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Nach 2:4-Niederlage in Braunschweig : Hamburger SV entlässt Trainer van Marwijk

Der HSV verliert 2:4 in Braunschweig. Die Niederlage hat Folgen, die nicht wirklich überraschen. Denn nur vier Stunden später erklären die Hamburger das Trainer-Kapitel Bert van Marwijk für beendet.

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Das war's für Bert van Marwijk in Hamburg. Nach acht Pflichtspielniederlagen in Folge und dem Absturz auf Rang 17 folgte am Samstag nach dem 2:4 in Braunschweig die Entlassung. Foto: Reuters
Das war's für Bert van Marwijk in Hamburg. Nach acht Pflichtspielniederlagen in Folge und dem Absturz auf Rang 17 folgte am...Foto: Reuters

Nach dem Abpfiff wurde es stockdunkel. Schwarzer Rauch zog aus der Fankurve des Hamburger SV unter das Dach der Haupttribüne im Braunschweiger Stadion. Es war das passende Bild zur aktuellen Situation des HSV. Bei den Hamburgern muss man schwarz sehen. Der Abstieg des Gründungsmitglieds aus der Bundesliga wird immer wahrscheinlicher. Trotz einer 1:0-Führung unterlag der HSV beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig noch 2:4 (1:0). Für die Hamburger war es die achte Pflichtspielniederlage hintereinander, der Abstand auf Braunschweig ist auf einen einzigen Punkt zusammengeschmolzen.

„Jetzt sind wir noch dicker drin“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer. Später am Abend, das Team war bereits wieder in Hamburg, teilte der HSV das Unvermeidliche mit: Bert van Marwijk war seinen Job los. „Der Vorstand hat einstimmig beschlossen, Herrn van Marwijk mit sofortiger Wirkung freizustellen“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow. „Er hat es sehr nüchtern aufgenommen und auch Verständnis gezeigt.“ Van Marwijk selbst hatte einen Rücktritt abgelehnt: „Da denke ich gar nicht dran.“

Nicht einmal fünf Monate lang hatte der frühere niederländische Nationaltrainer den Patienten HSV betreut. Nun muss ein Notarzt her. Mirko Slomka soll für diese Operation ausgeguckt sein. Den Namen des früheren Trainers von Hannover 96 wollte Kreuzer direkt nach dem Spiel nicht kommentieren. Insider gehen aber davon aus, dass Slomka schon am Sonntag auf dem Trainingsplatz stehen wird.

Mirko Slomka könnte schon am Sonntag das Training leiten

Dabei hatte es für die Hamburger in Braunschweig durchaus hoffnungsvoll angefangen. Mitte der ersten Halbzeit gelang ihnen etwas, was sie sich zuletzt sehnlichst gewünscht hatten: Sie gingen endlich mal wieder in Führung. Einen Einwurf von Marcell Jansen verlängerte Pierre-Michel Lasogga mit dem Hinterkopf; doch was als Vorlage gedacht war, erwischte Braunschweigs Torhüter Daniel Davari auf dem falschen Fuß. Der Ball flog in hohem Bogen über ihn hinweg und landete zum 1:0 hinter der Linie.

Nach seinem zehnten Saisontor sprintete Lasogga über das halbe Feld direkt in die Arme von Bert van Marwijk. Natürlich war das als Statement für den Trainer gedacht, der gegen die Eintracht schon gar nicht mehr auf der Bank hätte sitzen dürfen, wenn es nach einigen Mitgliedern des Hamburger Aufsichtsrats gegangen wäre. Zur Pause hatte van Marwijk durchaus noch das Gefühl gehabt, das Spiel nicht verlieren zu können. Den Braunschweigern fehlte es zwar nicht an Eifer, dafür aber erkennbar an spielerischer Potenz. „Wir haben in der ersten Halbzeit keine Probleme gehabt“, sagte er. „Aber dann kommt das Problem, das eigentlich immer unser Problem ist in letzter Zeit: persönliche Fehler.“

Der HSV ging durch Lasogga sogar in Führung

Ein Spiel wie das in Braunschweig bekommt man vermutlich nur hin, wenn man bis zur Nasenspitze im Abstiegskampf steckt. Kurz nach der Pause ließ Torhüter René Adler einen Ball aus den Händen fallen – der gerade eingewechselte Domi Kumbela staubte zum 1:1 ab. Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht sprach später einen expliziten Dank an den Stürmer aus, „auch im Namen der Mannschaft“. Der Kongolese hatte zuletzt sechs Mal hintereinander auf der Bank gesessen und mit dieser Rolle sichtlich gehadert. Gegen den HSV erzielte Kumbela in 45 Minuten seine Saisontore drei bis fünf. Dem 1:1 ließ er auch noch das 2:1 und das 3:2 folgen, nachdem Ivo Ilicevic zwischenzeitlich ausgeglichen hatte. In der Schlussminute erhöhte Jan Hochscheidt gar auf 4:2.

Elf Tore hatten die Braunschweiger in ihren ersten 20 Bundesligaspielen erzielt; in ihrem 21. schossen sie gleich vier. Gegen den HSV, der mit 51 Gegentreffern die schlechteste Defensive der Liga stellt, ist das fast schon normal. Sämtliche Zahlen sprechen gegen die Hamburger. Und sie sprachen gegen van Marwijk. Nach dem neuerlichen Rückschlag sind die Verantwortlichen in Hamburg deshalb nun doch zu dem Ergebnis gekommen, dass nur ein Trainerwechsel – der zweite in dieser Saison – die mentale Blockade noch wird lösen können. Angesichts der prekären Situation hatte wohl auch van Marwijk keine weitere Geduld aufseiten der nervösen Entscheider mehr erwartet.

So klang sein Spielfazit gleichzeitig wie eine Einschätzung der Gesamtlage des HSV. „Wir sind es nicht gewohnt, gegen den Abstieg zu spielen“, sagte van Marwijk. „Es ist schwierig, dagegen zu arbeiten.“ Das Spiel in Braunschweig hatte er vorher zum wichtigsten der Saison ernannt. „Jetzt ist das nächste Spiel das wichtigste“, sagte er danach. Es klang schon wie ein Tipp für seinen Nachfolger. Für ihn selbst wird es kein nächstes Spiel mit dem HSV mehr geben.

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