Sport : Müder Eindruck

Sergej Barbarez kämpft beim HSV um Anerkennung

Karsten Doneck[Hamburg]

Stefan Beinlich versuchte zu schlichten, bevor es zum emotionalen Ausbruch kam. Fürsorglich legte der HSV-Profi den Arm um die Schulter von Sergej Barbarez und redete auf ihn ein. Ob Barbarez die Worte überhaupt erreichten? Mit grimmigem Blick stapfte der Bosnier vom Rasen und anstatt, wie unter Fußballern üblich, am Spielfeldrand die Mannschaftskameraden und das Trainergespann abzuklatschen, verschwand er schnurstracks Richtung Kabine. Sergej Barbarez war beim Hamburger SV gegen den 1. FC Nürnberg eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt worden gegen Benjamin Lauth und zeigte für diese Maßnahme von Trainer Klaus Toppmöller demonstrativ wenig Verständnis. Auf dem Feld der AOL-Arena vollzog sich in Barbarez’ Abwesenheit Turbulentes: Erst glichen die Nürnberger den 1:3-Rückstand aus, dann traf der eingewechselte Lauth zum 4:3-Endstand für den HSV.

Hinterher wurde Toppmöller gebeten, seine Entscheidung, Barbarez aus dem Spiel zu nehmen, doch mal zu erläutern. Der HSV-Trainer tat das mit einem plausiblen Argument. „Er hat einen etwas müden Eindruck gemacht“, sagte Toppmöller. Barbarez, der für den HSV in 114 Bundesligaspielen 45 Tore erzielt hat, setzte gegen Nürnberg in der Tat keine Akzente. Er, der beim Hamburger Publikum ohnehin nur dann Wohlwollen genießt, wenn er genügend Tore schießt, hörte bei seinen ersten Ballverlusten bereits wütende Pfiffe von den Rängen. Seine beste Tat gelang ihm kurz nach der Pause mit dem Pass auf Mpenza, den der Belgier zur 3:1-Führung für den HSV verwertete. Eine solche Aktion schützte Barbarez indes nicht vor der Auswechslung.

Toppmöller und Barbarez – das sind zwei sehr impulsive Menschen, zwischen denen sich ein Spannungsfeld aufgebaut hat, bei dem kräftige Explosionen nicht mehr ausgeschlossen sind. Toppmöller hat freilich selbst Schuld, dass der Umgang mit seinem als nicht pflegeleicht bekannten Star gestört ist. Der Trainer hatte Barbarez Avancen gemacht, er könne ihn sich in der neuen Saison gut als Mannschaftskapitän vorstellen. Eine Aufgabe, die Barbarez reizte. Am 12. Juli erschien im „Kicker“ ein Interview, in dem Barbarez kundtat, er fühle sich „sehr geehrt“, das Amt zu übernehmen. Doch kurz vor Saisonbeginn bestimmte Toppmöller überraschend Tomas Ujfalusi zum Kapitän. Und als Ujfalusi dann zum AC Florenz wechselte, rückte der als Stellvertreter vorgesehene Daniel van Buyten nach. Barbarez reagierte nach außen hin gelassen und war innerlich doch tief enttäuscht.

Zum Bruch mit Barbarez will es Toppmöller dann aber doch nicht kommen lassen. So kartete der Trainer auch nicht nach wegen Barbarez’ Verhalten nach der Auswechslung. „Natürlich ist Sergej nicht glücklich darüber, ausgewechselt zu werden, aber das ist kein Spieler“, sagte Toppmöller. Das klang fast schon vermittelnd. Der HSV muss nun in Stuttgart und Kaiserslautern antreten. Danach könnte sich das Spannungsverhältnis zwischen Trainer und Star wie von selbst lösen. Fraglich ist nämlich, ob Toppmöller danach noch Trainer in Hamburg ist.

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