• Nach Alex Alves wird der Berliner Verein in dieser Saison niemanden mehr verpflichten

Sport : Nach Alex Alves wird der Berliner Verein in dieser Saison niemanden mehr verpflichten

Frank Bachner

Schön wars beim "Stanglwirt" in Kitzbühel. Neben den edel gewandeten Herren saßen die jeweiligen Frauen, Kerzen brannten, Wein wurde kredenzt, und gesprochen wurde über alles möglich, nur nicht über Fußball. "Höchstens zwei Minuten", sagt Robert Schwan, Teilnehmer der Runde und Aufsichtsrats-Vorsitzender von Hertha BSC. Wenn er das schön hört, wozu er sich mit den Herren Röber und Hoeneß, Trainer und Manager, da getroffen haben soll. Strategiesitzung? Ach was, "es war eine gemütliche Runde". Und Strategie? "Es gibt nur eine Strategie bei Hertha: Wir müssen alles dran setzen, in der Bundesliga so erfolgreich wie möglich zu sein." Das ist, Donnerwetter, eine durchaus überraschende Strategie. Die überdeckt in ihrer Wucht fast die entscheidende Frage: wie soll Hertha erfolgreich werden beziehungsweise bleiben?

Und über diese Frage wurde zwar nicht den ganzen Abend, aber auch nicht bloß zwei Minuten geredet. Klar ist, dass der Kader in dieser Saison nicht mehr mit Zugängen aufgefüllt wird. Ein starker Defensivmann war im Gespräch, er ist immer noch im Gespräch, "aber wir kaufen ihn erst für die nächste Saison", sagt Schwan. Hertha hat 14,5 Millionen Mark für den Brasilianer Alex Alves hingelättert, für einen weiteren kurzfristigen Deal vor Schließung der Transferliste am 15. Januar fehlt es am Geld. "Es bringt uns nichts", sagt Schwan, "wenn wir Füllmaterial kaufen. Wir brauchen einen starken Mann." Kjetil Rekdal braucht Hertha dagegen nicht mehr, der norwegische Libero wird Hertha am Saisonende wohl ablösefrei verlassen. Auch die Verträge von Hendrik Herzog, Sixten Veit, Andreas Thom und Sergej Mandreko laufen aus, und zumindest der von Dauerreservist Mandreko wird höchstwahrscheinlich nicht verlängert. Sein Kollege Sixten Veit hat nicht viel bessere Chancen. Und sollte Thom, bei dem Röber mitunter eine gewisse Härte gegenüber sich selber vermißt, weiterverpflichtet werden, dann nicht mit glänzenden Augen.

Bei Hertha hat eine neue Zeitrechung spätestens seit dem Erreichen der Champions League begonnen. Ursprünglich wollte das neue Präsidium mit Chef Walter Müller in den nächsten fünf Jahren zwei Mal im internationalen Wettbewerb mitspielen, jetzt ist Europacup-Teilnahme Pflicht. Knapp 20 Millionen Mark wurden vor Saisonbeginn ausgegeben, und mit relativ großen Investitionen wirds erstmal weitergehen. Geld in die Hertha-Kasse spült auch der neue Trikotsponsor. Die Unterschrift wird in den nächsten Tagen erfolgen, verhandelt wird gerademit zwei,drei Unternehmen,wobei vieles auf o.tel.o als neuen Sponsor hindeutet. Auf jeden Fall kommt wohl ein zweistelliger Millionenbetrag per anno in die Klubkasse. Diese Summe braucht Hertha auch. "So wie ich meine Kollegen vom Aufsichsrat kenne, werden die sich nicht mit Mittelmaß zufrieden geben", sagt Schwan. Die Kollegen, ja sicher. Den Kollegen dürfte bei dieser Gelegenheit einfallen, dass der Aufsichtsrats-Vorsitzende Schwan am lautesten über ziemlich teure Zugänge nachgedacht hat. Und für Schwan ist auch klar, dass derzeit allein die Mannschaft mit den Millionen-Einnahmen alimentiert wird. "Sicher brauchen wir ein Vereinsheim, aber dafür haben wir momentan kein Geld. Fußball wird nicht im Vereinsheim gespielt."

Vereinsheim, das klingt nach Geselligkeit, Harmonie und lustigem Treiben. Aber bei Hertha, bei den Profis zumindest, weht jetzt ein immer rauherer Wind. Der Teamgeist war mal ziemlich beispielhaft in der Bundesliga, er ist immer noch beachtlich, aber mit teuren Neuzugängen wird der Neid größer und der Konkurrenzgedanke stärker. Ja und? Das ist das Profigeschäft, sagt Röber. "Es war klar, dass wir mal Spieler kaufen würden, die zehn oder mehr Millionen Mark kosten. Ich habe auch immer gesagt, dass das mal eine Zweckgemeinschaft wird. Und letztlich ist jeder Spieler für sich selber verantwortlich, wenns um seinen Vertrag geht. Und trotzdem verstehe ich nicht, wie man nur neidisch sein kann. Die Zugänge verbessern die Mannschaft und damit auch den Marktwert vieler Spieler. Zudem gibts mehr Prämien."

Heute hat er sie alle wieder beisammen, der Trainer. Heute ist Trainingsbeginn nach der Weihnachtspause. Alle? Fast alle. Tretschok, Dardai und Maas, die Langzeit-Verletzten, fehlen, und bei Deisler muß man abwarten. Und natürlich fehlt auch noch Alves. Der Brasilianer wird wohl am Freitag eintreffen, in Absprache mit Röber. Er wird vermutlich die Nummer 22 erhalten. Mit dieser Nummer wird er dann in der Champions League auftauchen. Einsatzberechtigt ist er dafür. Hertha kann den Kader für die Topl-Liga im Europacup bis 31. Januar melden.

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