Nach Aus im DFB-Pokal : Union, von Zweifeln umweht

Das Pokal-Aus fügt sich in die Reihe deutlicher Niederlagen. Langsam kommt die Frage auf, ob Union tatsächlich so stark ist, wie man zwischenzeitlich dachte.

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In Rauch aufgegangen. Unions Mannschaft hat die guten Eindrücke aus der ersten Saisonhälfte verspielt.
In Rauch aufgegangen. Unions Mannschaft hat die guten Eindrücke aus der ersten Saisonhälfte verspielt.Foto: imago

Ruhig und gefasst analysierte Uwe Neuhaus die Situation. Nach der 0:3-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern und dem damit verbundenen Aus im DFB-Pokal aber sagte der Trainer des 1. FC Union ohne Ironie in der Stimme: „Das Gefühl ist jetzt nicht so, dass wir eine gute Hinrunde gespielt hätten.“

Ein Satz, der vor einem Monat noch seltsam dahergekommen wäre. Da hilft es auch nicht, dass die Hinrunde gar nicht beendet ist, weil ja noch das Spiel am Sonnabend bei 1860 München ansteht (13 Uhr), ehe es gegen Bochum und Bielefeld geht. Selbst positive Resultate bei den Verfolgern würden die vergangenen vier Wochen nicht vergessen machen. Wochen, in denen Union das, was man sich vorher mit einer berauschenden Spielweise und vielen Siegen aufgebaut hatte, wieder zunichtemachte. Wochen, in denen fünf Spiele in Folge nicht gewonnen werden konnten und Union den Nachweis schuldig blieb, eine Spitzenmannschaft der Zweiten Liga zu sein. 0:4 in Köln, 0:3 in Kaiserslautern, jetzt wieder 0:3 gegen den FCK, dazu ein 2:4 im September gegen Greuther Fürth – immer wenn es gegen die direkten Konkurrenten um den Aufstieg zur Bundesliga ging, gab es für die Berliner deutliche Niederlagen. Mittlerweile kommt die Frage auf, ob die Mannschaft tatsächlich gut genug ist, um ganz oben mitzuspielen. Oder ob die Zeit, in der Union die Tabelle der Zweiten Liga anführte, lediglich den vermeintlich leichteren Gegner geschuldet war.

„Ich glaube nicht, dass der Abstand so groß ist, wie er jetzt scheint“, sagte Neuhaus mit Blick auf die Tabellenspitze. Ein Satz, den er bereits nach dem Spiel in Köln formuliert hatte. Die Ergebnisse gegen Kaiserslautern lassen anderes vermuten. Dass seine Mannschaft am Dienstag gegen Kaiserslautern in der ersten Halbzeit chancenlos war, führte Neuhaus auf die schlechten Auftritte im November zurück. „Ich denke, dass das die Folgen der Ergebnisse der letzten Wochen sind.“

Das größte Problem der Berliner ist derzeit, dass sich nicht nur einzelne Spieler in einer Formkrise befinden. Vierzehn, fünfzehn Spieler spielen weit unter ihren Möglichkeiten. Neuhaus hatte zuletzt versucht, durch personelle Rochaden neue Impulse zu setzen. Er wechselte Taktik und Aufstellungen, spielte mal mit drei, mal mit zwei oder mal mit einem defensiven Mittelfeldspieler vor der Abwehr – nichts brachte den Erfolg der frühen Herbstwochen zurück. In der Offensive büßte die Mannschaft ihre Durchschlagskraft ein. Egal ob nun Adam Nemec oder Simon Terodde aufliefen, egal ob auf den Flügeln nun Michael Parensen, Benjamin Köhler, Martin Dausch oder Sören Brandy zum Einsatz kamen. Dass die vielen Wechsel kontraproduktiv für die Stabilität der Mannschaft sein könnten, glaubt Torsten Mattuschka nicht. „Alle Spieler haben auf ihren Einsatz gewartet und sich dann auch reingehauen“, sagte Unions Kapitän. Vor der Saison sah es so aus, als ob Trainer Neuhaus über eine Vielzahl an personellen Alternativen verfügen würde, in der Realität verhält sich das momentan anders. Formkrisen oder Verletzungen, wie bei Christian Stuff und Fabian Schönheim, die beide für das Spiel in München ausfallen, sind daran schuld. Präsident Dirk Zingler hat bereits angekündigt, dass man sich in der Winterpause um Verstärkungen bemühen wird.

Als Entschuldigung für die jüngsten Niederlagen darf der Kader aber nicht gelten. Union verfügt auf dem Papier über eine hervorragend besetzte Mannschaft – auch im Vergleich zu Köln, Kaiserslautern oder Fürth. Nemec, Köhler, Marc Pfertzel, Mario Eggimann oder Daniel Haas haben bereits in der Bundesliga ihre Fähigkeiten nachgewiesen, mehr Erfahrungen kann kaum eine Mannschaft in der Zweiten Liga vorweisen.

Nur ist Erfahrung keine Garantie gegen sportliche Krisen, die beinahe jede Mannschaft während einer Saison durchläuft. Unions Spieler haben ihre Leichtigkeit verloren, Automatismen funktionieren nicht mehr. „In der ersten Hälfte der Saison war es unsere Stärke, sich durch Kombinationsfußball zu befreien. Das gelingt momentan nicht mehr“, sagte Neuhaus.

Mut macht Unions Trainer die Leistung seines Teams in der zweiten Halbzeit gegen Kaiserslautern. „Wir haben nach wie vor eine Grundlage, die Mannschaft ist intakt. Sie ist gewillt, über ihre Grenzen hinauszugehen. Darauf kann man aufbauen“, sagte Neuhaus.

Zu Saisonbeginn durchlief Union schon mal eine schlechte Phase. Damals zog die Mannschaft aus Siegen beim Drittligisten Regensburg und in Dresden Selbstvertrauen. Gegner dieser Kategorie stehen bis zur Winterpause nicht mehr an.

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