Sport : Mutti hat es auch gesagt

Nationalstürmer Klose will erwachsen werden – und hat wieder eine Menge Angebote anderer Vereine

Daniel Pontzen,Michael Rosentritt

Von Daniel Pontzen

und Michael Rosentritt

Herzogenaurach. Sein schmales Gesicht mit der spitzen Nase durchschnitt die stehende Luft in der Turnhalle der Berufsschule von Herzogenaurach. Miroslav Klose saß auf dem mobilen Podium und wirkte wie einer, den der Sportlehrer neben der Sprossenwand vergessen hatte. Hierhin, wo Puma und adidas und Lothar Matthäus groß geworden sind, hat sich die deutsche Fußballnationalmannschaft zurückgezogen, die am Sonnabend im benachbarten Nürnberg das EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen (19 Uhr, live im ZDF) austragen wird. Vielleicht war der 24-jährige Lieblingsschüler von Rudi Völler auch nur ein wenig genervt, weil er in den letzten Tagen von immer mehr Leuten dazu gedrängt wird, seine berufliche Zukunft zu planen. Am Donnerstagmorgen erst titelte die „Gazzetta dello Sport“: „Juve will Klose“. „Meine Mutter hat gesagt, dass das bei uns zu Hause auch schon im Radio lief“, sagt er und schaut gelangweilt in die Runde.

Klose kann es sich wieder leisten, gelassen mit derlei Neuigkeiten umzugehen. Und er erzählt kühl: „Fakt ist, dass ich ein Angebot von Bayern München vorliegen habe und eins von Borussia Dortmund.“ Klose hat sich in den letzten Monaten eine Position erarbeitet, aus der es sich wieder hervorragend verhandeln lässt. Fünf Tore hat Klose in der Rückrunde erzielt, er hat seinen 1. FC Kaiserslautern ins Pokalfinale geschossen und beim letzten EM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft gegen Faröer hat er den entscheidenden Treffer zum 2:1 beigesteuert.

Er sieht keine Eile, eine Entscheidung zu treffen. „Nächste Woche werde ich ein Gespräch mit unserem Präsidenten René C. Jäggi führen, und danach weiß ich mehr“, sagt Klose. „Fifty-fifty“ stünden die Chancen derzeit, dass er bei den Pfälzern bleibe.

Vermutlich stehen sie weitaus schlechter. Ganz unabhängig davon, ob der 1. FC Kaiserslautern die Klasse halten wird. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Klose ein zweites Mal die Chance auslässt, einen entscheidenden Schritt in seiner Karriereplanung zu vollziehen. Schon einmal, nachdem er bei der WM 2002 fünf Kopfballtore erzielt hatte, wollte ihn der AS Rom von der Stelle weg verpflichten, in der englischen Premier League eröffneten Manchester City und Tottenham Hotspurs den Poker um den talentierten Jüngling von der SG Blaubach/Diedelkopf. Für die hatte er noch zwei Jahre vorher in der Bezirksliga Westpfalz gekickt. In der Bundesliga buhlten die üblichen Verdächtigen um seine Gunst. Allen voran der FC Bayern, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Selbst Hertha BSC bekundete Interesse.

Klose beschwor zwar dennoch seine Treue zum 1. FC Kaiserslautern. Doch irgendwie hatten die vielen Offerten dem in Polen (Oppeln) gebürtigen jungen Mann den Kopf verdreht. Klose traf das Tor einfach nicht mehr. Seinem steilen Leistungsabfall folgte der Niedergang des FCK bis ans Tabellenende der Bundesliga. Unterdessen war bekannt geworden, in welche finanzielle Schieflage sein Verein geraten war. Miroslav Klose musste gar als Beleihungsobjekt herhalten. Für fünf Millionen Euro hatte der FCK die Rechte an Klose an Lotto Rheinland-Pfalz abgetreten. „Es war schon eine schlimme Zeit damals, aber ich habe immer an mir gearbeitet und gewusst, dass die Tore irgendwann wieder kommen werden“, sagt Klose. „Ich habe versucht, mich von dem Krisengerede nicht anstecken zu lassen. Aber diese Phase war für mich eine Lehre fürs Leben.“

Der 24-Jährige scheint gestärkt aus dieser ersten Formkrise hervorgegangen zu sein. Wenn er antwortet, starrt er nicht mehr schüchtern zu Boden, sondern blickt seinem Gesprächspartner immer öfter in die Augen. Noch wirkt er ein wenig ungelenk, aber das kann sich mit der Zeit legen. Rudi Völler hat ihn damals trotz seiner Abschlussschwäche immer wieder zur Nationalmannschaft beordert. Mit wachsendem Erfolg. Klose erfühlt wieder seinen Marktwert. Dass die Herren Rummenigge (Bayern München) und Meier (Dortmund) im Wechsel und wöchentlichen Takt so tun, als sei ihr Interesse an der Verpflichtung Kloses erloschen, lässt ihn kalt. „Was in der Öffentlichkeit erklärt wird, will ich nicht beurteilen. Ich halte mich an Fakten“, sagt Klose. Dann steht er auf, bedankt sich freundlich für den Plausch und bahnt sich selbstbewusst den Weg durch die Menge. So viel Klose gab es noch nie.

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