München - Bremen 0:0 : Geburtstagsfeier ohne Tore

Nach dem 0:0 gegen Werder Bremen steckt der Meister wie vor einem Jahr erst einmal im Mittelfeld fest. Kein Grund zum Feiern – außer dem 65. Geburtstag von Franz Beckenbauer.

Günter Klein
Viel Gerangel um nichts: Nach einem ausgeglichenen Spiel trennen sich Bayern München und Werder Bremen 0:0.
Viel Gerangel um nichts: Nach einem ausgeglichenen Spiel trennen sich Bayern München und Werder Bremen 0:0.Foto: dpa

In der kommenden Woche beginnen zwei Jahreszeiten: die Saison in der Champions League und das Oktoberfest. In beide geht der FC Bayern in gedämpfter Stimmung. Am dritten Bundesliga-Spieltag blieben die Münchner zum zweiten Mal hintereinander sieglos. Wie vor einem Jahr hängen sie erst einmal im Tabellen-Mittelfeld fest. Das 0:0 gegen Werder Bremen dokumentiert eine kleine Ergebniskrise des Meisters, schon 180 Minuten ist er ohne Tor. Es gab gestern also nichts zu feiern – außer dem 65. Geburtstag von Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Für Bremen hingegen, das ebenfalls in die Champions League startet (aber kein Oktoberfest hat) war das 0:0 in der derzeitigen Lage mit vielen Verletzungsausfällen ein aufmunterndes Resultat.

Am Tag vor einem Spiel wird Louis van Gaal immer gefragt, wie er denn den Gegner erwarte – darauf gibt es von ihm eine Standardantwort: „Wie schon? Sehr verteidigend. Oder haben Sie schon mal eine Mannschaft gesehen, die in München uns angreift?“ Werder Bremen aber sagt man gemeinhin eine Neigung zur Offensive nach, darum hat van Gaals Einschätzung in diesem Fall überrascht. Und die Bremer schienen mit einer furiosen Anfangsoffensive und einigen blitzschnellen Vorstößen im Verlauf der ersten Halbzeit den Trainer des Rekordmeisters widerlegen zu wollen. Jedenfalls hatte in der ersten Halbzeit Bayerns Torhüter Jörg Butt mehr Beschäftigung als sein Gegenüber Tim Wiese. „Wir lassen dieses Jahr zu viele Chancen zu“, klagte Bayerns Kapitän Mark van Bommel nach dem Unentschieden.

Die fünfte Minute erlebte die kurioseste Szene dieses Spiels: Bremer Pech, Münchner Glück. Werders Österreicher Marko Arnautovic köpfte einen Freistoß Marko Marins an den Pfosten des Bayerntores, von dort sprang der Ball an den Fuß von Butt, hoch zur Latte und wieder nach unten mittenmang in Butts Hände. „So ein Ding, das gibt’s nicht“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf. Dann wiederum war Butt gefragt, als Arnautovic vor ihm auftauchte und später der flinke Marin, gegen dessen Quirligkeit Bastian Schweinsteiger mit einem respektgebietenden Tritt einschritt. Kurz zuvor hatte Marin noch einen ansatzlosen 30-Meter-Schuss losgelassen, den Butt aus der Ecke holte. Da lohnte es sich, dass Bayerns Torhüter bei der WM gewesen war und im Training die tückischen Schüsse des Bremers hatte studieren können.

Die Bayern wurden zwar im Verlauf der ersten Hälfte feldüberlegen und hatten mehr Ballbesitz. Teilweise kombinierten sie auch flott, doch am Ende standen sie zu oft im Abseits. Die Bremer Abwehr, in der Petri Pasanen als Innenverteidiger aushelfen musste und der Franzose Mikael Silvestre auf der linken Seite debütierte, funktionierte. „Wir haben gut gestanden“, sagte Schaaf. Dem Franzosen Silvestre bescheinigte er „ein gutes Debüt“. Die beste Münchner Offensivszene ergab sich aus einer klugen Ablage von Ivica Olic auf Franck Ribéry. Der Franzose hatte von Bremens Feldspielers nur noch Pasanen vor sich, schoss – jedoch direkt auf Wieses Fäuste.

Louis van Gaal brachte zur zweiten Halbzeit Toni Kroos für den kaum aufgefallenen Miroslav Klose. Und Kroos wurde sofort zum Spieler, um den sich alles drehte. Er hatte zwei große Chancen innerhalb von nur einer Minute. Mit zu viel Rücklage nahm er Ribérys Flanke, schoss drüber, dann parierte Werders Torhüter Wiese seinen platzierten Schuss. „Wir haben die meisten Chancen kreiert und auch die besten - dann muss man auch ein Tor machen“, klagte Bayerns Trainer Louis van Gaal.

Bremens zweiter Debütant Wesley war viel unterwegs, wusste aber noch nicht so recht, wo er hingehörte. Nach 69 Minuten hatte er sich einen Krampf gelaufen und wurde durch Tim Borowski ersetzt. Werders Spiel aber gestaltete ohnehin Marko Marin, er war der wahre Taktgeber der Bremer. Auch Marko Arnautovic hatte starke Szenen, als er einmal für Wesley auflegte, dann Holger Badstuber einen Beinschuss verpasste und Butt prüfte. Es war ein munteres Hin und Her, jede Seite konnte für sich einige Szenen reklamieren, die zum Sieg hätten führen müssen. Für ein 0:0 wurde viel geboten, die Freude war am Ende aber einseitig verteilt. „Wir sind natürlich unzufrieden mit dem Punkt“, sagte Jörg Butt. „Das war zu wenig.“

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