Sport : Mutig wie die Löwen

Die Berliner Eisbären haben großen Respekt vor dem Finalgegner Frankfurt Lions

Mathias Klappenbach

Berlin. Bei den Hamburg Freezers konnte man schon vor dem entscheidenden fünften Halbfinalspiel gegen die Frankfurt Lions Karten für das Finale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft vorbestellen. Das war dann doch etwas voreilig, einige der Hamburger Spieler weinten sogar nach der 3:5-Niederlage gegen Frankfurt. Nun stehen die Lions den Berliner Eisbären gegenüber, keine Sensation, aber doch eine kleine Überraschung.

Der Einzug in die Finalserie ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte der Frankfurter, die gegen die bisherigen Play-off-Gegner aus Köln und Hamburg in der Außenseiterrolle angetreten waren. In der vergangenen Saison war der Verein eigentlich schon abgestiegen und blieb nur wegen des Rückzugs der Schwenninger Wild Wings in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In dieser Spielzeit lag er lange auf dem zweiten Platz, nach einem Tief landete das seit dem Sommer von Rich Chernomaz trainierte Team am Ende auf dem fünften Rang. Chernomaz hatte vor zwei Jahren die Kölner Haie überraschend zum Titel geführt, jetzt hat er die Lions rechtzeitig zu den Play-offs wieder in Form gebracht. „Die Frankfurter standen auch vorher lange mit uns zusammen oben. Jetzt spielen im Finale zwei Mannschaften mit einer sehr guten Offensive gegeneinander“, sagt Eisbären-Kapitän Ricard Persson. Die Lions haben in den Kanadiern Patrick Lebeau, Dwayne Norris und Jesse Belanger herausragende Stürmer in ihren Reihen. Nach dem Erfolg in Hamburg kündigte Belanger gleich selbstbewusst den Titelgewinn an. Der Stürmer erinnert an die Krefeld Pinguine, die im vorigen Jahr nach der Vorrunde nur Sechster waren und auf dem Weg zum sensationellen Titelgewinn im Halbfinale die Eisbären ausschalteten. „Krefeld hat bewiesen, dass man mit einem Lauf das Unmögliche schaffen kann. Das wollen wir jetzt auch“, sagte Belanger.

Tatsächlich scheinen die Frankfurter in den entscheidenden Momenten zulegen zu können. Im Viertelfinale machten sie den Sieg gegen die Kölner Haie im letzten Spiel in den letzten zehn Minuten perfekt, und bei den heimstarken Freezers gewannen die Lions am Sonntag zum ersten Mal überhaupt. Doch diese Spiele haben Kraft gekostet. Während die Lions sich gestern noch von dem Spiel in Hamburg erholen mussten, stand bei den Eisbären hartes Konditionstraining auf dem Programm. Die Berliner haben nach dem schnellen Erfolg mit drei Siegen gegen Ingolstadt im Halbfinale einen ganz anderen Spannungsbogen bis zum ersten Finalspiel am Donnerstag (19.30 Uhr, Sportforum). „Wir haben neun Tage Zeit zwischen den Spielen und deshalb sehr hart trainiert“, sagt Eisbären-Coach Pierre Pagé. Ab heute wird mehr dosiert, jetzt gilt es, sich taktisch auf den Gegner einzustellen. „Die Frankfurter Mannschaft ist sehr aggressiv. Andererseits hat sie auch die Geduld, auf Fehler des Gegners zu warten“, sagt der Trainer.

Die Frankfurt Lions waren in den Play-offs die effizienteste Mannschaft im Überzahlspiel. Deshalb betont Pagé auch die Rolle der Disziplin in den Finalspielen. „Wir haben viel mit den Spielern in diesen Tagen gesprochen. Wir dürfen uns nicht provozieren lassen“, sagt Pagé, der in der langen Pause ohne Spielpraxis eher einen Vorteil sieht. „Die Fitness kann zu einem entscheidenden Faktor in den Finalspielen werden, gerade wenn es zum Ende der Serie richtig eng werden sollte“, sagt Pagé.

Nicht nur der Berliner Trainer rechnet mit einer Frankfurter Mannschaft, die sich nach dem überraschenden Finaleinzug noch einmal steigern kann. Der Respekt vor den Lions ist deutlich zu spüren.

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