Nach 3:1Sieg im Achtelfinale : VfB Stuttgart: Neuer Trainer, schnelle Tore

Zum Einstand von Christian Gross gewinnt der VfB Stuttgart durch drei historisch schnelle Tore gegen Unirea Urziceni und folgt den Bayern ins Achtelfinale der Champions League.

Oliver Trust[Stuttgart]
VfB Stuttgart - AFC Unirea Urziceni
Volltreffer mal drei. Stuttgarts neuer Trainer Christian Gross hat gleich was zu feiern.Foto: ddp

Die Gründe solcher Phänomene sind im Sport oft untersucht worden. Da kommt ein neuer Trainer, und plötzlich klappt alles, was vorher nicht mehr funktioniert hat. Nach vier Minuten stand Christian Gross zum ersten Mal ganz vorne in seiner Coachingzone und breitete die Arme aus: Na, seht ihr, es geht doch. Ciprian Marica hatte das 1:0 für Stuttgart geköpft, der VfB Stuttgart spielte wie entfesselt auf. Nach zehn Minuten erklomm der 55 Jahre alte Schweizer Gross eine weitere Stufe der Bewunderung. Als Pawel Pogrebnjak das 3:0 erzielte, erschien der Fußballlehrer schon wie eine Art „Wunderheiler“.

Für den erst am Sonntag verpflichteten Nachfolger des glücklosen Markus Babbel war es ein traumhafter Einstand, der allerdings auch so gedeutet werden kann: Dieser Trainerwechsel muss überfällig gewesen sein. Und er kam gerade noch rechtzeitig. Durch den 3:1 (3:0)-Sieg zog der VfB ins Achtelfinale der Champions League ein. Mit dem zweiten Sieg in der Gruppe G überholte der VfB (neun Punkte) Unirea Urziceni (acht Punkte). Die Rumänen, für die Semedo gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit den Ehrentreffer erzielte, müssen nun als Gruppendritter in die Europa League. Gross und die Stuttgarter hingegen dürfen sich auf die Auslosung am Freitag kommender Woche freuen.

Mancher auf der Stuttgarter Stadionbaustelle rieb sich verwundert die Augen. Wann hatte man den Russen Pawel Pogrebnjak so filigran gesehen, seitdem er in Stuttgart spielt? Er umkurvte zwei Rumänen wie ein Tänzer des Bolschoi-Theaters und schob den Ball Giedrius Arlauskis durch die Beine. Oder Christian Träsch. Der hatte vier Minuten zuvor derart platziert geschossen, dass der Ball genau neben dem Pfosten zum 2:0 einschlug. Gross ballte die Hand zur Faust, und kurz darauf sicherte sich der VfB sogar einen historischen Rekord. Nie zuvor in der Geschichte der Champions League hatte eine Mannschaft so früh mit 3:0 geführt.

Auch ins Gesicht des Managers und Vorstandsmitgliedes Horst Heldt kehrte an diesem Abend die Farbe zurück. Bestürzt hatte der auf die Fan-Ausschreitungen reagiert, die Stuttgart am Wochenende in Unruhe versetzt hatten, als es Verletzte und Festnahmen gab. Die Klubführung hatte sich deshalb vor dem Spiel gegen Urziceni in einem offenen Brief an die schwäbischen Fans gewandt und um Unterstützung gebeten: „Hass und Gewalt haben in unserem geliebten Sport und in unserer Gesellschaft nichts zu suchen.“

Auch Christian Gross hält klare Botschaften für wichtig, das war schon in den ersten Tagen nach seiner Amtsübernahme zu spüren. Vor dem Spiel gegen die Rumänen stand er im schwarzen Mantel vor seiner Bank in der Coachingzone und schaute seinen Spielern beim Aufwärmen zu. Die Fotografen kamen immer näher und das Blitzlichtgewitter muss ihm jeden Blick genommen haben. Doch nur zwei, drei Gesten waren nötig, und die Fotografen verzogen sich hinter die vorgegebene Markierung. Es war ein Bild wie bestellt: Der Retter steht im dunklen Mantel wie ein Feldherr alleine in seiner Coachingzone. Sein Gesicht blieb bis zum Schlusspfiff vornehmlich ernst.

Mit dem Einzug ins Achtelfinale hat Gross seinen ersten Auftrag erfüllt und einen guten Start hingelegt, um das Projekt Klassenerhalt erfolgreich zu bestehen. Schon am Sonntag beim Auswärtsspiel in der Bundesliga bei Mainz 05 könnte der ersehnte Erfolg in der Champions League neue Motivation frei setzen. Über allem, hatte der Neue schließlich gesagt, „steht der Nicht-Abstieg“.

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