Sport : Mut zum Mut

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Stefan Hermanns über Herthas kalkuliert riskantes Saisonziel

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien Hertha BSC hat seine Außendienstmitarbeiter in dieser Woche zur Klausur in den Bergen versammelt, um in der Abgeschiedenheit des Örtchens Tschagguns die Ziele für das kommende Geschäftsjahr zu definieren. Nach vielen internen Gesprächen bat die Geschäftsführung daher am Freitagabend zur entscheidenden Sitzung und ließ nach kurzer Diskussion über einen alle bindenden Entschluss abstimmen. Das Ergebnis fiel nicht nur eindeutig aus, es fand auch die volle Zustimmung des Vorstands. „Es hat mir sehr imponiert, dass das Votum so deutlich war“, sagte Dieter Hoeneß, der Sprecher der Geschäftsführung. Das Unternehmen strebt nun nach Höherem: In der neuen Saison will die KGaA Hertha BSC einen Platz in der Champions League erreichen.

„In einem Unternehmen ist es ganz normal, dass man über gemeinsame Zielvorgaben spricht“, sagt Hoeneß. In einem Fußballverein allerdings ist dieses basisdemokratische Verfahren selten. Bei der Frage nach den Saisonzielen scheuen sich die meisten Klubs vor eindeutigen Festlegungen, bei Hertha war das bisher nicht anders. Der Klub wollte ins „internationale Geschäft“, also irgendwas zwischen Meister und Fünfter werden, aber selbst das war nicht sicher, weil für Trainer Stevens auch der UICup im Zweifel zum internationalen Geschäft gezählt hätte.

Herthas neuer Mut, die Spieler selbst entscheiden zu lassen, ist ungewöhnlich. Trotzdem sagt Dieter Hoeneß, man solle aus dem Verfahren kein Wunder machen. Das stimmt. Unter den gegebenen Umständen ist das Risiko, das Hertha eingeht, ein kalkuliertes. „Vor drei Jahren hätten wir das noch nicht machen können“, sagt der Manager. „Da wäre die Bandbreite noch zu groß gewesen.“ Mit anderen Worten: Diesmal konnte eigentlich nur die Champions League als Ziel herauskommen. Denn nach vier Jahren im Uefa-Cup erwartet die geneigte Öffentlichkeit, dass es mit dem Verein wieder nach vorne geht. „Wir können uns dem gar nicht entziehen“, sagt Hoeneß. Und lieber lässt er die Spieler selbst entscheiden, was sowieso entschieden werden muss, als dass ihnen die Entscheidung von anderen aufgezwungen wird. Das hat etwas mit Psychologie zu tun, und dass die Methode funktioniert, spürt man an der Aufbruchstimmung, die Herthas Mannschaft ergriffen hat.

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