Sport : Mühsam nach vorn

Mit dem 2:1-Sieg gegen Hannover 96 setzt sich Schalke 04 oben fest

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Gelsenkirchen – Drei schöne Tore, mehr wird vom 2:1 des FC Schalke 04 über Hannover 96 nicht in Erinnerung bleiben. Der mühsame Heimsieg reichte den Westfalen, um Bayern München zu überflügeln und in der Fußball-Bundesliga auf den zweiten Platz vorzurücken. „Es ist ein gutes Gefühl, dort oben zu stehen“, sagte Schalkes Trainer Mirko Slomka. „Ich bin froh, dass wir nicht in der Lage waren, aus eigener Kraft Tabellenführer zu werden, sonst hätte es wahrscheinlich ein 2:2 gegeben.“ Aus Slomka sprach die Sorge, dass seine Mannschaft angesichts einer möglichen Tabellenführung verkrampft wäre und so keinen Sieg zustande gebracht hätte. Nun ist Schalke immerhin Zweiter, spielte aber gestern nur eine Halbzeit lang so stark, wie es der Tabellenstand vermuten lässt.

Schalke musste ohne Kapitän Marcelo Bordon auskommen, der zuletzt Herz und Hirn der Mannschaft gewesen war. Doch die Kollegen ließen sich durch die Krankmeldung des Verteidigers, der von Tim Hoogland gut vertreten wurde, nicht stören. Sie gingen konzentriert ans Werk und ließen die Hannoveraner nicht zum Zuge kommen. Je weiter die erste Halbzeit voranschritt, desto besser fanden die Schalker sich in der gegnerischen Hälfte zurecht; sie nutzten (fast) alle Chancen, die sich boten – auch dank der Hilfe des Gegners. „Zwischen der 10. und der 45. Minute haben wir keinen Zweikampf gewonnen, und bei den Gegentoren haben wir Pate gestanden“, sagte Dieter Hecking, der als Chefrainer von Hannover 96 seine erste Niederlage erlitt.

Auf dem Weg zum 1:0 verursachte Torschütze Zlatan Bajramovic bei seinem Widersacher Jan Rosenthal Schwindelgefühle und profitierte im Abschluss von einem Stellungsfehler des Hannoveraner Schlussmanns Robert Enke, der den raffinierten Außenristschuss des Schalkers neben sich im kurzen Eck einschlagen sah. „Alle haben auf einen Rückpass spekuliert, aber Zlatan hat den Ball einfach reingeschossen“, sagte Slomka. Beim zweiten Tor gefielen die Westfalen auch künstlerisch. Kuranyi und Lincoln brachten ihren Mitstreiter Lewan Kobiaschwili in Stellung, indem sie der Kugel jeweils mit der Hacke den nötigen Kick gaben. Der Georgier vollendete die Kombination und baute den Vorsprung aus.

Aber waren damit auch schon alle Zweifel am Sieg beseitigt? Nein. Rosenthal, der seinen Schwindel überwunden hatte, überraschte die siegesgewissen Schalker mit einem Distanzschuss, der wieder ein wenig Spannung erzeugte. Die Gäste beließen es jedoch bei diesem Warnschuss. Auf der anderen Seite versäumten es die Schalker, klare Verhältnisse zu schaffen. Kuranyi, der später ausgewechselt wurde, scheiterte mit einem Flugkopfball aus etwa fünf Metern Entfernung.

Mehr vermochten die Schalker nicht auszurichten gegen die Langeweile, die sich breitmachte. „Man hatte ein bisschen das Gefühl, es könnte noch etwas passieren“, sagte Slomka. Aber es genügte letztlich, die knappe Führung zu verwalten, da Hannover der Mumm fehlte, die Partie noch wenden. Nach dem Anschlusstor habe seine Elf „nicht zwingend genug gespielt“, um noch auszugleichen, sagte Hecking. „Wir haben es nicht geschafft, unser Potenzial über neunzig Minuten abzurufen.“ Da ging es den Schalkern nicht anders, aber im Ergebnis besser.

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