Sport : Musterschüler vor dem Abgang

Ein junges Trio begeistert Nürnberg – nur auf Zeit

von
Mann des Tages. Nürnbergs Ilkay Gündogan schoss zwei Tore und bereitete ein weiteres vor. Foto: dpa
Mann des Tages. Nürnbergs Ilkay Gündogan schoss zwei Tore und bereitete ein weiteres vor. Foto: dpaFoto: dpa

Es sah nicht wirklich schön aus, was Ilkay Gündogan am Samstagnachmittag in sein rechtes Nasenloch stopfen musste. Ein Stück weiße Mullbinde, die alsbald rot schimmerte. Die Verletzung ging auf eine kuriose Kollision mit Torsten Frings zurück, dem alternden Antreiber des SV Werder Bremen, dessen Stollen dem Mittelfeldspieler des 1. FC Nürnberg die Nase angekratzt hatten. „Blutet nur, ist aber nicht weiter schlimm“, sagte Gündogan nach dem 3:2 der Nürnberger in Bremen, zu dem er neben einer überragenden Leistung auch zwei Tore beigesteuert hatte.

Ihn schien es gar nicht zu stören, mit dieser wenig vorteilhaften Gesichtsmaskerade von Kamera zu Kamera zu eilen – auch auf die Gefahr hin, dass am Montag die Mitschüler an der Bertolt-Brecht-Schule wegen dieser Bilder frotzeln werden. Gündogan möchte im nächsten Mai sein Abitur machen, was ja ein hehres Anliegen für einen hochbegabten Fußballer ist, der sich mit Gewissheit ein gutes Auskommen auch ohne Hochschulreife sichern wird.

Im Fußball-Metier gilt er seit geraumer Zeit als Musterschüler – der in Gelsenkirchen geborene Gündogan ist wohl das größte Talent, das seit einem Jahrzehnt beim Club gespielt hat. Wie gut er schon ist, war wieder beim Überraschungssieg in Bremen zu erkennen. Gündogan spielte glänzend und schoss die Tore zum 1:1 und 3:1, den wohl wichtigsten Treffer zum 2:1 erzielte Mehmet Ekici. Genau wie Gündogan ist Ekici erst 20 Jahre alt, auch er hat türkische Wurzeln und ist in Deutschland geboren, in München. Das junge Duo bildet die Basis für ein ganz neues Hochgefühl im Frankenland. „Sie geben uns eine neue spielerische Qualität“, sagt Abwehrspieler Andreas Wolf.

Vor den beiden wuseligen Kreativkräften wirbelt noch der willensstarke Alleinunterhalter Julian Schieber, 21, herum. Der Keeper und Kapitän Raphael Schäfer ist begeistert, was er da vor sich sieht, „die Art und Weise, wie wir spielen, macht Spaß“. Es kann ja kein Zufall sein, nacheinander Stuttgart, Schalke, Wolfsburg und Bremen geschlagen, Hamburg und Leverkusen Punkteteilungen abgetrotzt zu haben. „Ein überragendes Auswärtsspiel“, hatte Trainer Dieter Hecking nun gesehen, der gemeinsam mit Manager Martin Bader den Kader für kleines Geld sehr klug zusammengestellt hat.

Der limitierte finanzielle Background wird dazu führen, dass das Talent-Trio bald woanders spielt. Schieber ist vom VfB Stuttgart nur ausgeliehen, auch Ekici ist ohne Option vom FC Bayern geborgt, „und wenn er so weiterspielt, werden die genau hingucken“, sagt Hecking. Bei Gündogan hat Bader schon mehrfach betont, dass der 2012 auslaufende Vertrag im Grunde dazu zwingt, Gündogan zu gutem Geld zu machen. Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim sollen nach wie vor interessiert sein, gerüchteweise wird auch Manchester United neuerdings als Interessent gehandelt. Bei derlei Perspektiven kann es Fußball-Deutschland nur gefallen, dass sich Gündogan bislang dazu bekannt hat, für deutsche Auswahlmannschaften anzutreten. Mehmet Ekici hingegen hat nun verkündet, für die Türkei spielen zu wollen. „Das war eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt Ekici.

0 Kommentare

Neuester Kommentar