Sport : Müde Herausforderer

Herthas Trainer Falko Götz lässt in Cottbus die zweite Wahl spielen – und wird enttäuscht

Stefan Hermanns

Cottbus - Beim ersten Mal hatte Marko Rehmer noch Pech. Sein Pass in den freien Raum landete genau im Lauf von Michael Fuß, doch der Angreifer traf nur den Außenpfosten. Erst vier Minuten später konnte Rehmer, Herthas Verteidiger, dann doch noch seinen Beitrag zum 2:0 leisten – für Energie Cottbus. Bei einem Pass in den Strafraum stand er falsch, Rehmer eilte Adrian Iordache noch hinterher, ließ sich dann aber mit einer schlichten Körpertäuschung ausschalten. Der Rumäne hatte keine Mühe, Herthas Torhüter Christian Fiedler zu überwinden.

Es ist kein Geheimnis, dass Marko Rehmer Hertha BSC verlassen will. Es ist auch kein Geheimnis, dass der Berliner Fußball-Bundesligist und vor allem sein Trainer Falko Götz Rehmer gerne loswerden würde. Doch weil ein Wechsel in diesem Winter zu scheitern droht, müssen nun beide Seiten versuchen, sich mit der neuen Realität zu arrangieren. Dass Götz am Anfang der Woche gesagt hat, auch Rehmer werde seine Chance in der Mannschaft bekommen, muss man nicht allzu ernst nehmen. Vermutlich hat Götz geahnt, dass Rehmer diese Chance ohnehin nicht nutzen würde.

Doch Rehmer scheint bei Hertha kein Einzelfall zu sein. Am Freitagabend im Testspiel bei Zweitligist Energie Cottbus wechselte Götz zur zweiten Halbzeit alle zehn Feldspieler aus und schickte die vermeintlich zweite Besetzung aufs Feld, eine Mannschaft mit großen Namen wie Rehmer, Hartmann und Bobic, allesamt ehemalige Nationalspieler , oder Wichniarek, Neuendorf und Dardai, die Anspruch auf einen Platz in der Anfangself geltend machen. 0:1 lag Hertha zur Pause zurück, am Ende hieß es 1:3. Dem Ergebnis nach hatten sowohl Herthas A-, als auch die B-Mannschaft mit einem Tor Unterschied verloren. Aber: „Wir haben zwei grundverschiedene Halbzeiten gesehen“, sagte Götz. „In der ersten waren wir sehr dominant.“ In der zweiten rannten die Berliner ihren Gegner meistens hinterher – wenn sie überhaupt rannten. „Wir waren nicht bereit, die Konter mit nach hinten zu laufen“, klagte Götz über die Spieler, die sich eigentlich für einen Platz in der Stammelf empfehlen sollten.

Sechs Trainingstage liegen hinter Herthas Spielern, doch nach nicht mal einem Drittel der Vorbereitung zeichnet sich bereits jetzt die Mannschaft ab, mit der die Berliner in zwei Wochen in die Rückrunde starten werden. Es wird, von marginalen Änderungen abgesehen, dieselbe sein, die die Hinrunde mit drei Siegen hintereinander abschloss.

Die zehn Feldspieler, die gegen Cottbus eingewechselt wurden, sind gewissermaßen die Herausforderer. Sie müssen ihrem Trainer in der Vorbereitung beweisen, dass sie besser sind, als die, die bisher gespielt haben. Götz’ Idee war es, den internen Wettbewerb auf diese Weise noch einmal zu verschärfen. „Das war eine unserer Qualitäten in der Vorrunde: dass es einen hohen Konkurrenzkampf gab“, sagte er. Die zweite Hälfte in Cottbus erweckte jedoch eher den Eindruck, dass die Zweitbesetzung sich bereits resigniert in ihr Schicksal gefügt hat. „Gerade im spielerischen Bereich gab es Unterschiede“, sagte Götz. Die zweite Elf wirkte geradezu konfus. „Ich habe genügend Arbeitsansätze bekommen“, sagte Götz. Das war an diesem Abend auch das einzig Positive.

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