Sport : Mut zur Pause

Der Hockey-Bund schickt nur sein B-Team zur Champions Trophy

Stefan Hermanns

Berlin. Am Donnerstag wird für die deutschen Hockey-Nationalspieler eine harte Woche zu Ende gehen. Innerhalb von sechs Tagen werden sie dann fünf Länderspiele bestritten haben, und um anschließend richtig zu regenerieren, dürfen die Spieler 14 Tage lang keinen Schläger in die Hand nehmen. „Man muss immer Mut zur Pause haben“, sagt Bundestrainer Bernhard Peters – und das könnte durchaus doppeldeutig gemeint sein. In die schlägerfreie Zeit fällt nämlich die Champions Trophy der sechs weltbesten Hockeyteams, zu denen auch Welt- und Europameister Deutschland zählt. In Amstelveen (Holland) aber wird der Deutsche Hockey- Bund (DHB) nur mit seiner B-Mannschaft, dem so genannten Perspektivkader, antreten. „Ich bin da überhaupt nicht glücklich mit“, sagt Peters. „Aber was soll ich machen?“

Nur acht Tage nach der Champions Trophy beginnt in Barcelona bereits das nächste große Turnier: die Europameisterschaft. „Zwölf Spiele auf höchstem Niveau in nur drei Wochen, das kann vom Kopf und von den Beinen her nicht klappen“, sagt der Bundestrainer. „Wir waren gezwungen, die Spieler zu schützen.“ Der DHB hat sich daher dafür entschieden, die beste Mannschaft nach Barcelona zu schicken, die zweitbeste nach Amstelveen. Die EM sei der wichtigere Titel, sagt Peters. Das Turnier wird nur alle vier Jahre ausgetragen, außerdem qualifiziert sich der Sieger für die Olympischen Spiele 2004 in Athen.

Der Bundestrainer hält die Terminierung der beiden Turniere für „sehr unklug“. Sie zeuge von „mangelndem Management“. Ursprünglich sollte die Champions Trophy bereits Anfang Juli ausgetragen werden, „das wäre ein guter Termin gewesen“, sagt der Bundestrainer. Der besseren Vermarktung wegen aber wurde das Turnier verlegt.

Fünf Zweitligaspieler stehen im deutschen Kader für Amstelveen, darunter auch die drei Berliner Ulrich Bubolz und Bastian Timm (BHC) sowie Max Jesse von den Zehlendorfer Wespen. 13 der 18 Nominierten haben weniger als zehn Länderspiele bestritten. Peters weiß, dass er ein hohes Risiko eingeht: „Mit dieser Mannschaft wird es schwer, den Abstieg zu verhindern.“ Allerdings findet die Champions Trophy 2004 nur zwei Monate nach Olympia statt. „Da ist der sportliche Wert nicht allzu hoch.“

Neben den Deutschen sind nur noch die Holländer von der schlechten Planung betroffen. Als Ausrichter und Titelverteidiger können sie es sich allerdings nicht erlauben, die Champions Trophy zu vernachlässigen. Die Niederländer waren laut Bundestrainer Peters sogar „hochgradig verärgert über unsere Entscheidung“, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen: Wenn der große Rivale Deutschland nur sein Ersatzteam schickt, fördert das nicht unbedingt das Zuschauerinteresse. Bernhard Peters kann darauf keine Rücksicht nehmen. „Am 13. September werden wir sehen, wer mit seiner Entscheidung richtig lag.“ Am 13. September findet das EM-Finale statt.

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