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Nach 3:4 gegen Barcelona : Reals Ronaldo wittert Verschwörung

Im Anschluss an die spektakuläre Niederlage im Clasico beschuldigt Madrids Cristiano Ronaldo dunkle Mächte. „Einige Leute wollten nicht, dass wir gewinnen“, glaubt er - vor allem der Schiedsrichter bekommt sein Fett weg.

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Am Montagmorgen hatten sich die Gemüter längst noch nicht beruhigt. Unweit des Madrider Hauptbahnhofs stritt eine Gruppe älterer Männer an einem Kiosk leidenschaftlich über ein Spiel, das Stunden zuvor schon ganz Spanien in Aufregung versetzt hatte. Entzückung und Entrüstung lagen nah nebeneinander, weil der Clasico, das Aufeinandertreffen von Real Madrid und dem FC Barcelona, auch ohne Pep Guardiola und José Mourinho an Dramatik und Theatralik nicht zu überbieten war. Es gab sieben Tore, drei Elfmeter, einen Platzverweis, eine schwache Schiedsrichterleistung und viele strittige Situationen, über die sich später vortrefflich diskutieren ließ. Alles wie zu der Zeit, als Guardiola und Mourinho noch Trainer in Barcelona und Madrid waren.

Barcelona siegte am Sonntag 4:3. In einem Punkt waren sich die spanischen Sportzeitungen aus Madrid und Barcelona ausnahmsweise einig. „Ein Spiel für die Geschichtsbücher“, heiß es bei „Marca“, „As“ oder „Mundo Deportivo“. Das Lionel Messi drei Tore erzielte und mit seinen Clasico-Treffern Nummer 19, 20 und 21 zum alleinigen Rekordhalter aufstieg und Real Madrids Legende Alfredo di Stefano hinter sich ließ, ging fast unter. Der Argentinier stand ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt, genauso wenig wie Karim Benzema, der zwei Mal für Real getroffen hatte. Die ganze Aufmerksamkeit wurde Schiedsrichter Alberto Undiano zuteil, allerdings im negativen Sinne. „Ich hoffe, er pfeift uns in dieser Saison nicht mehr. Ich bitte nur darum, dass man uns auf eine neutrale Art und Weise um alle Titel kämpfen lässt“, sagte Sergio Ramos. Real Madrids Kapitän fühlte sich als größtes Opfer Undianos. Beim Stand von 3:2 für Real entschied der Schiedsrichter nach Foul von Ramos an Neymar auf Elfmeter und stellte den Verteidiger vom Platz. Eine harte, aber nicht gänzlich falsche Entscheidung. Ramos hatte Neymar durchaus am Fuß berührt. Auch der zweite Elfmeter nach einem Foul am überragenden Torschützen Andres Iniesta war nicht so abwegig, wie es von Madrids Spieler später dargestellt wurde. Nur Undianos Elfmeterpfiff für Real Madrid war eine grobe Fehlentscheidung. Cristiano Ronaldo war deutlich vor dem Strafraum durch Dani Alves zu Fall gebracht worden. Ronaldo fauchte trotz des anschließend von ihm verwandelten Elfmeters: „Hoffentlich pfeift der uns nicht auch in der Copa.“ Im spanischen Pokalfinale treffen Real und Barcelona im April erneut aufeinander.

Mehr noch als über den großartigen Fußball, den beide Mannschaften im Estadio Santiago Bernabeú boten, freut man sich in Spanien nun über die spannendste Ligasaison seit vielen Jahren. Durch Reals Niederlage übernahm Atletico Madrid erneut die Tabellenführung in der Primera Division. Atletico, Real und den FC Barcelona trennt neun Spieltage vor Schluss nur ein Punkt. Aus der seit vielen Jahren langweiligsten großen Fußball-Liga Europas ist nun die spannendste geworden. Der Zeitpunkt dafür könnte nicht besser sein, weil Spaniens Liga mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Die Zuschauerzahlen sinken stetig, prominente Spieler und Trainer haben die Primera Division verlassen, darüber hinaus schwindet die Glaubwürdigkeit. Erst kürzlich musste der langjährige Präsident des FC Sevilla, José Maria del Nido, seine Gefängnisstrafe antreten, weil er der Korruption überführt wurde. Und dann die Aufregung um die Verpflichtung des Brasilianers Neymar, der dem FC Barcelona anstatt der angegebenen 57 Millionen Euro in Wahrheit um die 100 Millionen Euro gekostet haben soll und in deren Folge Barcelonas Präsident Sandro Rosell zurücktreten musste. Da wirkte das Fußballfest zwischen Real und Barcelona wie Opium für die aufgeheizten Gemüter.

Nur Sergio Ramos wollte sich nach der ersten Niederlage seiner Mannschaft nach 31 Spielen nicht beruhigen und witterte eine Verschwörung. „Wenn sie die Liga offen halten wollten, ist ihnen das gelungen“, sagte er in Richtung des Schiedsrichtergespanns. Auch Cristiano Ronaldo wetterte: „Einige Leute wollten nicht, dass wir gewinnen. Ich bin seit fünf Jahren hier und weiß, wie einige Dinge laufen.“ So wie Ramos und Ronaldo dachten am Montag die meisten Menschen in Madrid.

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