Sport : Münchener Novemberfest

Der FC Bayern spielt sich gegen Lille in einen Rausch, liegt nach einer halben Stunde 5:0 vorn und siegt am Ende 6:1.

von
Schrei, wenn du triffst. Der FC Bayern begeisterte seine Fans beim 6:1 gegen Lille vor allem in der ersten Halbzeit. Claudio Pizarro (rechts) war mit drei Toren der erfolgreichste Torschütze. Foto: dapd
Schrei, wenn du triffst. Der FC Bayern begeisterte seine Fans beim 6:1 gegen Lille vor allem in der ersten Halbzeit. Claudio...Foto: dapd

Die Rekordjagd, sie schien nach nicht einmal einer halben Stunden zur reinen Formsache zu werden. Die Bayern wirbelten in der Champions League die bedauernswerten Gäste vom OSC Lille durcheinander. Angriff um Angriff rollte auf das Tor der Franzosen, beinahe jede Chance wurde eiskalt verwertet. Nach 27 Minuten führten die Bayern 5:0, nur zwei Treffer fehlten, um das 7:0 gegen den FC Basel aus der Vorsaison zu egalisieren. Selbst der Rekordsieg des FC Liverpool, ein 8:0 gegen Besiktas Istanbul, war möglich. Dazu sollte es aber nicht mehr reichen. In der zweiten Halbzeit gingen die Münchener zu schlampig mit ihren Möglichkeiten um, am Ende siegten sie „nur“ 6:1 (5:0).

„Ich glaube, es war okay heute“, sagte der dreifache Torschütze Claudio Pizarro mit einem Grinsen. Arjen Robben gab sich nicht ganz so bescheiden: „Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war vom Allerfeinsten“, sagte der Niederländer. Nun, er hatte schlicht recht. Von Beginn an zauberten die Bayern Spielzüge auf den Rasen: Pizarro legte einen langen Ball mit der Brust auf Robben, der schickte Thomas Müller steil – doch der deutsche Nationalspieler schoss OSC-Torwart Mickael Landreau nur ans Bein. Den Abpraller allerdings nahm Schweinsteiger auf und wurde an der Strafraumgrenze gefoult: Den Freistoß zwirbelte er selbst zum 1:0 ins Tor. Der frühe Treffer bestärkte die Bayern in ihrem Selbstbewusstsein, das Uli Hoeneß bereits vorweg zur Schau gestellt hatte: Die Mannschaft müsse Lille wegfegen, lautete die Forderung des Präsidenten. Es sollte eben erst gar kein Zittern aufkommen im Fernduell mit den punktgleichen Teams aus Valencia und Borissow.

In der 18. Minute war der Präsident mit dem 2:0 dann bereits vollends beruhigt: Pizarro spielte Doppelpass mit Franck Ribery und schloss dann humorlos von der Strafraumkante aus ab. Für Lille blieb das Spiel ein Albtraum: In der 23. Minute verwandelte Robben einen Freistoß, der abgefälscht neben dem Pfosten ins Tor trudelte. Dann durfte noch zweimal Pizarro ran: Der Stürmer, der für den kranken Mario Mandzukic in die Anfangself gerückt war, drückte Mitte der ersten Halbzeit zwei Hereingaben von Lahm erst mit dem Fuß und dann mit dem Kopf über die Linie. Robben war anschließend nur ein bisschen zu lässig, als er mit einem kunstvollen Heber scheiterte, anstatt den Ball zum 6:0 locker einzuschieben. Und Alaba schoss aus zehn Metern neben das Tor. Lille? Hielt Manuel Neuer mit ein paar harmlosen Fernschüssen warm.

Gerade die Freistoßtreffer zeigten, wie sehr es momentan läuft in München. Es gab nichts zu meckern im Fußballzauberland, in das die Bayern die Zuschauer an diesem Abend einluden. Einige Ultras waren trotzdem verärgert, weshalb sie das Spektakel verpassten: Knapp 500 der treuesten Bayern-Anhänger in der Südkurve ließen ihre Plätze aus Protest verwaist. Sie sind offenbar nicht damit einverstanden, dass der Verein in der Champions League dieses Jahr ein strengeres Einlasssystem in die Blöcke durchgesetzt hat. Früher waren auch gerne einige Fans auf die Ränge hinter dem Tor gepilgert, die eigentlich Karten für andere Plätze hatten.

Der Rest des Publikums ließ sich die Party nicht vermiesen, auch wenn in der zweiten Hälfte der Ivorer Salomon Kalou mit einem Schuss unter die Latte den Ehrentreffer für Lille erzielte. Der eingewechselte Toni Kroos stellte schon bald mit einem Flachschuss zum 6:1 den alten Abstand wieder her. Lille schaffte es in der Schlussphase nur mit Mühe und Glück, eine noch größere Demütigung mit noch mehr Gegentreffern zu verhindern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben