München - Hannover 3:0 : Tor auf für Gomez

Mario Gomez hatte einiges nachzuholen. Nach achtmonatiger Torflaute erzielt der häufig kritisierte Stürmer beim 3:0 des FC Bayern über Hannover 96 gleich alle drei Tore.

Carsten Eberts
Als hätte er nie etwas anderes gemacht: Mario Gomez mit einem Hattrick beim 3:0 gegen Hannover.
Als hätte er nie etwas anderes gemacht: Mario Gomez mit einem Hattrick beim 3:0 gegen Hannover.Foto: dpa

Der Geschmähte blieb einfach stehen. Seinen einstudierten Torrero-Torjubel, den man aus früheren Tagen einmal kannte, deutete Mario Gomez nur kurz an, denn er wollte einfach nur genießen, was gerade geschehen war: Hamit Altintop hatte von rechts eine Flanke in den Strafraum geschickt, Gomez stieg seelenruhig hoch, traf den Ball perfekt und vollendete seinen Flug mit einem Kopfball ins rechte, untere Eck. Er hatte also tatsächlich getroffen – der Belächelte, der Chancentod, der in vielen Augen mit 35 Millionen Euro teuerste Fehleinkauf der Klubgeschichte.

Es passte zu diesem Samstagnachmittag, dass dem wieder erstarkten Gomez noch zwei weitere Treffer gelingen sollten. Seinen Bayern hat der Nationalstürmer, der am Dienstag auch schon im Länderspiel gegen Kasachstan getroffen hatte, sich in der Tabelle etwas Luft verschafft – sie können sich in den kommende Tagen wieder anderen Dingen widmen: beispielsweise dem Streit um die Verletzung von Mark van Bommel mit dem holländischen Verband. Der war am Donnerstag noch von der Fifa für seine hervorragende medizinische Abteilung ausgezeichnet worden, was in den Augen der gegen Hannover personell stark dezimierten Bayern eine besondere Provokation darstellen musste.

Trotz aller Verletzungssorgen begann Trainer Louis van Gaal das Spiel mit einer Machtdemonstration: Obwohl er auf elf Spieler verzichten musste, die wie Klose und van Bommel teilweise lädiert von diversen Länderspieleinsätzen wiederkehrten, fand sich für Martin Demichelis kein Platz in der Startelf. Der so stolze Argentinier, der vor wenigen Wochen so herrlich mit van Gaal aneinander gerasselt war, spielt in den Planungen des Trainers offenbar keine Rolle mehr. An seiner Stelle agierte Anatolji Timoschtschuk neben Holger Badstuber in der Innenverteidigung, links durfte Edson Braafheid ran, das Duo auf der Doppelsechs bildeten Danijel Pranjic und Andreas Ottl. Demichelis blieb über 90 Minuten auf der Bayern-Bank. Sein Abschied in München dürfte immer näher rücken.

Hannover 96 begann zumindest wacher als beim letzten Aufeinandertreffen in München, als die Mannschaft wegen eines spuckenden isländischen Vulkans mit unaussprechlichem Namen fünf Stunden stehend im Zug verbringen musste, bevor sie in der Arena 0:7 unterging. Doch 96 agierte nicht mutig genug, um die Bayern zu gefährden. Ein gutes Fußballspiel entwickelte sich folglich nicht, da sich auch der FC Bayern vorsichtig-zerfahren präsentierte: Thomas Müller tauchte die komplette erste Halbzeit ab, Toni Kroos leistete sich ungewohnte Fehlpässe, Edson Braafheid bestätigte erneut sein Fremdkörper-Image. Doch sie hatten Gomez: In der 43. Minute wehrte 96-Keeper Fromlowitz einen Gomez-Schuss mit den Beinen ab, kurz darauf setzte der Stürmer einen Kopfball knapp drüber.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel phasenweise besser. Sowohl Hannover erspielte sich Chancen durch Christopher Avevor (58.) und Mike Hanke (61.) als auch die Bayern: Der eingewechselte Schweinsteiger schoss knapp drüber (68.), Toni Kroos vergab kurz zuvor mit der Hacke ein mögliches Tor des Monats. Wieder war es Gomez, der es besser machte: In der 77. Spielminute tanzte er Hannovers Christian Schulz aus und bezwang Fromlowitz mit einem sicheren Schuss zum 2:0, in der 90. Minute traf er mit dem Kopf zum Endstand. Dann war die Gomez-Show vorüber.

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