Nach 2:0-Erfolg gegen Gladbach : Dortmund feiert Meisterschaft ausgelassen

Die Mission Titelverteidigung ist geschafft. Der alte und neue Meister der Fußball-Bundesliga heißt Borussia Dortmund. Nach dem 2:0-Sieg gegen Mönchengladbach feierte der Verein eine riesige Party.

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In der Dortmunder Innenstadt beherrscht am Samstagabend Schwarz-Gelb das Stadtbild. Zahlreiche Fans feiern augelassen. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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22.04.2012 09:01In der Dortmunder Innenstadt beherrscht am Samstagabend Schwarz-Gelb das Stadtbild. Zahlreiche Fans feiern augelassen.

Fünf Minuten nach dem Abpfiff, nachdem die große Eruption über das Dortmunder Stadion hinweggefegt war, gab es einige Augenblicke des Innehaltens. Marcel Schmelzer küsste seine Freundin, Robert Lewandowski drückte seine Lebensgefährtin, Sebastian Kehl nahm seinen Sohn auf den Arm. Währenddessen genehmigten sich Roman Weidenfeller und Kevin Großkreutz einen tiefen Schluck aus einem überdimensionalen Pilsglas. Doch das war nur ein Intermezzo, sofort ging wieder die Post ab. Mats Hummels verteilte Meisterschalen aus Pappe, mit der die Spieler zur Südtribüne liefen, die außer Rand und Band war. Die Fans forderten Jürgen Klopp, der patschnass von der obligatorischen Bierdusche mit der entfesselten Meute abfeierte.

Danach versank alles im Chaos des ungebändigten Jubeltanzes, dem sich niemand entziehen konnte. Borussia Dortmund ist der alte und neue Deutsche Meister, das 2:0 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach war der finale Schritt nach einem Triumphzug, den Fußball-Deutschland selten gesehen hat. 26 Spiele in Folge ist der BVB nun ungeschlagen, eine solche Serie während einer Saison hat es in der fast 50-jährigen Geschichte der Bundesliga noch nicht gegeben. Als der finale Schritt getan war, sprach Kapitän Sebastian Kehl von der „Krönung einer überragenden Saison.“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte, die Mannschaft spiele „in diesem Jahr auf einem extrem hohen Niveau“.

Nun geht es darum, das Schaulaufen der letzten beiden Saisonspiele mit Anstand zu absolvieren und sich auf den zweiten großen Saisonhöhepunkt vorzubereiten. Schließlich steht ja noch das Pokalendspiel in Berlin am 5. Mai auf der Agenda. Doch bis es so weit ist, dürfen die Dortmunder erst einmal den Augenblick zelebrieren. Ihre Borussia spielte zwar erst am Abend, doch schon am Nachmittag hatte sich ganz Dortmund auf die große Sause eingerichtet. So wie im „Kraftstoff“, einer früheren Tankstelle, hatten sich die Menschen in hunderten Kneipen zusammengefunden, um vor dem Fernseher zu erleben, wie sich Bayern Münchens Reserve in Bremen schlagen würde. Als Naldo in der 51. Minute für Werder traf, flippte die Revierstadt erstmalig aus. „Und schon wieder Deutscher Meister BVB“, sangen die Fans, im „Kraftstoff“ wurde auf Hochtouren gezapft. Kein Benzin, sondern Bier, versteht sich. Doch die Bayern drehten in Bremen das Spiel, als Ribéry in der 90. Minute das Siegtor schoss, bekam Jürgen Klopp das, was er sich gewünscht hatte: Einen echten Wettkampf.

Auf dem Weg ins Stadion mussten sich die Fans berichten lassen, dass die Münchener im letzten Moment das Spiel gedreht hatten. Nichts war es mit der vorzeitigen Feier, und das musste von allen Beteiligten erst einmal verdaut werden. Die Stimmung auf den Rängen des mit 80 720 Zuschauern ausverkauften Stadions war ein wenig gedrückt, auf dem Rasen taten sich die Spieler zunächst schwer, ins Spiel zu finden. Selbstverständlich war ihr Fokus bis eine Stunde vor Spielbeginn auf die Darbietung des einzigen Verfolgers gerichtet. Es war eine echte Herausforderung, sich nun der eigenen Darbietung zu widmen. Die Borussia aus dem Ruhrgebiet tat sich gegen die Borussia vom Niederrhein schwer, das gewohnte Feuer zu entfachen. In dem ihm eigenen Duktus hätte Klopp wahrscheinlich von einer Halbgasveranstaltung gesprochen.

Als erstes schaffte es die Südtribüne, die nötige Bereitschaftshaltung aufzubauen. Nach schleppendem Beginn zog die Mannschaft nach und entwickelte mehr Zug zum Tor. Die erste Chance hatte Torjäger Robert Lewandowski, dessen Schuss Gladbachs Torhüter Marc-André Ter Stegen glänzend parierte. So langsam kamen die Männer in schwarz-gelb auf Betriebstemperatur, die nächste Chance bot sich Kagawa, der den Ball frei vor dem Tor nicht richtig traf, so dass er an den Pfosten hoppelte. Den Nachschuss vergab Lewandowski, es stand weiter 0:0. Das änderte sich kurz darauf, als Marcel Schmelzer einen Freistoß in den Strafraum schickte, der den Kopf von Ivan Perisic traf und von dort im Tor landete. Es stand 1:0, Dortmund war erneut am Ziel seiner Träume und das Stadion erbebte.

„Deutscher Meister steht auf“, intonierte der Chor der vielen Tausenden. Nach dem Seitenwechsel erlebte das Stadion die nächste Eruption, als Kagawa auf und davon eilte und das 2:0 erzielte. Das Revier bebte, Klopp hob den kleinen Japaner in die Höhe und verlor dabei seine Kappe. DieEntscheidung war gefallen, der sowieso schon gigantische Geräuschpegel kulminierte noch zwei Mal: Als Mario Götze nach monatelanger Verletzung ins Spiel gebracht wurde, und als der Abpfiff ertönte und die Meisterfeierlichkeiten beginnen konnten. Dortmund erlebte eine lange Nacht, die Menschen der Stadt waren außer Rand und Band.

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