Motorsport in der Krise : Formel 1 steht vor der Spaltung

Ferrari, Mercedes & Co. stellen sich auf die Hinterbeine: Die Teamvereinigung Fota will eine eigene Rennserie starten. Grund ist der monatelange Streit mit dem Weltverband Fia um die freiwillige Budgetobergrenze.

Karin Sturm
max Mosley
Fia-Präsident Max Mosley.Foto: dpa

SilverstoneIn Silverstone findet an diesem Wochenende auch noch ein Formel-1-Rennen statt. Diese Nachricht dürfte für manche überraschend kommen, momentan nämlich dreht sich in der Formel 1 alles um die Stellungnahme der Teamvereinigung Fota in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Darin zogen die acht Teams Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Brawn GP, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und Renault ihre Nennung für die WM 2010 zurück und kündigten den Aufbau einer eigenen Rennserie an.

Kein Wunder, dass sich die Kamerateams nicht vor dem Brawn-Team des WM-Spitzenreiters Jenson Button versammelten, sondern vor dem Bus von Max Mosley, dem Präsidenten des Automobil-Weltverbands (Fia) und dem Zelt von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. In der Jagd auf ein Bild oder ein Zitat von einem der Machthaber fliegen schon mal Blumenkübel um und Kameraleute übereinander. Wirklich Sinnvolles und Konstruktives kommt dabei aber nicht heraus, genauso wenig wie bisher im Streit um Regeln, Geld und Macht zwischen der Fota und der Fia. Ecclestone rang sich immerhin zu folgendem Statement durch: „Es gibt die Formel 1 seit 60 Jahren und es wird sie auch in den nächsten 60 Jahren noch geben.“ Das ist momentan allerdings nicht so ganz klar. Die Formel 1 wirkt angesichts des Kampfs um Regeländerungen, Budgetobergrenzen, Geld und Macht wie gelähmt. Nur Ecclestone bleibt cool. „Die können tun und lassen, was sie wollen“, sagt er beiläufig. „Ich bin nicht dazu da, denen zu sagen, was geht oder was nicht geht.“

Die Formel 1 ist auch an normalen Tagen ein spezieller Fall, doch am Freitagmorgen befand sie sich an der Grenze zum Chaos. Die Fahrer wussten zum Teil noch gar nichts von der Bombe, die da in der Nacht geplatzt war. „Da gab es eine lustige Situation“, erzählte Sebastian Vettel. „Ein Reporter hat mir sein Mikrofon hingehalten und mich gefragt, was meine Reaktion sei. Da musste ich dann nachfragen, auf was. Die Nachricht kam gestern erst sehr spät und da war ich schon brav im Bett, deswegen habe ich nichts mitbekommen.“ Natürlich stehen die Fahrer zumindest offiziell hinter der Meinung ihrer jeweiligen Teams, auch wenn Vettel durchaus ein bisschen zu differenzieren versucht: „Es ist unheimlich schwierig, viel dazu zu sagen. Ich glaube, alle Fahrer sind auf einer Linie. Wir wollen gegen die besten Piloten fahren und natürlich auch mit den besten Autos und den besten Teams. Das sagt schon genug.“ Sein Kollege Fernando Alonso lehnte sich wie zuletzt immer weit aus dem Fenster. „Das ist das Ende der Formel 1, eine neue Ära wird beginnen“, sagte der zweimalige Weltmeister. „Die Fota-Serie ist die neue Formel 1 – auch wenn sie nicht diesen Namen trägt.“

Ob es tatsächlich zur Spaltung kommt, ist aber noch immer alles andere als sicher. Bei einigen der acht Rebellenteams ist unter der Hand durchzuhören, dass man weiterhin eine gemeinsame Lösung anstrebt, weil man insgeheim genau weiß, dass der Aufbau und die Durchführung einer eigenen Meisterschaft bei weitem nicht so einfach ist.

Die Frage ist nur, wie es bei den nicht einmal inhaltlich, aber vor allem emotional total verhärteten Fronten noch zu einer Lösung kommen soll. Max Mosley führte am Freitag stundenlange Gespräche, bestätigte aber noch einmal, die Frist für die bedingungslose Einschreibung ende am Freitagabend. Fest eingeschrieben sind neben Williams und Force India bereits die drei Neulinge USF1, Campos und Manor. Bei drei anderen aktuellen Formel-1-Teams kann die Fia auf bestehende Verträge verweisen: Red Bull, Toro Rosso und ironischerweise ausgerechnet die Rädelsführer von Ferrari. Die Fia kündigte an, diese Verträge notfalls auch gerichtlich durchsetzen zu wollen: „Die Aktionen der Teamvereinigung Fota und im besonderen von Ferrari laufen auf ernsthafte Rechtsverletzungen hinaus. Die Fia wird ohne Verzug gerichtliche Schritte einleiten.“ Der interessanteste Punkt des Statements: Die Veröffentlichung der Liste werde aufgeschoben, bis die rechtliche Situation geklärt sei.

Es bleibt also noch Zeit zur Problemlösung. Dass es irgendwie noch einen Weg zurück geben müsste, wissen alle. Niki Lauda brachte es auf den Punkt: „Wenn es so bleibt, steuert die Formel 1 auf einen Totalschaden zu“, sagte der dreimalige Weltmeister. „Sparen wollen alle und es muss doch gehen, dass man sich einigt. Sie sind ja nicht so weit weg voneinander.“ Noch nicht jedenfalls.

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