Sport : Nach allen Regeln der Logik

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Stefan Hermanns über das Zweitligasyndrom in der Bundesliga

Also, nur noch mal zur Erinnerung: Der SV Pasching, der jetzt FC Superfund heißt, liegt in der österreichischen TMobile-Bundesliga nach zwei Niederlagen aus zwei Spielen auf dem letzten Tabellenplatz. Der SV Pasching hat trotzdem in der vorigen Woche den SV Werder Bremen im UI-Cup-Halbfinale 4:0 besiegt. Dieselben Bremer wiederum haben am Samstag bei Hertha BSC 3:0 gewonnen. Bei jener Hertha, die bestimmt jemand in den vergangenen Wochen als die beste Hertha aller Zeiten bezeichnet hat. Oder war das schon im vorigen Jahr?

Eigentlich kann das nicht sein, weil die Berliner erst zu dieser Saison die besten Transfers aller Zeiten getätigt haben, unter anderem den Nationalstürmer Fredi Bobic geholt haben, der in der vorigen Saison 14 Tore für den Abstiegskandidaten Hannover 96 erzielt hat. Wenn Bobic nun für den Champions-League-Anwärter Hertha BSC spielt, heißt das doch, dass er mindestens – na, wenn nicht sogar noch mehr Tore erzielt. So wie Hertha natürlich auch gegen eine Mannschaft haushoch gewinnt, die gerade gegen den FC Superfund Pasching 0:4 verloren hat. Oder wie der Ligapokalsieger und heimliche Meisterschaftskandidat Hamburger SV dank seiner Heimstärke den Abstiegskandidaten Hannover schlägt, der (siehe oben) seinen besten Torjäger nach Berlin transferieren musste.

Aber manchmal kommt es auch anders. Und das nennt man dann Fußball.

Trotzdem: Was soll man denn davon halten, dass am ersten Spieltag alle Regeln der Logik offensichtlich außer Kraft gesetzt worden sind? Dass das bekannte Zweitligasyndrom nun auch die Bundesliga erfasst hat? Jenes Syndrom, das vermeintliche Absteiger in die Bundesliga befördert und Aufstiegsfavoriten in die Regionalliga verbannt? (Kritiker sagen im Übrigen, dass die Bundesliga in der vorigen Saison auch spielerisch schon Zweitliganiveau hatte, aber das ist hier nicht das Thema.)

Muss man sich also ernste Sorgen machen um die Uefa-Cup-Teilnehmer aus Hamburg und Berlin? Qualifiziert sich stattdessen Hannover 96 mit dem wieder eleganten Simak für die Champions League? Und ist Bayer Leverkusen mit seinem plötzlich begnadeten Stürmer França schon wieder ein Titelfavorit? Wahrscheinlich nicht.

Im vorigen Jahr hieß der Tabellenführer nach dem ersten Spieltag Arminia Bielefeld.

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