MSV Duisburg : Tragische Rekorde im Olympiastadion

Wiedersehen in Westend: Am Sonntag kommt der MSV Duisburg ins Berliner Olympiastadion - mit gemischten Gefühlen, denn das vorerst letzte Spiel dort war für den Verein ein Debakel und einer der größten Erfolge zugleich.

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Nach dem Finale, vor dem Captain's Dinner: Duisburgs Kapitän Ivica Grlic (r.) und Schalkes Manuel Neuer gratulieren sich gegenseitig.
Nach dem Finale, vor dem Captain's Dinner: Duisburgs Kapitän Ivica Grlic (r.) und Schalkes Manuel Neuer gratulieren sich...Foto: dpa

Ivica Grlic erinnert sich gerne ans Olympiastadion. Und das, obwohl er dort meist verloren hat. Vor knapp zwei Jahren führte der heutige Sportdirektor des MSV Duisburg, der am Sonntag bei Hertha BSC zu Gast ist, seine Mannschaft als Kapitän ins DFB-Pokalfinale. 0:5 hieß es am Ende gegen Schalke 04. „Auch wenn wir hoch verloren haben, war es ein Riesen-Erfolg für den MSV, dorthin zu kommen“, sagt Grlic. Duisburgs Anhänger feierten dennoch  ihr Team in den Schlussminuten  für die gesamte Saison. „Das sind Eindrücke, die vergisst man nicht so schnell.“

Zweimal stand Grlic im Pokalfinale in Berlin – wie der MSV. Beide Male verlor Grlic – wie der MSV. 2004 unterlag der heute 37-Jährige mit Aachen gegen Bremen knapp mit 2:3. Und der MSV hatte 1998 unter Trainer Friedhelm Funkel den FC Bayern am Rande einer Niederlage gehabt. Doch erst trat Michael Tarnat Duisburgs Torschützen Bachirou Salou aus dem Spiel, dann zerschossen Markus Babbel und Mario Basler in der Schlussphase alle MSV-Hoffnungen. Vorbei. Mit vier Niederlagen in vier Pokalendspielen hält der MSV einen tragischen Rekord.

 Für Grlic war das Finale 2011 tatsächlich auch sein letztes Spiel. Im Jahr 2011 hatte er zuvor nur zwei Partien bestritten. Die Knie spielten nicht mehr mit. Ein halbes Jahr später musste er seine Profikarriere nach 300 Zweit- und 43 Erstligapartien beenden – Sportinvalidität. „Das war ein Abschnitt, der vorbei ist“, sagt Grlic, der seit 2004 beim MSV ist.

Denn direkt im Anschluss begann ein neuer – Grlic, den sie in Duisburg nur „Ivo“ nennen, wurde Sportdirektor und hatte sofort alle Hände voll zu tun: Der Abstiegskampf, zwei Trainerwechsel – Grlic musste zwischendurch sogar als Interimstrainer einspringen – und eine drohende Insolvenz setzten dem Verein zu. Mittlerweile ist es ruhiger geworden. Die Insolvenz konnte abgewendet werden. Seit September 2012 ist Kosta Runjaic Trainer und hat der Mannschaft wieder eine Struktur gegeben. „Unsere Mannschaft ist gut drauf, sie ist in den letzten Monaten zu einer Einheit geworden. Wir sind im Aufwärtstrend“, sagt Grlic. In den vergangenen acht Spielen hat der MSV nur einmal verloren. Am Montagabend schlugen die Duisburger überraschend Herthas Aufstiegskonkurrenten Eintracht Braunschweig mit 1:0 – drei wichtige Punkte im Abstiegskampf. „Wir haben in dieser Saison eine sehr schwere Phase hinter und vor uns“, erklärt Grlic die momentane Situation. „Wir hatten einen katastrophalen Start, der jetzt noch nachwirkt.“ Deshalb sollen so schnell wie möglich die nötigen Punkte geholt werden, denn es könne nicht sein, „dass der MSV zwei Jahre hintereinander um die Klasse zittern muss“.

Beim bisher letzten Aufeinandertreffen in Berlin zwischen Hertha und Duisburg war es noch das Duell Zweiter gegen Dritter: Beim 2:0-Auswärtssieg im November 2010 sorgte der MSV damals für Herthas erste Heimniederlage der Saison. In der laufenden Spielzeit ist Hertha zu Hause ungeschlagen. „Braunschweig hatte zuvor auch noch nicht zweimal hintereinander verloren“, sagt Grlic. „Wir haben sogar zu Null gespielt und gezeigt, dass wir gegen die Oberen bestehen können.“ Zudem ist Duisburg auswärts stärker als zu Hause; 15 von 27 Punkten wurden auf fremden Plätzen geholt. „Hertha ist klarer Favorit, aber wenn unsere Mannschaft ihre Leistung der letzten Monate bestätigt, wird es ganz schwer gegen uns.“ Wie schon beim 2:2 im Hinspiel, als Herthas Sandro Wagner gegen seinen ehemaligen Klub einen Punkt rettete. „Wir hätten sogar gewinnen können“, erinnert sich Grlic. „Wir können in Berlin auch punkten.“

Diesmal ist es das Duell zwischen Spitzenreiter und Tabellen-13. „Sie wollen in die Erste Liga, wir wollen die Klasse halten“, fasst Grlic zusammen. Erstmals muss er als Duisburger im Olympiastadion zuschauen: „Als Spieler war ich nicht so nervös vor dem Spiel wie ich es jetzt als Sportdirektor bin“, sagt Grlic. „Ab dem Anpfiff ist man machtlos.“ Ein anderer MSV-Rekord aus dem Olympiastadion wird höchstwahrscheinlich für alle Zeiten fortbestehen: Im März 1966 gewannen die Duisburger bei Tasmania Berlin mit 9:0 – bis heute ist es der höchste Auswärtssieg der Bundesligageschichte.

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