Sport : München sagt Götz Servus

Von seiner Entlassung beim TSV 1860 erfährt Falko Götz von Journalisten – Szenen einer Scheidung

Daniel Pontzen

München. Falko Götz hat in seiner noch nicht allzu langen Trainerlaufbahn schon einiges erlebt. Bei Hertha BSC wurde er nach einem halben Jahr Interimsarbeit als Wundertrainer gefeiert. Jetzt hat er beim TSV 1860 München die brutale Seite kennen gelernt. Szenen einer Entlassung:

17:16 Uhr: Falko Götz sitzt tief gebeugt auf seiner Trainerbank. Gerade hat er die beiden großen Verteidiger nach vorne geschickt, sie sind seine letzte Hoffnung in dem Spiel, das über seine Zukunft entscheidet. Nach einem Eigentor von Fernando (66. Minute) und Treffern von Mehdi Mahdavikia (79.) und Paul Agostino (87.) steht es 1:2. Die letzte Flanke der Sechziger segelt ins Aus.

17:17 Uhr: Schlusspfiff. Falko Götz erhebt sich von seinem Sitz, bleibt einen Moment stehen, dann schlendert er zur Bank der Ersatzspieler, gibt jedem die Hand. Danach überquert er die Tartanbahn und verschwindet in den Katakomben.

17:18 Uhr: Hans Zehetmair, der Vizepräsident, erhebt sich von seinem Platz auf der Ehrentribüne. Am Eingang zum VIP-Bereich stoppen ihn Reporter. Zehetmair sagt: „Die Mannschaft hat Moral gezeigt, aber kein Vermögen. Die Folge ist natürlich, dass wir einen letzten Versuch unternehmen mit einem Trainerwechsel. Morgen werden wir voraussichtlich den Namen des Neuen nennen.“ In den nächsten zehn Minuten bestätigt er Götz’ Entlassung gegenüber allen Fernsehsendern, die es bestätigt haben wollen.

17:32 Uhr: Die Journalisten warten im Presseraum auf Falko Götz und spekulieren über seine Nachfolge. Man einigt sich auf Andreas Brehme, Joachim Löw und Huub Stevens als aussichtsreichste Kandidaten.

17:37 Uhr: Götz steigt im Erdgeschoss in den Aufzug und lässt sich zum Presseraum emporheben. Zuerst gibt der Hamburger Trainer Klaus Toppmöller sein Statement zum Spiel ab. Zwölf Objektive sind derweil auf Götz gerichtet. Dann redet Götz. Er spricht von individuellen Fehlern, und dass man so Spiele verliere. Dann fragt ein Journalist: „Herr Götz, Sie sind nicht mehr Trainer von 1860. Seit wann wissen Sie davon?“ Götz sagt: „Davon weiß ich nichts. Wir haben uns gerade darauf geeinigt, ein Gespräch zu führen, das noch nicht terminiert ist.“ Götz will sich dazu nicht weiter äußern. Ein Rücktritt käme für ihn nicht in Frage. Dann verlässt er den Raum.

17:48 Uhr: Klaus Toppmöller hat an einem Tisch Platz genommen und ein Bier bestellt. Er schüttelt immer wieder den Kopf. Menschlich sei das eine Katastrophe, sagt Toppmöller über die Art der Entlassung. Nach dem Spiel wird ein Interview mit Präsident Karl Auer gezeigt. Auer sagt: „Die Entlassung vom Trainer obliegt der sportlichen Leitung und der Geschäftsführung. Ein Vizepräsident kann das gar nicht tun.“ Er sei sehr enttäuscht darüber, was der Vizepräsident gesagt habe. Man habe zuerst Götz informieren wollen Außerdem sagt er: „Wir haben noch keinen konkreten Kandidaten für die Nachfolge.“

18:13 Uhr: Auer und Sportdirektor Dufner betreten den Presseraum. Es ist laut, und der Pressesprecher versucht, Auer das Wort zu erteilen. Er wird immer wieder unterbrochen. Ob Auer sich noch eine Zusammenarbeit mit Herrn Zehetmair vorstellen könne? „Nein.“ Ob er an Rücktritt denke? „Ich bin sehr enttäuscht worden und das nicht zum ersten Mal.“ Dann schaltet sich Dufner ein. Seine Stimme wird immer schneller, als er für Zehetmairs Verhalten Worte wie „indiskutabel“ und „unmöglich“ benutzt. Und wer entscheide nun, wer neuer Trainer wird, werden beide gefragt. „Ich bitte Sie, das nicht ins Lächerliche zu ziehen“, sagt Auer.

18:26 Uhr: Auer und Dufner verlassen den Presseraum. Die Tür des Aufzugs schließt sich. Auf der Anzeige blinken zwei Pfeile auf. Sie deuten nach unten.

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