Sport : Muskeln sind nicht schnell Warum Leichtgewicht Collins Weltmeister werden konnte

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Seit Montagabend ist ein Mann Weltmeister über 100 m, der in der Sprinterszene eher aussieht wie ein Spargel. Kim Collins (St. Kitts und Nevis) ist 1,75 m groß, gerade mal 64 Kilogramm schwer, hat vergleichsweise wenige Armmuskeln und keine extrem ausgeprägten Beinmuskeln. Trotzdem lief er 10,07 Sekunden im Finale und hat eine Bestzeit von 9,99 Sekunden. Seine Gegner dagegen sehen so aus wie Bodybuilder. Wieso aber läuft der schlanke Collins schneller als die bulligen Typen?

„Weil Schnelligkeit nicht automatisch etwas mit Muskelbergen zu tun hat“, sagt Helmut Fleischer, Mannschaftsarzt des Deutschen LeichtathletikVerbandes. „Man kann auch als schlanker Mensch schnell laufen.“ Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Beschleunigungskraft. Wenn sich einer im Kraftraum die Muskeln aufpumpt, erhöht er zwar seine Maximalkraft, aber er muss damit erheblich größere Körpermasse bewegen. Ein schlankerer Sprinter hat nicht Oberschenkel wie Baumstämme, aber er muss auch weniger Gewicht vorantreiben. Hier die optimale Mischung zu finden, ist das Geheimnis. Pietro Mennea war auch kein Kraftprotz – aber der Italiener hielt lange den Weltrekord über 200 m (19,72 Sekunden).

Der Kanadier Ben Johnson dagegen war ein Kraftpaket, rannte mit 9,79 Sekunden Weltrekord und war gedopt. Wer Dopingmittel zu Hilfe nimmt und damit Muskelberge bekommt, hat Vorteile. Er verkürzt seine Regenerationsphase, kann härter trainieren, erhöht seine Maximalkraft, und er verkürzt nach Verletzungen die Zeit zum Wiederaufbau von Muskelmasse. Collins sagt, er mache kaum Krafttraining. fmb

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