Sport : Mut zur Offenheit

Armin Lehmann

erklärt, warum Berlin für den DFB ein Kulturschock ist Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war schon immer eine Wagenburg, eine eigene Welt, in der man unter sich blieb. Die Nationalspieler, die Trainer, die Funktionäre. Egal, an welchem Ort des Planeten die Nationalmannschaft zu kicken hatte, sie wurde stets abgeschottet, so dass manch Spötter anmerkte: Die Jungs spielen so verbarrikadiert, wie sie im Hotel wohnen.

Und nun Berlin. Quartier am Potsdamer Platz, mitten im Herzen der Stadt. Das ist der nächste Kulturschock für den DFB seit dem Antritt von Jürgen Klinsmann. Denn niemand anderes als der Bundestrainer war es, der diese Übernachtungsstelle für die Nationalspieler vor dem Match gegen Brasilien wählte. Gestern kamen schon die ersten ängstlichen Fragen: Ginge denn das, Nationalspieler, die einfach aus dem Hotel spazieren und mit Normalsterblichen Eis essen? Manager Bierhoff lachte und sagte: „Das müssen wir schon aushalten.“

Die Nationalmannschaft soll sich öffnen, soll Sympathien gewinnen, soll sich gläsern und transparent zeigen. Und sie soll kommunizieren, auch mit Bürgern und ohne gleich zum bloßen Souvenir zu verkommen. Das ist das Ziel. Dahinter steckt der Ansatz, dass man dem aufgebauten Druck, den Erwartungen auch mit einer gewissen Lockerheit begegnen kann. Die Sicherheit der Spieler, das ist selbstverständlich, muss dabei gewährleistet sein. Auch der Zeitpunkt für Offenheit muss passen. Klinsmann wird mit seinem Team nicht kurz vor WM-Beginn in die Münchner Einkaufspassage ziehen.

In Berlin übrigens wird das Spazierengehen am Potsdamer Platz vielleicht leichter als gedacht. Hier kommt fast jeden Tag ein weltbekannter Star vorbei. Na und? Der DFB wird lernen können, was Normalität ist. Das tut bestimmt gut.

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