Nach Ausleihe nun Kauf : Pizarro kehrt nach Bremen zurück

Werder Bremen kauft ein zweites Mal den Stürmer Claudio Pizarro, der zuletzt nur geliehen war.

Frank Hellmann[Bremen]
295104_0_a4ce6644.jpg
Küsschen für Bremen. Claudio Pizarro kehrt nach Bremen zurück, wo er einst erfolgreich war. Foto: dpadpa

Es hat seine Gründe gehabt, dass Werder Bremen die Rückennummer 24 nicht vergeben hatte. Sie war seit Wochen für Claudio Pizarro reserviert – den nicht nur wegen seiner beachtlichen Torquote außerordentlich beliebten, weil immer gut gelaunten Peruaner. Gestern nun hielt der 30-Jährige im blütenweißen Hemd, mit einem offensiven Dauergrinsen das grün-weiße Trikot mit den orangefarbenen Ziffern in die Kameraobjektive. Erleichtert war nicht nur der Spieler, sondern auch Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf. „Jetzt sind wir gut gerüstet für die neue Saison, wir haben intensiv an diesem Transfer gearbeitet“, sagte der Bremer Geschäftsführer Allofs, und der Trainer ergänzte: „Es ist sehr wichtig, dass wir einen Spieler mit dieser Qualität dazubekommen.“ Womöglich wird Schaaf seinen Wunschstürmer schon morgen im Play-off-Hinspiel der Europa League gegen FK Aktobe aus Kasachstan (21 Uhr, live im ZDF) einsetzen.

Pizarro, vor zehn Jahren erstmals aus Lima für kleines Geld transferiert, wird nun ein zweites Mal gekauft und mit einem stattlichen Drei-Jahres-Vertrag mit einer beidseitigen Option auf ein weiteres Vertragsjahr ausgestattet. Die zweite Rückkehr aus London – im Vorjahr war der bald 31-Jährige nur ausgeliehen – lässt sich Werder einiges kosten. Sieben Million Ablöse, die Werder an den FC Chelsea abstottern kann, und kolportierte vier Millionen Gehalt. Damit ist der Mann neben Torsten Frings neuer Rekordverdiener an der Weser. Dennoch antwortete der Profi auf die Frage, ob er denn auf Geld verzichte, mit einem „Ja!“. Dabei lachte er schelmisch.

Die Hintergründe dieses Geschäfts stellen sich außerordentlich vertrackt dar. Stehen der Spieler und sein nicht bestens beleumundeter Berater Carlos Delgado doch seit Monaten im Visier der heimischen Staatsanwaltschaft, weil etliche ihrer über eine gemeinsame Agentur abgewickelten Geschäfte, vorsichtig formuliert, nicht ganz koscher anmuten. Auch an einem Werder-Transfer – 2001 am 1,2 Millionen teuren Landsmann Roberto Silva – verdienten die beiden lebensfreudigen Kumpels kräftig mit, wie aus Unterlagen der mit Delgado im Scheidungskrieg liegenden Ehefrau Fiorella Faré eindeutig hervorgeht. Doch Skrupel hatte die Bremer Vereinsführung nicht, mit dem Agenten erneut zu paktieren. Schon beim Bankett nach dem Pokalfinale in Berlin war Delgado einer von Werders Ehrengästen.

Und Pizarro wird ebenso wieder mit offenen Armen empfangen, was eingedenk seiner formidablen Leistungen in der Vorsaison (28 Tore in allen Wettbewerben) auch nicht verwundert. „Er hat entscheidend für unsere Erfolge in DFB-Pokal und Uefa-Cup gesorgt“, sagte Allofs. Der Deal zog sich auch deshalb so lange hin, „weil wir mit einem spitzen Bleistift rechnen müssen“ (Allofs). Auch nach der wirtschaftlich erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte, die allein an Brutto-Einnahmen aus Champions League, Uefa-Cup und DFB-Pokal sowie der ersten Tranche des Diego-Verkaufs summa summarum 50 Millionen Euro einbrachte, können die Hanseaten nicht so, wie sie eigentlich wollen.

Allofs widersprach der Ansicht, dass man Pizarro lange nur habe ausleihen wollen und dementierte auch jede Beteiligung an dem von Chelsea mit dem Verkauf beauftragten Ballack-Berater Michael Becker: „Da ist eine Menge Unsinn erzählt worden.“

Sowohl der Hamburger SV, der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart als auch die TSG Hoffenheim hatten sich in den vergangenen Monaten mit einem Pizarro- Transfer beschäftigt, waren aber aus verschiedenen Gründen abgesprungen. Aus dem Ausland hatten der FC Sevilla, AS Monaco und Olympique Marseille Interesse angemeldet, „es gab auch Anfragen aus Griechenland, Türkei und England“, erzählte Pizarro, der gleichwohl beteuerte, Werder sei seine Wunschoption gewesen. Er wolle nun schnell in Bremen „ein großes Haus“ suchen: „Ich habe eine große Familie.“ Seine Tochter Antonella und sein Sohn Claudio junior wurden in Bremen geboren.

Die eine Familie kommt, die andere geht: Boubacar Sanogo wird Bremen vermutlich sehr bald verlassen. Der Ivorer, wie üblich zu dieser Saisonphase in Frühform, hat Angebote aus dem Ausland, darunter eine sehr konkrete Offerte von AS St. Etienne. Allofs sagt: „Es gibt an ihm starkes Interesse.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar