• Mühlegg darf seit November für Spanien starten, nun eilt der Langläufer von Erfolg zu Erfolg

Sport : Mühlegg darf seit November für Spanien starten, nun eilt der Langläufer von Erfolg zu Erfolg

Lutz Rauschnick

Er gibt jetzt den Don Johann, der Mühlegg-Bub aus dem Allgäu. Er mimt den Hauptdarsteller in einer Groteske, die zweitweise durchaus tragikomische Elemente hat. "Nein, ich habe kein Interesse daran, mit deutschen Journalisten zu reden." So platzt es aus ihm in der Lobby des Davoser Hotels "Sonneberg" heraus, nachdem er von der pfiffigen Empfangsdame, ohne die Namen der Medienleute zu nennen ("da sind zwei Herren"), vom Zimmer heruntergelockt worden war. Mit seinem spanischen Langlaufkollegen Juan Jesus Gutierrez und drei Betreuern bereitet er sich dort auf Weltcuprennen vor. "Interviews gebe ich nur noch in spanisch, aber gewisse Journalisten kriegen nichts mehr von mir." Deutsch rede er sowieso nicht mehr. Nicht er, der Mühlegg Johann, geboren in Marktoberdorf, der jetzt ein Appartment in Madrid besitzt.

Vor gut einer Woche hatte der 29-Jährige als Sieger des 15-km-Freistilrennens im italienischen Sappada ein Ergebnis erzielt, "dass in seiner Einmaligkeit eingeschweißt und der Nachwelt erhalten werden sollte", wie Servicemann Franz Gattermann sagte. Nun scheint das eingetroffen zu sein, was 1991 der damalige Bundestrainer Jürgen Seifert nach Mühleggs 15. Platz bei der Weltmeisterschaft über den früheren Junioren-Weltmeisters gesagt hatte: "In sechs, sieben Jahren wird er Weltcups gewinnen und in der Spitze mitlaufen."

Es gehört zu den tragischen Elementen seiner Biografie, dass er diesen Erwartungen jahrelang hinterherlief. Im Dezember 1993 suchte er just in Davos erstmals die Öffentlichkeit, damals natürlich auch deutsche Journalisten, um sich mit Spiritismus-Phantastereien ins Abseits zu reden: "Er bespricht meine Elektrolyt-Getränke, als Folge werde ich physisch instabil." Nach jahrelangen Querelen mit Ausschlüssen, Comebacks und Gerichtsverhandlungen, in deren Kontext vor allem Trainer Georg Zipfel Leidtragender war, wurde Johann Mühlegg im Dezember 1998 vom DSV freigegeben. "Mit den Spaniern habe ich mich immer gut verstanden, sie entsprechen meinem Charakter", begründete er den Wechsel. Spanien bürgerte ihn schließlich am 11. November 1999 per Pass ein.

Im offenen Fahrstuhl findet Don Johann doch noch ein wenig Zeit für deutsche Journalisten. Allerdings parliert er auf spanisch: "Da ist vieles schlecht gelaufen" (multi-malo?). Dafür stimme das "ambiente" im spanischen Team, die Atmosphäre. In zwei Trainingslagern in der Sierra Nevada und in Italien haben sich die beiden "Spanier" gemeinsam in Topform gebracht. Zwei Kilo nahm Mühlegg dabei ab. Nach den Olympischen Spielen in Nagano 1998 (Siebenter über 50 km) hatte er seine Wechselabsichten kundgetan und wurde vom DSV auch freigegeben. Zunächst durfte der eigenwillige Langläufer nicht mehr im Weltcup starten, doch von den Spaniern bekam er sozusagen als Vorschuss einen Betreuer für die World Loppet-Läufe, die er reihenweise gewann.

"Er ist wirklich in Topform", bescheinigt Franz Gattermann, dessen Firma mit Mühlegg "eine rein materielle Zusammenarbeit" pflegt. Seit Mühleggs Entourage mit Bruder Martin und der wunderlichen Justina Agostinho nicht mehr dabei ist, "hat er sehr viel mehr Selbstvertrauen bekommen." Gattermann, seit Jahren in der Szene, hält Johann Mühlegg für befähigt, mit den Topläufern mithalten zu können.

"Ich fühle mich sehr glücklich in Spanien", sagt der wiedererstarkte Mühlegg. "Non escuela", wohl nicht in einer Schule, hat er die neue Sprache gelernt, die er bereits erstaunlich gut beherrscht. Dennoch wirkt der Langläufer bei dem Versuch, Vergangenes zu bewältigen und sich endlich auf den Sport zu konzentrieren, ein wenig, als habe er den Überblick verloren. Als schließlich irgendwann ein tschechischer Läufer mit dem Fahrstuhl fahren will, sagt Mühlegg: "Adios". Und irgendwie kommt einem alles etwas spanisch vor.

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