Sport : Mysteriöses Schweigen

Der erste Dopingfall bei der Handball-WM wirft Fragen auf

Erik Eggers

Lissabon. Länger schon kursierten Gerüchte in den Hallen in Portugal, in denen zurzeit die Handball-Weltmeisterschaft stattfindet. Gerüchte über einen aktuellen Dopingfall. Ein Spieler des ägyptischen Teams sollte positiv getestet worden sein. Am Samstag endlich reagierte die Internationale Handball-Föderation (IHF). Sie bestätigte den ersten Dopingfall bei dieser WM. Nach Information des Tagesspiegel handelt es sich um Nabil Gohar. Der Kreisläufer brachte es auf fünf WM-Spiele. Nach dem Spiel Ägypten gegen Brasilien wurde er positiv getestet und deswegen in der Hauptrunde ausgeschlossen.

Aber irgendetwas stimmt nicht an der Sache. Denn der Handball-Weltverband verhält sich überaus merkwürdig. Er geht nicht offensiv mit dem Fall um, er informiert nicht umfassend. Es bleibt bei einem gewundenen Eingeständnis, dass es diesen Dopingfall gibt. Aber es ist nur ein knapper Hinweis, dann schon stößt man auf eine Mauer. Keine Antwort auf das gefundene verbotene Präparat, keine Antwort auf weitere Fragen. Denn „dieser Fall“, sagt Peter Mühlematter, der Chef des IHF-Organisationskomitees, „ist ein bisschen diffzil“.

Offenbar ist er sehr diffizil. Zumindest, wenn es stimmt, was die ägyptische Delegation behauptet. Dann stünde nämlich der Weltverband in einem denkbar schlechten Licht da. Die Version der Äggypter geht so: Das ominöse Mittel, angeblich ein Blutpräparat, auf das der Ägypter positiv getestet worden sei, habe der Spieler ganz regelgerecht eingenommen. Er sei auf dieses Medikament angewiesen, und sein Verband habe diesen Umstand auch vor der WM dem Weltverband mitgeteilt. Der habe die Einnahme in diesem Fall erlaubt. Auch Radprofis, die als Asthmatiker offiziell anerkannt sind, dürfen verbotene Substanzen gegen ihr Asthma schlucken. Offenbar ist die Version der Ägypter nicht völlig falsch, denn die IHF dementiert sie nicht. Sie windet sich nur bei ihren Erklärungen. Und wenn es stimmt, was die Ägypter sagen, stellte sich die Frage: Weshalb auf einmal wird der Spieler gesperrt, nachdem er zuvor grünes Licht erhalten hatte? Der Spieler jedenfalls muss mit einer Strafe rechnen. Aber wenigstens gab es bisher nur wenige Dopingfälle im Handball.

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