München - Schalke : Felix Magath - nicht der schon wieder

Wie schon im Frühjahr mit Wolfsburg könnte Felix Magath die Bayern jetzt auch mit Schalke demütigen.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

In Felix Magaths Dienstreise nach München steckt ein bisschen Heimaturlaub. Seine Familie lebt noch in der Nähe des Trainingszentrums der Bayern. „Insofern ist München immer eine Reise wert“, sagt er. Auf dem Fußballplatz begegnet der Trainer des FC Schalke 04 am Sonnabend seiner Münchner Vergangenheit. Er trifft als Trainer einer jungen Mannschaft, die schon erstaunlich gut in Schwung ist, auf ein Ensemble, das im Jahr eins nach Klinsmann und im Jahr drei nach Magath seinen Rhythmus noch nicht gefunden hat. Ob Magath sich da vorstellen kann, eines Tages nicht nur privat nach München zurückzukehren? Magath tut so, als müsste er nachrechnen, wie lange er noch an Schalke gebunden ist. „Ich glaube, mein Vertrag läuft bis 2013. Ich mache mir keine Gedanken darüber, wie es beim FC Bayern weitergeht“, entgegnet er.

Trotz der Anfangsschwierigkeiten unter Louis van Gaal bleibe der deutsche Rekordmeister „in dieser Liga das Maß aller Dinge und der Topfavorit auf den Gewinn der Meisterschaft“. Das aktuelle Reizklima an der Isar sei auf „normale Probleme“ zurückzuführen, wie sie viele Mannschaften hätten, „wenn sie ein neues Trainerteam bekommen und die Spielweise geändert wird“.

Magath äußert sich zurückhaltend, und dennoch kann er die Münchner tiefer hineindrücken in ihre Krise. Schon in der vergangenen Saison hatte er – damals mit Wolfsburg – dem FC Bayern eine schmachvolle Niederlage beigebracht und beim 5:1-Sieg kurz vor Schluss sogar noch den Ersatztorhüter eingewechselt.

In München war Magath einst entlassen worden, weil seine Mannschaft in der Champions League nicht zu überzeugen wusste und in seinem dritten Dienstjahr sogar in der Liga Rückschläge hinnehmen musste, nachdem sie zweimal das Double gewonnen hatte. Hätten die Münchner Magath im darauffolgenden Jahr siebzig Millionen Euro oder mehr im Jahr zur Verfügung gestellt – wer weiß, was er aus dem Bayern-Ensemble noch gemacht hätte?

Magath selbst führt solche Rechnungen nicht gerne an, lieber verweist er auf die aktuelle Wertschöpfung, die er auf Schalke betreibt – ohne die vermeintlich normalen Anpassungsprobleme. In wirtschaftliche Abgründe blickend hat der Fußball-Lehrer junge Spieler hervorgebracht wie einst in Stuttgart. In Schalke heißen die Emporkömmlinge Christoph Moritz, Lukas Schmitz, Carlos Zambrano, Lewan Kenia oder Lewis Holtby.

Zuweilen setzt Magath fünf, sechs Spieler ein, die 21 Jahre alt sind oder jünger. Die finanzielle Lage des FC Schalke hat sich durch den Verkauf von Kommanditkapital und durch einen Kredit fürs erste ein wenig entspannt. Dennoch sieht Magath sich weiter gefordert. „Wir schaffen Werte, indem wir junge Spieler in die Mannschaft integrieren.“ Außerdem erleichtere der Jugendstil das Vorhaben, auf Sicht die immensen Gehaltskosten zu senken. Gerade wenn die Jungen auch an weniger wilden Tagen halten, was sie schon versprochen haben, geht der Manager Magath gern das Risiko ein, dass manch etablierter Spieler wie etwa Kevin Kuranyi seinen Vertrag nicht verlängern könnte.

Besonders der Aufstieg von Christoph Moritz liefert eine dieser Geschichten, in der modernes Märchen und klassische Karriere ineinander verwoben scheinen. Aus Aachen ursprünglich für die Schalker Regionalliga-Mannschaft verpflichtet, hielt der 19-Jährige in einem schwedischen Möbelhaus Ausschau nach einem Sofa. Plötzlich läutete sein Mobiltelefon, und Uwe Scherr, Schalkes Nachwuchskoordinator, bestellte den Mittelfeldspieler für den nächsten Morgen zum Training der Profis. Moritz und sein Mittelfeld-Kompagnon Schmitz haben zuletzt sogar den brasilianischen Routinier Mineiro aus der Startelf verdrängt. Dass die beiden ständig spielen, „ist für mich überraschend“, sagt sogar ihr Förderer Felix Magath.

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