Sport : Munteres Treten auf dem Betzenberg

Oliver Trust

Für Franz Beckenbauer war es ein klarer Fall von "Gesundheitsgefährung, weil die wie die Stiere aufeinander los sind". Manager Uli Hoeneß attackierte Trainer und Vorstand des 1. FC Kaiserslautern, "die, die Atmosphäre aufheizen", was dazu führe, "dass sich die Zuschauer wie die wilden Tiere aufführen". Die sollten sich "mal überlegen, ob sie den richtigen Beruf haben". Und Torwart Oliver Kahn sagte voller Häme: "Hier ist der Neid und Hass in seiner Reinkultur zu sehen." Die "Gäste" aus dem fernen München, wollten sich gar nicht mehr beruhigen. Sie sprachen nach dem turbulenten 0:0 beim 1. FC Kaiserslautern kaum noch über die Meisterschaft und auch nicht über Sportliches. Die Gefühle kochten über, als Mario Basler einen Elfmeter (12.) verschoss, Jörgen Pettersson vor dem Torschuss (83.) die Hand einsetzte und alle beim munteren Treten auf dem Betzenberg mitmischten.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Sie können sich eben nicht leiden, die Außenseiter aus der Pfalz und die Reichen aus Bayern, und das lebten sie diesmal wieder bis zum bitteren Anschlag aus. Als die Bayern in ihren Bus stiegen und mit der schweren Last, dass die Konkurrenz aus Leverkusen jetzt fünf Punkte enteilt ist, leben mussten, flogen die letzten Beleidigungen durch die Luft. Ein "Arschgesicht" musste sich Hoeneß schimpfen lassen, Thorsten Fink bekam eine Bierdusche verpasst. "Wenn das so weitergeht, endet so ein Spiel im Chaos" schimpfte der Bayern-Manager. Hoeneß will sich nun auf der nächsten Manager-Tagung dafür einsetzen, "dass hier etwas passiert".

Die bedauernswerteste Gestalt auf dem Platz aber war sicher Schiedsrichter Torsten Koop aus Lüttenmark, der sich allerdings hervorragend aus der Affäre zog. Brehme musste kurz vor dem Schlusspfiff sogar auf die Tribüne, Grammozis sah kurz vor Schluss die Gelb-Rote Karte. "Wenn Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld sagt, sie waren die bessere Mannschaft, hat der wohl bei so vielen Spielen den Überblick verloren. Das ist ja lächerlich", stichelte Mario Basler. "Wir waren wie im Pokalspiel die bessere Mannschaft. Die hatten wieder ihren Dusel."

Schnell bekam die Partie vor 40 600 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion aufregende Momente. Basler stürzte über Bixente Lizarazu, Koop zögerte nicht. Was dem Pfiff folgte, war eine Showeinlage von Basler, der in seiner typischen Art zum Elfmeter antrat. Ein paar lässige Schritte zur Kalkmarkierung, den Ball tupfte er unter dem Gejohle der Anhänger noch einige Male auf. Die Qualität seines Schusses entsprach bei weitem nicht dem des Vorgeplänkels. Kahn parierte ohne viel Mühe und fühlte sich mit den pfeifenden FCK-Fans im Rücken immer wohler.

Es wurde hitziger. Bayerns Kotrainer Michael Henke bot Schiedsrichterassistent Markus Scheibel provokant seine Brille an, Brehme und sein Torwarttrainer Gerald Ehrmann statten ihm Besuche im Akkord an der Seitenlinie ab, und Stefan Effenberg ließ sich gerade noch davon abhalten, wutentbrannt zur Pfälzer Auswechselbank zu marschieren. Selbst Kahn und sein Gegenüber Georg Koch, rannten erbost aus ihrem Tor und diskutierten nahe des Mittelkreises.

Die Münchner waren wenige Tage nach dem 0:0 in Manchester kaum an konstruktiven Angriffsaktionen interessiert. Kaiserslautern mühte sich mit seinen begrenzten spielerischen Mitteln um Chancen, das Ergebnis hielt sich in Grenzen. "Die hatten ja nicht einmal eine einzige Torchance in 90 Minuten", sagte Basler. Kaum einmal gelang auf beiden Seiten eine flüssige Kombination. Die Langeweile der zweiten Halbzeit wurde nur dreimal in der Schlussphase unterbrochen, und stets war Lautern federführend. Andreas Brehme wurde von Schiedsrichter Koop nach weiteren Meckereien auf die Tribüne geschickt. Dimitrios Grammozis sah kurz vor Schluss noch die Gelb-Rote Karte, und Jörgen Pettersson benutzte vor seinem Schuss ins Tor die Hand.

"Wir sind selber schuld, vor allem ich", sagte Basler. "Ich hatte die Chance zum Sieg und die habe ich vergeben. Die Bayern, die haben einfach Dusel. Aber die können ja machen was sie wollen, gegen die unternimmt ja keiner was."

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