Sport : Mythos und Mogelei

Friedhard Teuffel

Die Geschichten im Radsport sind einfach zu schön, um wahr zu sein. An einem Tag fiel Floyd Landis bei der Tour de France scheinbar aussichtslos zurück und am nächsten flog er die Berge hoch, als ob ihm über Nacht neue Beine gewachsen wären. Es hätte die beeindruckendste Leistung des Radsports für lange Zeit sein können, zumal Landis auch noch unter derart starken Hüftbeschwerden leidet, dass er sich nun ein künstliches Hüftgelenk einsetzen lassen muss. Doch solche unglaublichen Märchen im Sport enden manchmal eben nicht auf dem Berggipfel, sondern unten im Tal – im Dopingkontrolllabor.

So ist es offenbar wieder geschehen, und wenn sich auch noch Landis’ B-Probe als positiv herausstellen sollte, bleibt vom Mythos nur ein Mogler übrig. Der Fall würde jedoch nicht nur eine persönliche Erfolgsgeschichte beenden. Er wäre der Beleg dafür, dass der Radsport seinen Tiefpunkt mit der Suspendierung mehrerer Spitzenfahrer wie Jan Ullrich und Ivan Basso vor der Tour de France noch längst nicht erreicht hatte.

Kurios ist, dass Landis tatsächlich bei einer offiziellen Dopingkontrolle auffällig wurde. Die klassische Kontrolle galt längst als wirkungslos, weil sie immer einen Schritt zu spät kam. Allein der Staat schien dem Betrug im Sport Herr werden zu können mit Polizeirazzien in großem Stil. Nun hat die Dopingkontrolle ein grandioses Comeback gefeiert und dabei wohl auch nicht vor dem Sieger Halt gemacht.

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