Sport : „Müllhalde der Nation“

Rechtsanwalt Diestel über die Verteidigung seines neuen Mandanten Jan Ullrich

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Herr Diestel, Sie haben angekündigt, dass Jan Ullrich nun vielleicht doch eine DNS-Probe abgeben wird, um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Wie kommt diese Wende zustande?

Jan Ullrich ist ein rechtsliebender Mensch, und wenn es der Aufklärung dient, wird er auch eine Probe abgeben. Aber bisher gab es keine Veranlassung dazu, weil es keine konkreten Vorwürfe gibt.

Unter welchen Umständen würde Ullrich denn eine DNS-Probe abgeben?

Wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind, wird er es tun. Man kann schließlich nicht von irgendjemand einfach so eine Haarprobe nehmen. Ich nehme von Ihnen auch keine Probe.

Wie kam es denn überhaupt, dass Sie nun Ullrich vertreten?

Weil ich einer der freundlichsten Anwälte überhaupt bin. Außerdem ist Jan Ullrich wohl von der Art und Weise überzeugt, wie ich mit den Dingen umgehe.

Hatten Sie denn schon früher einmal Kontakt zu Ullrich?

Nein, höchstens bei irgendwelchen Veranstaltungen. Meine Kinder haben auch bis vor drei, vier Jahren noch gedacht, dass ich gar kein Fahrrad fahren kann. Aber meine Frau fährt sehr gut Fahrrad. Das hat den Kontakt zu Jan Ullrich leichter gemacht.

Welche Strategie verfolgen Sie denn bei der Vertretung von Ullrich?

Es gibt eine riesige Kluft zwischen der Realität und der unqualifizierten Verteufelung meines Mandanten. Dem muss Einhalt geboten werden. Es gibt keine Dopingbezichtigungen gegen ihn. Es sind irgendwelche Sachen gefunden worden, die sich alle erklären lassen. Daran arbeiten Rechtsanwalt Johann Schwenn und ich gerade. Ich möchte, dass Jan Ullrich wieder in den Rang zurückkommt, den er verdient.

Das hatten Sie gemeinsam mit Herrn Schwenn auch im Fall des Leichtathletiktrainers Thomas Springstein versucht. Am Ende wurde er wegen Dopingvergabe an eine Minderjährige verurteilt.

Man muss doch eines sehen: Staatsanwaltschaft und Gericht wollten Herrn Springstein fünf bis sechs Jahre aus dem Verkehr ziehen. Dass es nur ein Jahr auf Bewährung geworden ist, war eine anwaltliche Meisterleistung der Verteidigung. Alle hatten doch mit mehr gerechnet, deshalb war die Enttäuschung in den Medien am Ende groß, übrigens auch bei Ihnen. Daran erinnere ich mich noch genau.

Bisher hat Ullrich zu den Vorwürfen weitestgehend geschwiegen. Wie offensiv werden Sie denn seine Verteidigung angehen?

Ganz offensiv. Denn es gibt bisher lediglich Verdachtsmomente. Die Vorwürfe sind alle falsch. Da muss ein Riegel vorgeschoben werden. Jan Ullrich ist nicht die Müllhalde der Nation, sondern einer der populärsten Sportler unseres Vaterlandes. Ich sage das bewusst mit Pathos. Jan Ullrich ist ein Held, aber wir in Deutschland sind leider Weltmeister im Heldenschlachten. Wissen Sie, warum ich ihn vertrete? Weil Jan Ullrich ein sehr überzeugender, intelligenter und sympathischer Mensch ist.

Aber auch ein sympathischer Mensch könnte doch beispielsweise von seinem sportlichen Mentor Rudy Pevenage zu Dingen verleitet worden sein, die er sonst nicht getan hätte.

Das alles wollen wir gemeinsam mit ihm erörtern.

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

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