München - Hoffenheim : Eine Sportart namens Frühlingsfußball

Beim 4:0 lassen die Bayern den Gästen aus Hoffenheim keine Chance und zeigen spielende Leichtigkeit. Robben und Ribéry glänzen erstmals seit Monaten gemeinsam.

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Da sind wir wieder. Franck Ribéry (links) und Arjen Robben, der zweimal traf, wirbelten zum ersten Mal seit langer Zeit gemeinsam.
Da sind wir wieder. Franck Ribéry (links) und Arjen Robben, der zweimal traf, wirbelten zum ersten Mal seit langer Zeit gemeinsam.Foto: dpa

Es kommt nicht oft vor, dass Louis van Gaal in der Öffentlichkeit einen Ansatz von Ratlosigkeit zeigt. Diesmal aber stand ihm der Sinn danach, eine neue Facette seines Charakters anzudeuten. Den Fall Hoffenheim, sagte der Trainer des FC Bayern am Sonnabend nach dem Spiel, könne er sich nicht ganz erklären. Wenn es gegen die Mannschaft aus dem Kraichgau gehe, „habe ich immer vor dem Spiel diese Zweifel. Denn ich finde, dass die eine sehr gute Mannschaft haben. Es ist komisch, dass wir trotzdem fast immer gewonnen haben.“ Nämlich drei von vier Partien, in denen van Gaal dabei war. Diesmal hatten ihm seine Spieler wider alle Zweifel ein 4:0 (2:0) beschert, was ihnen ein sattes Lob eintrug. „Ich denke, dass das unser bestes Spiel in dieser Saison war“, urteilte der Trainer.

Dass dieser Nachmittag so durch und durch unproblematisch verlief, hatte – darin waren sich hinterher alle Beteiligten einig – sehr viel damit zu tun, dass die Bayern endlich wieder die Flügelzange Franck Ribéry und Arjen Robben von Beginn an aufbieten konnten, zum ersten Mal seit 273 Tagen, seit dem Pokalfinale am 15. Mai. „Mit ihnen haben wir viel mehr Kreativität im Spiel und bauen mehr Druck nach vorn auf“, analysierte van Gaal. Zudem sah er dadurch die Zeit gekommen, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger wieder ihre jeweils stärksten Positionen zuzuweisen: Müller die Rolle zentral hinter den Spitzen, Schweinsteiger als Antriebsmotor aus dem defensiven Mittelfeld heraus.

So ging die Partie denn auch gleich perfekt los. Knapp zwei Minuten waren gespielt, da zog Ribéry von links nach innen und legte in die Mitte zu Müller. Der verzögerte die Ballzirkelei geschickt einen Moment, um dann rechts hinaus auf Robben zu spielen. Von dort war es nur noch ein – abgefälschtes – Pässchen in die Mitte zu Mario Gomez, der die Kugel zum 1:0 ins Tor bugsierte. Es war bereits sein 17. Saisontor.

Und es war einer dieser Momente, in denen die Vollversammlung an Großtalenten dem Bayernspiel eine unwiderstehliche Leichtigkeit verleiht. Dieser Nachmittag verlief auch deshalb so einseitig, weil Hoffenheim sich über weite Strecken so desolat präsentierte, dass die Bayern-Defensive kaum Gelegenheit bekam zu wanken und zu stürzen. Stattdessen nutzten die Gastgeber den Schwung, um schnell noch ein Tor nachzulegen. Es begann in der 15. Minute, wieder auf der linken Seite mit einem Pass Ribérys auf Müller, der diesmal gleich selbst einen Schuss aufs kurze Eck zum 2:0 losließ.

Aber es waren nicht nur die Akzente nach vorn, mit denen Ribéry und Robben sich an diesem Nachmittag beliebt machten. „Die beiden haben auch defensiv gut gearbeitet“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Müller und van Gaal sagten wortgleich, die beiden Freigeister hätten diesmal „sehr mannschaftsdienlich gespielt“. Sie alle betonten das, ohne explizit danach gefragt worden zu sein – ein Hinweis darauf, dass das Auftreten von Robben und Ribéry intern nicht immer nur auf Begeisterung gestoßen ist.

Nach dem Schock von Köln am vergangenen Wochenende (2:3 nach 2:0-Führung) sah van Gaal diesmal mit Erleichterung, dass „wir 90 Minuten konzentriert gespielt haben. Es ist schon lang her, dass das geklappt hat“. In der 63. Minute schnappte sich Robben mal wieder rechtsaußen den Ball und kreierte eine seiner Lieblingssituationen: einen Spaziergang entlang der Sechzehnerlinie, der in einen gezielten Flachschuss ins rechte Eck mündet, zum 3:0. In der Schlussphase platzierte er dann noch – wieder von er Strafraumgrenze aus – einen Schlenzer ins lange Toreck.

Mit diesem Erfolg bleiben die Bayern immerhin in einer Bundesliga-Wertung dieser Saison unübertroffen: der Heimtabelle. Acht von elf Partien haben sie nun in der eigenen Arena gewonnen und dabei 26 ihrer insgesamt 39 Punkte eingesammelt. Nun aber müssen sie erst einmal wieder reisen. Zunächst am kommenden Wochenende nach Mainz, dann zu Inter Mailand. Erst darauf folgt das nächste Heimspiel, gegen Borussia Dortmund. Arjen Robben und Franck Ribéry sind also genau rechtzeitig wieder fit geworden.

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