• Muss Franziska von Almsick als 17-fache Millionärin noch wie ein Korken oben schwimmen? (Meinung)

Sport : Muss Franziska von Almsick als 17-fache Millionärin noch wie ein Korken oben schwimmen? (Meinung)

Jupp Suttner

Eine ganze Woche lang kraulten, schmetterten und brustelten sie eben bei den Schwimm-Europameisterschaften im schönen Istanbul. Und wir durften via TV eine ganze Menge fabelhafter Rennen erleben. Sowie eine noch weitaus größere Menge fabelhafter Sprüche. Den fabelhaftesten von allen gab dabei - wieder einmal - Fräulein Franziska van Almsick von sich. Die 21-Jährige klagte: "Es schmerzt, wenn einem die Leute sagen, du bist zu alt und zu fett!" Denn die Wahrheit schmerzt immer.

Wobei dies natürlich nur eine Art Wasser-Wahrheit ist. Für das Leben an Land käme kein Mensch auf die Idee, andere Attribute als jung, schlank und sexy für Franzi zu verwenden - keine Frage. Aber in den Fluten gelten abweichende Gesetze und Gewichte - dort gilt es, sich wie ein Korken sozusagen auf dem Wasser fort zu bewegen. Und nicht im Wasser schwer wie ein Lastendampfer fast auf Grund zu dümpeln.

Dass FvA es als grausam empfindet, in die Schublade alt und fett gesteckt zu werden, kann ich bestens nachvollziehen - zu mir sagten die Leute das auch immer. Aber dann nahm ich eben zehn Kilo ab und das wäre auch ein ziemlich simples Rezept für Franziska van Almsick, um nicht mehr als fett bezeichnet zu werden. Aber sie wird es garantiert nicht anwenden. Denn sie ist 17-fache Millionärin und hübsch und jung und ihr strömungsmäßig vielleicht etwas ungünstiger body-cw-Wert besitzt dafür einen erfreulich hohen Erotik-Faktor, so daß ihr die Männer zu Füßen liegen. Warum zum Teufel soll sie also zehn Kilo abnehmen, nur um bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 ganz oben zu stehen? Unsereins tut sich da mit dem Abnehmen wesentlich leichter, denn wir besitzen als alternde Nicht-Millionäre weder die Erotik des Geldes noch jene der Jugend noch jene der Macht, so dass mir keine Frauen zu Füßen liegen, sondern höchstens auf mich herabsehen (denn klein bin ich auch noch).

Während deshalb also einer wie ich voller Erfolgshunger alles daran setzen würde, um in Sydney Gold zu holen und dadurch Millionär und reich und sexy zu werden - kann die alles besitzende Franzi rein von ihrer psychologischen Ausgangssituation her sich garantiert nicht mehr dazu aufraffen. Sie ist - so paradox dies klingen mag - einfach zu satt, um noch einmal leicht zu werden. Franziska van Almsick braucht deswegen zwar nicht den Schwimmsport aufzugeben und den Badeanzug einzumotten - aber sie sollte sich dazu bewegen lassen, ihre Ziele etwas tiefer zu hängen.

Die Weltmeisterin von 1994 sollte nicht mehr vom 200-m-Freistil-Weltrekord und dem Olympiasieg im Einzelrennen von Sydney 2000 träumen. Sondern die Erkenntnis gewinnen, dass es zwar hierzu nicht mehr reicht - aber dass sie dafür die Rolle einer extrem wertvollen Staffelschwimmerin (wie in Istanbul) zu geben vermag. Und dass es zum Abschluß der Karriere doch durchaus reicht, eine olympische Team-Medaille zu gewinnen. Alle würden vor ihr den Hut ziehen. Niemand mehr würde sie alt und fett nennen. Und die Geschichte des Fräulein Franzi hätte das, was sie verdient - ein wahres Happy-End.

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