimeter hatten ihm bei seinem Heim-Grand-Prix auf dem Sachsenring zum Sieg gefehlt. „Ich hatte für eine Sekunde das Gefühl, ich hätte gewonnen“, sagte er. Mit seinem zweiten Platz in der Moto2 sorgte er für das deutsche Glanzlicht an diesem Wochenende in Hohenstein-Ernstthal, während in der Königsklasse MotoGP der Spanier Marc Marquez den siebten Sieg hintereinander auf dieser Strecke einfahren konnte.

Folger agiert mit Risiko und Tempo

Im Regenrennen der mittleren der drei Motorrad-Klassen geduldete sich Jonas Folger bis zur letzten Möglichkeit, um Spitzenreiter Johann Zarco zu attackieren. „In der Rennmitte konnte ich das Tempo nicht mitgehen“, sagte der 22 Jahre alte Bayer. Unter dem großen Jubel der knapp 93.000 Zuschauer bremste er in der letzten Kurve sehr spät, setzte sich kurz an die Spitze und wurde dann vom WM-Führenden Zarco dennoch um Haaresbreite abgefangen. „Ich bin extrem hohes Risiko gegangen, um noch einmal ranzukommen“, sagte Folger. Zwölf Piloten rutschten während des Rennens von der Strecke.

Jonas Folger, der im kommenden Jahr gemeinsam mit Zarco zu einem privaten Yamaha-Team in die MotoGP aufsteigen wird, war trotz der knappen Entscheidung erleichtert: „Jetzt habe ich meinen Frieden mit dem Sachsenring geschlossen.“ Zuvor hatte er es hier nie aufs Podest geschafft. Er war vom 13. Startplatz bis fast ganz nach vorn gefahren und schenkte den Fans den ersten Podestplatz eines Deutschen seit vier Jahren. „Ich gehe jetzt mit dem guten Gefühl in die Sommerpause, dass die Durststrecke beendet ist“, sagte Folger, der nun in der WM auf Rang sechs liegt.

Im nächsten Jahr fährt Folger in der MotoGP

Die zahlreichen Fans des italienischen Superstars Valentino Rossi hatten in dem folgenden chaotischen MotoGP-Rennen nur kurz Grund zur Freude. Als der 37-Jährige in der ersten Runde bei nasser Strecke in Führung ging, hielt es trotz stundenlangem Dauerregens niemanden auf den Sitzen. Aber als die Strecke abtrocknete, verpasste Rossi den richtigen Zeitpunkt, um in der Box auf das für trockene Verhältnisse abgestimmte Motorrad zu wechseln. Mehr als Rang acht war so nicht drin. Konkurrent Marc Marquez wechselte nach einem Sturz früh seine Honda und konnte am Ende einem ungefährdeten Sieg entgegen fahren. In der Gesamtwertung hat er nun bereits 59 Punkte mehr als Rossi auf dem Konto.

Bradl verletzt sich und fällt aus

Stefan Bradl, der einzige Deutsche in der wichtigsten Klasse, musste beim Rennen passen. Ein böser Sturz im Warm-up am Morgen brachte ihm einige Prellungen und eine Gehirnerschütterung ein, der Rennarzt ließ ihn nicht auf seine Aprilia steigen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bradl wegen eines Kahnbeinbruchs auf eine Teilnahme beim Heim-Grand-Prix verzichten müssen.

Ob der 26-Jährige im nächsten Jahr hier starten kann, ist weiter unklar: Er hat noch keinen Vertrag für 2017. Der Sachsenring ebenso wenig. ADAC und WM-Vermarkter Dorna bestätigten lediglich, dass es bis 2021 einen Motorrad-Grand-Prix in Deutschland geben werde. Unklar bleibt weiter, ob dieser auch auf dem Sachsenring oder möglicherweise auf dem Hockenheimring stattfindet. In wenigen Wochen soll es Klarheit geben. Für die Fans ist die Lage eindeutig: „Lasst den Sachsenring leben!“, war auf mehreren Bannern zu lesen.

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