Motorsport : Terrorgefahr: Rallye Dakar abgesagt

Die 30. Auflage der Rallye Dakar findet aus Sicherheitsgründen nicht statt. Hintergrund der Absage ist eine Reisewarnung der französischen Regierung für Mauretanien - dort hatten Terroristen im Dezember vier französische Touristen ermordet.

Ulrike Koltermann[dpa]

Paris/LissabonIslamistische Terroristen haben einen traurigen Sieg errungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Rallye Dakar haben die Veranstalter das Rennen in der Wüste aus Sicherheitsgründen abgesagt. Es ist das erste Mal in der Historie des internationalen Spitzensports, dass ein Großereignis wegen einer terroristischen Bedrohung ganz gestrichen wurde. Der Schreck über den Mord an vier französischen Touristen an Heiligabend in Mauretanien sitzt Veranstaltern und Teilnehmern tief in den Knochen. "Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist", sagte der Kölner Matthias Kahle, der 2006 bei der Dakar-Premiere von VW dabei war.

Es gab direkte Drohungen terroristischer Gruppen, teilte der Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) mit. "Die oberste Verantwortung ist, die Sicherheit aller zu gewährleisten", betonte die Organisation. Die Sicherheit bei der Rallye Dakar könne niemals Gegenstand von Kompromissen sein. Unmittelbar nach der Absage wurden erste Forderungen nach Schadenersatz laut. Die portugiesische Stadt Portimao, durch die der Motorsport-Klassiker in seiner 30. Auflage führen sollte, verlangt von der A.S.O. 1,5 Millionen Euro für entstandene Kosten zurück.

Die französische Regierung hatte mehrfach vor Reisen nach Mauretanien gewarnt. Das Sicherheitsrisiko gilt auch für die Rallye Dakar, betonte ein Regierungssprecher. Einen Tag vor dem geplanten Start ziehen die Veranstalter nun die Notbremse. Eine Streichung der mauretanischen Strecke schien keine Lösung, denn acht von 15 Teilstrecken führen durch Mauretanien, und in der mauretanischen Sahara ist die Tour besonders anspruchsvoll.

2009 soll die Rallye Dakar wieder stattfinden

A.S.O ist sich der "immensen Frustration" in den beteiligten Ländern Portugal, Marokko, Mauretanien und Senegal bewusst, so die Organisatoren. "Die Rallye Dakar ist ein Symbol, und ein Symbol kann nichts zerstören. Die Absage der Auflage 2008 stellt in keiner Weise die Zukunft der Dakar in Frage", betonten die Veranstalter. 2009 solle allen Anhängern der Rallye "ein neues sportliches Abenteuer" geboten werden.

Seit 1978 begeistert die Wüsten-Rallye Abenteuer-Fans aus aller Welt. Der Franzose Thierry Sabine, der in der libyschen Wüste beinahe ums Leben gekommen wäre, gründete die Rallye. Die ursprüngliche Strecke führte von Paris nach Dakar, später variierte die Tour mehrfach. Es dürfen Autos, Motorräder und Lastwagen teilnehmen. Bei den bislang 29 Ausgaben kamen 55 Menschen ums Leben.

Kleinschmidt geschockt - Lohr spricht von Fehlentscheidung

Deutschlands Rallye-Star Jutta Kleinschmidt, die 2001 als erste und bisher einzige Frau den Klassiker gewonnen hatte, reagierte geschockt. "Ich fühle auch mit allen Teilnehmern, die sich ein Jahr mit viel Herzblut, finanziellem Engagement und Arbeit auf diese Rallye vorbereitet haben", sagte die Kölnerin, die in diesem Jahr erstmals nach 17 Jahren nicht gemeldet hat. "Hoffentlich kann die Rallye Dakar diesen Rückschlag verkraften." Der Kölner Matthias Kahle, der 2006 für VW erstmals dabei war, stellte fest: "Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist."

Scharfe Kritik an der Absage übte die ehemalige DTM-Siegerin Ellen Lohr, die in diesem Jahr zum viertenmal an der Wüsten-Rallye teilnehmen wollte: "Es war eine Fehlentscheidung der Organisation, sich der Regierung zu beugen. Wir hätten starten und wenigstens durch Marokko fahren sollen." Volkswagen wollte 2008 die Siegesserie von Mitsubishi beenden. Die Japaner haben siebenmal hintereinander und insgesamt zwölf Mal das Rennen durch die afrikanische Wüste für sich entschieden.

Die Terrorgruppe im islamischen Maghreb ist im vergangenen Jahr aus der algerischen Gruppe GSPC hervorgegangen. Sie hatte sich unter anderem zu dem doppelten Selbstmordanschlag in Algier am 11. Dezember bekannt, bei dem nach offiziellen Angaben mehr als 40 Menschen getötet wurden, unter ihnen 17 UN-Mitarbeiter. Experten gehen von einer Nähe zum Al-Qaida-Terrornetz von Osama Bin Laden aus, da algerische Terroristen früher nie Selbstmordattentate verübten. Nach den Anschlägen vom Dezember hatten die Veranstalter der Rallye Dakar zunächst geplant, 3000 private Sicherheitskräfte einzusetzen, um die Tour zu ermöglichen.

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