Sport : Motorsport: Die Mütze ist schon konkurrenzfähig

Christian Hönicke

Als Stefan Mücke vor zwei Wochen auf dem Hockenheimring von Startplatz 15 im ersten Formel-3-Rennen auf Rang fünf, im zweiten als Dritter gar aufs Podium fuhr, fühlten sich nicht wenige an eine Sternstunde des Motorsports erinnert. Vor acht Jahren überholte Ayrton Senna in der ersten Runde des Formel-1-Rennens in Donington sechs Konkurrenten und zog uneinholbar davon. Von derlei Heldentaten ist Mücke zwar noch ein Stück entfernt. Dennoch hat er sich schon viel von denen abgeschaut, in deren Fußstapfen er treten will.

Sobald eine Kamera in der Nähe ist, wird das besonders deutlich. Dann bedeckt er sein blondes Haupthaar mit der Mütze seines Sponsors. Professionelles Auftreten, wird man ihm gesagt haben, ist im Rennsport mindestens genauso wichtig wie schnelle Rundenzeiten. Denn ohne finanzielle Unterstützung schafft heute keiner mehr den Sprung nach ganz oben. Wahrscheinlich ist es reiner Zufall, dass der Werbepartner auf seiner Kappe mit dem Michael Schumachers identisch ist. Das zeigt jedoch recht anschaulich die Ambitionen des Berliners: "Nächstes Jahr will ich eigentlich nicht mehr in der Formel 3 fahren." Natürlich treibt er damit bei Leuten, denen ein Berliner Fahrer in der Formel 1 noch zum vollkommenen Glück gefehlt hat, die Erwartungen in ungeahnte Höhen.

Immerhin gilt die Internationale Deutsche Formel-3-Meisterschaft als beste Nachwuchsrennserie weltweit. Nicht weniger als sechs der aktuellen Formel-1-Fahrer haben sie als Sprungbrett in die höchste Motorsportklasse genutzt. Da passte es gut, dass Mückes furioser Auftritt in Hockenheim nicht wie üblich im Rahmenprogramm der DTM, sondern des Formel-1-Grand-Prix zu bewundern war. Es hätten ihm einige namhafte Leute zu seiner tollen Leistung gratuliert, berichtet der 19-Jährige nicht ohne Stolz. "Natürlich hat es mehr Aufsehen erregt, von Platz 15 auf 3 zu fahren, als von ganz vorne zu starten und zu gewinnen." Früher oder später aber wird er gewinnen müssen, um ein Großer zu werden.

Da aber bereits alle Cockpits für die neue Saison in mehr oder weniger festen Händen sind, wird es für den Sohn der DDR-Rennsportlegende Peter Mücke wohl vorerst nichts mit einem Formel-1-Engagement. Natürlich, die DTM ist eine attraktive Rennserie, aber Mücke will "eigentlich doch lieber weiter Monoposto fahren." Und bei den Einsitzern mit freiliegenden Rädern bliebe nur noch die Formel-3000-Europameisterschaft als Zwischenschritt. Da diese im Vorprogramm der Formel 1 läuft, könnte er sich schon einmal mit den Grand-Prix-Rennstrecken vertraut machen, wie es zum Beispiel auch Nick Heidfeld getan hat.

Bei allen Plänen verliert Mücke jedoch die Gegenwart nicht aus den Augen. Da sieht es gar nicht schlecht aus, immerhin kann er am Wochenende auf dem Lausitzring (Samstag ab 16.15 Uhr, Sonntag ab 11.45 Uhr) theoretisch sogar die Führung in der Gesamtwertung übernehmen. Derzeit liegt er auf Rang vier, hat aber bei den Testfahrten für sein Heimrennen den in der Meisterschaft führenden Toshihiro Kaneishi aus Japan schon mal hinter sich gelassen. Mit den im Vorjahr erreichten Rängen sieben und neun will er sich diesmal nicht zufrieden geben: "Ich will aufs Podium, am liebsten ganz nach oben."

Mit Siegen in den beiden Läufen auf dem Lausitzring würde er sich seinem Ziel nähern, im dritten Jahr endlich die Formel-3-Meisterschaft für sich zu entscheiden. Nach dem neunten Platz vor zwei Jahren und Rang fünf in der letzten Saison wäre der Gesamtsieg in diesem Jahr mathematisch gesehen ja auch nur konsequent. Nick Heidfeld hat 1997 als letzter deutscher Sieger vorgemacht, dass dieser Weg über kurz oder lang in die Formel 1 führen kann. Ganz zu schweigen vom Ersten des Jahres 1990, der Michael Schumacher hieß. Um ihm nachzueifern, bedarf es aber mehr als nur des gleichen Sponsors auf der Mütze. Denn im Rennsport, das weiß auch Stefan Mücke, wird die Rechnung mit Helm gemacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar