Nach 0:1 gegen FC Bayern München : Hertha BSC trotz Niederlage im Stimmungshoch

Beinahe hätte es mit einer Überraschung gegen die Übermannschaft geklappt. Trotzdem kann Hertha BSC aus der knappen Niederlage gegen den FC Bayern München einiges für die nächsten Spiele mitnehmen.

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Schöne Atmosphäre. Angesichts vergangener Auftritte der Bayern zog sich Hertha im Olympiastadion achtbar aus der Affäre.
Schöne Atmosphäre. Angesichts vergangener Auftritte der Bayern zog sich Hertha im Olympiastadion achtbar aus der Affäre.Foto: dpa

Gerade zu dieser Jahreszeit gibt es schönere Orte für einen angenehmen Start in den Sonntag als den Schenckendorffplatz. Auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC treibt der Wind die wenigen verbliebenen Laubblätter vor sich her und dem durchschnittlichen Mitteleuropäer die Kälte in die Knochen. Wie muss sich das bloß für, sagen wir, brasilianische Staatsbürger anfühlen?

Ronny hat sich schon mal schlau gemacht zum Thema Kälteschutz, und dabei ist der Mittelfeldspieler offensichtlich auch zu der Erkenntnis gelangt, dass das Vermummungsverbot hierzulande glücklicherweise nur im Stadion gilt. Zum Training am Sonntag erschien der Mittelfeldspieler jedenfalls mit einer eng anliegenden Maske, die nur den Augenbereich zeigte.

Dabei hatten Berlins Bundesliga-Fußballer – abgesehen von den äußeren Einflüssen – eigentlich gar keinen Grund, sich selbst und etwaige Emotionen hinter wärmendem Strickwerk zu verstecken. „Wenn man sieht, welche Ergebnisse die Bayern bislang erzielt haben, dann muss man schon sagen: Wir waren sehr nah dran“, befand Trainer Jos Luhkay am Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den Rekordmeister. „Wir waren in der Lage, das Spiel bis zum Ende spannend zu gestalten“, ergänzte Luhukay. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit mussten sich die auf nationaler Ebene weiterhin ungeschlagenen Münchner mit dem knappsten aller Resultate begnügen. „Wir werden jetzt versuchen, diese positive Grundstimmung mit in die nächsten schweren Aufgaben zu nehmen“, sagte Luhukay noch. Am kommenden Samstag tritt Hertha unter halbwegs ähnlichen Voraussetzungen wie am Samstag gegen die Bayern in Mönchengladbach an.

Der 2:1-Sieg beim 1. FC Köln erweist sich im Nachhinein als besonders wertvoll

Was genau kann sich da nun verstetigen für die Berliner? Welche konkreten Erkenntnisse können sie mitnehmen aus der jüngsten Begegnung, ohne sich vom Resultat trügen zu lassen? Obwohl Luhukay immer mal wieder für überraschende Personalien gut ist, dürfte das Innenverteidigergespann Jens Hegeler/John Anthony Brooks zumindest auf absehbare Zeit gesetzt sein. In der Vorwoche hatten Hegeler und Brooks – ebenfalls völlig überraschend – zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammengespielt.

Mit ein paar Tagen Abstand ist sowohl den Entscheidungsträgern als auch dem Anhang noch einmal bewusst geworden, welche Bedeutung das 2:1 in Köln, dieser erste Auswärtssieg der Saison, tatsächlich hatte. Weil die direkten Konkurrenten aus Stuttgart und Bremen ihre Spiele am Wochenende siegreich gestalteten, hätten die Berliner ohne die drei Punkte aus dem Köln-Spiel aktuell den letzten Tabellenplatz nach 13 Spieltagen belegt.

Am Sonntag trainierte Sebastian Langkamp erstmals wieder bei Hertha BSC

„Wir haben noch alle Möglichkeiten, zwei Siege in den letzten vier Spielen zu holen“, sagt Luhukay – eine selbstbewusste Aussage angesichts des Restprogramm (Gladbach, Dortmund, Frankfurt, Hoffenheim). „Wenn wir mit 20 Punkten in die Winterpause gehen würden, dann wäre ich sehr zufrieden“, ergänzt der Niederländer. Spannend bleibt die Frage, wer primär die für Punkte notwendigen Treffer erzielen soll. Salomon Kalou hat offenbar ein wenig von dem Kredit verspielt, den er sich mit wichtigen Treffern nach seiner Verpflichtung erarbeitet hatte, gegen die Bayern begann erneut Julian Schieber im Sturmzentrum. „Ich wollte die Mannschaft nicht umbauen, weil wir in Köln ein Erfolgserlebnis hatten“, sagte Luhukay auf die Personalie angesprochen. Zudem müsse Kalou daran arbeiten, „dass er für die Mannschaft wertvoller wird und nicht nur situativ Tore erzielt“. Während die Anfangs- respektive Stammelf am Sonntag die Muskeln beim Ausradeln im Warmen beanspruchte, gehörte Kalou zur jener Trainingsgruppe, die unter freiem Himmel üben musste.

Diese Fraktion ergänzte Sebastian Langkamp. Der Verteidiger absolvierte nach langer Verletzung seine erste Einheit mit Ball am Fuß. Zudem drehte Tolga Cigerci, ebenfalls seit Monaten wegen einer Verletzung am großen Zeh außer Gefecht, ein paar Laufrunden. Nicht dabei war Valentin Stocker. Der Schweizer war am Samstag mit Adduktorenproblemen ausgewechselt worden. Dem Vernehmen nach soll es sich allerdings nicht um eine schlimmere Verletzung handeln.

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